Drei Zentimeter! Storl schrammt an Gold vorbei
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Nur drei Zentimeter fehlten David Storl zum goldenen Stoß, aber mit Silber zum Auftakt gab er den deutschen Leichtathleten dennoch einen kräftigen Anschub.
"Ich hoffe natürlich, dass dies dem Team noch einen Ruck gibt", meinte der Chemnitzer zu SPORT1 (Die Olympischen Spiele täglich im LIVE-TICKER).
Die Bilanz des DLV von 2008, als am Ende nur die Bronzemedaille von Speerwerferin Christina Obergföll zu Buche stand, ist bereits übertroffen.
Der Sieger verheißt Storl Großes
Peking-Sieger Tomasz Majewski, bei der WM im vorigen Jahr noch acht Plätze hinter dem Sieger Storl, triumphierte vor fast 80.000 Zuschauern im ausverkauften Olympic Stadium mit persönlicher Bestleistung von 21,89 Metern. Bronze ging an den Weltjahresbesten Reese Hoffa (21,23 m) aus den USA.
"David ist ein super Kerl, er stößt hier so weit wie noch nie. Ihm gehört die Zukunft", versprach Majewski - auch wenn er selbst gerne noch bis Rio 2016 weitermachen würde.
Storl bescherte Deutschland 24 Jahre nach Ulf Timmermanns Triumph in Seoul damit wieder eine Medaille mit der Kugel.
Bartels scheitert am "Kopfproblem"
Er war zwar "sehr stolz" über seine Silbermedaille, ärgerte sich aber zugleich, dass seine Wade einen finalen Konter vereitelte ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
"Meine Wade war total verkrampft und ich konnte nicht mehr so Druck machen, wie ich wollte", erläuterte der 22-Jährige.
Sein Landsmann, Ex-Europameister Ralf Bartels, hatte den Endkampf der besten Zwölf mit 20,00 Metern um vier Plätze und 25 Zentimeter verpasst. "Physisch bin ich gut drauf, es war ein Kopfproblem", meinte der Neubrandenburger.
Ein Signal im ersten Versuch
Storl verfehlte zwar sein Vorhaben, die Konkurrenz gleich im ersten Versuch mit dem ersten 22-Meter-Stoß seines Lebens zu schocken, um 16 Zentimeter.
Aber mit seiner besten Weite unter freiem Himmel setzte er sich dennoch mit deutlichen 86 Zentimetern vor Hoffa, den Weltmeister von 2007.
Und im zweiten Durchgang, als sich Majewski auf 21,72 Meter gesteigert hatte, legte der 1,98-m-Riese noch zwei Zentimeter drauf ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
Alles für die verstorbene Oma
Der 22-Jährige wollte das Gold, um es seiner in der vergangenen Woche nach einem Hirnschlag verstorbenen Großmutter Adelheid zu widmen.
"Ich werde mich von meinem Ziel nicht abbringen lassen", hatte er gesagt, "ich werde alles im Sinne meiner Oma tun."
Der Pole lieferte jedoch im dritten Versuch mit 21,87 Metern Maßarbeit und übertraf Storl um einen Zentimeter - im letzten Versuch, als er das Gold schon sicher hatte, packte der 31-Jährige noch zwei Zentimeter drauf.
Stoffente beruhigt die Nerven
Am Morgen hatte Storl vor dem größten Publikum, das Olympia jemals bei Vorkämpfen in der Leichtathletik erlebt hat, mit seinen Nerven zu kämpfen, bevor er sich mit 21,15 Metern qualifizierte.
"Beim Einstoßen habe ich Fehler gemacht wie ein Anfänger. Die ersten beiden Versuche waren jenseits von Gut und Böse", meinte der Sachse.
Erst die Ente Wilson ließ den Rammstein-Fan ruhiger werden. "Den Glücksbringer schenkte mir meine Freundin" sagte Storl.
Carolin Leonhardt, acht Jahre nach dem Olympiasieg 2004 erneut Goldkandidatin im Vierer-Kajak, hatte ihm die Stoffente in die Tasche gepackt.
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