Stickstoff, Show und Prinz Harry: Bolt-Wahnsinn beginnt
Von Eric Böhm
München - Er ist die größte Attraktion der Olympischen Spiele: Usain Bolt ist in London allgegenwärtig.
Dem Konterfei des jamaikanischen Sprintstars auf riesigen Werbetafeln kann man sich in London nicht entziehen. Wo der dreimalige Olympiasieger leibhaftig auftaucht, bildet sich aus dem Nichts eine Menschentraube.
Daran ändern auch die Formschwäche der aktuellen Saison und die immer wieder auftretenden Rückenprobleme nichts. Im Vorlauf über 100 Meter (ab 13.30 Uhr im LIVE-TICKER) wird es nun erstmals auf der Bahn ernst.
"Ich will eine Legende werden. Es geht nur um den Titel. Ich bin immer bereit und mental sehr stark", tönt der Showman der Leichtathletik ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Siegesfeier geplant
Entsprechend plant Bolt auch schon die Siegesfeier nach dem großen Finale am Sonntag (ab 22.50 Uhr im LIVE-TICKER). Prinz Harry wird in der englischen Boulevardpresse bereits als Ehrengast gehandelt.
Das Fehlstart-Aus bei der WM 2011, die beiden Trials-Pleiten gegen Trainingspartner Yohan Blake und die chronischen Schwierigkeiten mit der Rückenmuskulatur haben aber auch bei dem immer fröhlichen Superstar Spuren hinterlassen.
Abgesehen von dem gefeierten Einmarsch als Fahnenträger seines Teams bei der Eröffnungsfeier sind öffentliche Auftritte in London eher selten.
Landsleute als Personenschützer
Die Wachsfigur in der typischen Bolt-Pose bei "Madame Tussauds" wurde schon ohne den Hauptdarsteller enthüllt ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
Im Olympischen Dorf müssen die zahlreichen Autogrammjäger schnell und einfallsreich sein, selbst in der Athleten-Mensa schirmen ihn Diskuswerfer Jason Morgan, Kugelstoßer Dorian Scott und Sprinter Kemar Bailey-Cole - allesamt Landsleute - systematisch ab.
Dieser Tage werden auch die markigen Statements seltener. Hin und wieder lässt es der Spaßvogel aber noch krachen.
"Das wird der Augenblick, und das wird das Jahr sein, in dem ich den Rest der Welt hinter mir lasse", schwärmte Bolt im "Guardian" schon vom Endlauf.
Gegner sehen Chance
Ob "Lightning Bolt" allerdings seine drei Titel aus Peking tatsächlich verteidigen kann, darf bezweifelt werden.
Neben Blake und dem dritten Jamaikaner Asafa Powell wittern auch die US-Amerikaner Tyson Gay und Justin Gatlin Morgenluft.
Denn heuer liefert Bolt neben den fast schon traditionellen miserablen Starts auch schwache Auftritte wie in Ostrava (10,04 Sekunden) ab.
Müller-Wohlfahrt und Spezial-Eispackung
Die Inkonstanz leiten die meisten Experten von den Rückenschmerzen ab, die Bolt aufgrund einer Rückgrat-Verkrümmung schon durch seine gesamte Karriere begleiten.
Deshalb besorgte Trainer Glen Mills für London ein Spezialbett. Neben einem Checkup in München bei Bayern-Doc Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt soll auch eine Eispackung mit flüssigem Stickstoff zur Topform verhelfen.
9,4 soll möglich sein
Die Erwartungen an den aktuell etwas strauchelnden Überflieger sind speziell in London und in der Heimat fast schon übermenschlich.
"Wenn Usain Bolt in Form ist, dann werden wir eine 9,40er Zeit über 100 Meter sehen", meinte Lamine Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.
Dabei stützte er sich auf die Berechnungen des Mathematik-Professors John Barrow, der diesen Wert bei optimalen Wind und Start prognostizierte.
Doppelte Feier auf Jamaika?
Der aktuelle Weltrekord steht bei 9,58 Sekunden. In dieser Saison kam der 25-Jährige jedoch nicht über 9,76 Sekunden hinaus.
Zur geplanten Party passt, dass Jamaika am Montag den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit feiert.
Die Party auf der Karibikinsel würde zwar auch bei einem Blake-Sieg steigen, aber an den Bolt-Wahnsinn kommt das "Biest" noch lange nicht heran.
Was wären die Olympischen Sommerspiele bloß ohne die hübschen Sportlerinnen aus aller Welt? Ob Beachvolleyball, Hockey oder Fußball: SPORT1 zeigt Bilder der schönsten Athletinnen. mehr...