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Christina Obergföll gewann bislang zwei WM-Silbermedaillen © getty

Beim DLV sinken die Ansprüche. Es drohen die ersten sieglosen Spiele seit 1956. Christina Obergföll ist die einzige Goldhoffnung.

Peking - Das "Gespenst von Athen" gewinnt täglich an Größe.

Vor Wochen galt das WM-Resultat von Osaka 2007 mit je zweimal Gold und Silber sowie dreimal Bronze noch als Leitlinie für Peking.

Nach schmerzhaften Ausfällen und Formkrisen von Medaillenhoffnungen sagt Clemens Prokop als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) vor dem Startschuss der olympischen Kernsportart am Freitag in Peking: "Ich wäre zufrieden, wenn wir ein bisschen besser abschneiden würden als 2004 bei zweimal Silber in Athen."

Es drohen sieglose Spiele

Keine Frage: Dem DLV drohen vor dem Auftakt im "Vogelnest" die dritten sieglosen Spiele seit 1956.

Auch wenn Cheftrainer Jürgen Mallow nach den Ausfällen von Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch (Neubrandenburg) und der nach ihrem Triumph in London im April ebenfalls noch als Siegtipp gehandelten Marathonläuferin Irina Mikitenko (Wattenscheid) noch immer auf ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr mit sieben Medaillen in Osaka.

Nur Bartels verletzt

Mit Ausnahme von Kugelstoß-Europameister Ralf Bartels, dessen Ausfall am Freitag wegen einer Wadenverletzung zu befürchten ist, "sind alle Athleten punktgenau in Form" sagt Mallow.

"Sie werden sich mit viel Selbstbewusstsein der Konkurrenz stellen." Dennoch läuft er in Peking Gefahr, die Früchte seiner hervorragenden Arbeit nicht vollständig ernten zu können.

Heidler mit Problemen

Denn auch die zweite Weltmeisterin neben Dietzsch kämpfte zuletzt mit erheblichen Problemen, vor allem psychischer Natur.

Deshalb steigt Betty Heidler am Montag nur als Zwölfte der Weltrangliste zum Vorkampf in den Hammerwurfring.

Mallow aber macht ihr Hoffnung: "Da gibt es so viele Dopingleistungen in der Welt, das zählt alles nicht. Einige Russinnen sind schon weg."

Nur zwei Athleten auf Medaillenrängen

Auf Medaillenrängen stehen in der Weltjahresbestenliste nur zwei der noch 60 DLV-Athleten, die in Peking dabei sind.

Im Speerwurf die WM-Zweite Christina Obergföll (Offenburg/67,72) als einzige möglich erscheinende Goldhoffnung, sowie im Hochsprung Aufsteigerin Ariane Friedrich (LG Frankfurt/2,03), die sich Rang zwei allerdings mit zwei Russinnen teilt.

Nur ein Mann mit Chancen

Vierte der Weltrangliste ist im Kugelstoßen die Athen-Zweite Nadine Kleinert (Magdeburg/19,89), die allerdings darauf hoffen kann, dass dem Doping-Schock durch elf positive Fälle in Russland der Muskelschwund der Konkurrenz folgt.

Fünfte im Siebenkampf ist die EM-Dritte Lilli Schwarzkopf (Paderborn/6536). Und als einziger Mann mit Medaillenchancen hat der WM-Zweite Robert Harting (Berlin/68,65) fünf Diskuswerfer mit größeren Weiten vor sich.

Überschätzte Hochspringer

Keine Medaillenhoffnung war zuletzt die Speerwurf-Olympiazweite Steffi Nerius (Leverkusen), die seit der EM 2002 in München von sechs Großereignissen in Serie Edelmetall mit nach Hause brachte.

Im Kontrast zu ihr standen die oft überschätzen Stabhochspringer. Vielleicht starten sie nun, da niemand auf sie setzt, zum Höhenflug im Vogelnest.

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