Teufelskerl Storl feuert das Team an
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Ein Mann der großen Worte wurde David Storl auch nach seinem erfolgreichen Olympia-Debüt nicht, doch für seine Mannschaft will der mit Silber dekorierte Kugelstoßer zum Schreihals werden.
"Jetzt kann ich die anderen unterstützen", sagte der Chemnitzer nach einer kurzen Nacht ohne ausschweifende Party. "Ich musste ja heute wieder fit sein."
Zwar will er tagsüber auch oft an die Ruderstrecke fahren, wo seine Freundin Carolin Leonhardt im Viererkajak ihren Olympiasieg von 2008 wiederholen will, aber zudem seine Landsleute in der Leichtathletik (täglich im LIVE-TICKER) anfeuern ( Bericht: Drei Zentimeter! Storl schrammt an Gold vorbei).
Langer Abwärtstrend gebrochen
Die trostlose Bilanz von 2008, als Bronze von Speerwerferin Christina Obergföll die einzige Medaille für den DLV blieb, ist bereits übertroffen. "Das Ergebnis von Peking spielt keine Rolle mehr", betonte Storl.
Sollte am Samstag Gold von Diskuswerferin Nadine Müller hinzukommen (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER), ist auch die Ausbeute von vor acht Jahren in Athen getoppt. Und Storl ist optimistisch: "Ich denke, dass die deutsche Mannschaft noch den ein oder anderen Olympiasieger hervorbringt."
Seit 1988 hielt der Abwärtstrend an, dennoch eroberten die Deutschen in den 90er-Jahren jeweils Platz 3 im Medaillenspiegel der Leichtathletik, 1996 in Atlanta mit drei Goldmedaillen ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
"Signal an die Mannschaft"
Ein Anfang ist gemacht. "Ich hoffe, dass ist ein Signal an die Mannschaft, dass da wirklich etwas geht, die Sportler an sich glauben und alles aus sich herausholen", meinte Storl.
Dabei fühlte sich der Bundespolizist in der Rolle des Pioniers, der in der ersten von 47 Entscheidungen ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan) im gigantischen Olympic Stadium vorlegen sollte, nicht recht wohl. "Ich war schon besonders aufgeregt, das kannte ich so nicht."
80.000 Zuschauer sorgten für eine "wahnsinnige" Stimmung. "Ich war nervös, habe mir noch mal alle Trainingsstunden vor Augen geführt, die ganzen Stunden im Kraftraum, all die Meisterschaften, bei denen ich immer eine Medaille geholt habe."
Knapp geschlagen, aber nicht geknickt
Und der Welt- und Europameister mit dem Twitter-Namen "shotputdevil" erwies sich als Teufelskerl, steigerte seine Bestleistung im ersten Versuch um sechs Zentimeter auf 21,84 m und legte im zweiten noch zwei Zentimeter drauf.
"Wer damit nicht zufrieden ist, macht etwas falsch", sagte er SPORT1, obwohl er sich eigentlich einen 22-Meter-Stoß vorgenommen hatte, den seit Ulf Timmermann 1989 kein Deutscher mehr geschafft hat.
Dass er letztlich nur um winzige drei Zentimeter vom alten und neuen Olympiasieger Tomasz Majewski aus Polen geschlagen wurde, ärgert ihn nicht: "So ist der Sport. Das nächste Mal habe ich vielleicht das Glück und bin um drei Zentimeter vorn."
Noch lange nicht im besten Kugelstoßer-Alter
Voller Stolz fügte er an: "Welcher Sportler kann schon von sich behaupten, mit 22 Jahren Olympia-Silber gewonnen zu haben? Vor allem im Kugelstoßen, wo es eigentlich mit 27 Jahren erst so richtig los geht."
Wenn er 26 ist, steigen die Sommerspiele in Rio, auf die er sich bereits jetzt freut: "Da kann ich den Tomasz vielleicht ein bisschen mehr ärgern."
Dann könnte es die vierte deutsche Goldmedaille im Kugelstoßen geben, und vielleicht wieder das Signal, eine womöglich stolze Medaillenausbeute von London zu wiederholen.
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