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Andre Höhne geht durch die Wasserdusche des 20-Kilometer-Wettbewerbes © getty

In Osaka noch kollabiert, kommt Geher Andre Höhne über 20 Kilometer zwar völlig erschöpft, aber ohne Zusammenbruch ins Ziel.

Peking - Der Kollaps kurz vor dem Ziel blieb ihm diesmal erspart, aber weit entfernt davon war Andre Höhne beim Gang durch den Glutofen von Peking nicht.

"Ich muss das hier erst mal überleben", meinte der Geher aus Berlin nach seinem enttäuschenden 25. Rang im olympischen 20-km-Wettbewerb.

Völlig erschöpft ergänzte der 30-Jährige: "Gebt mir zwei Tage Zeit, dann werde ich sagen, ob ich mir die 50 Kilometer am Freitag auch noch antue."

Schon früh musste sich Höhne, der sich Außenseiterchancen auf eine Medaille ausgerechnet hatte, bei über 30 Grad in der prallen Vormittags-Sonne der chinesischen Hauptstadt mit der ernüchternden Realität abfinden:

Das Tempo in der Spitze war einfach zu hoch, der Traum früh ausgeträumt. "Ich bin ähnlich schnell unterwegs gewesen wie im letzten Jahr bei der WM, aber was die vor mir veranstaltet haben, war einfach unglaublich", sagte Höhne.

Höhnes Rechnung geht nicht auf

Vor einem Jahr bei der WM in Osaka war Höhnes Kreislauf bei ähnlich extremen klimatischen Bedingungen kollabiert.

Diesmal, betonte er, habe er sich auf die Hitze eingestellt. Seine Rechnung, dass die Spitzengruppe um den späteren Olympiasieger Walerij Bortschin aus Russland im zweiten Rennabschnitt langsamer werden würde, ging aber nicht auf.

"Im Gegenteil", sagte der Oberfeldwebel der Bundeswehr: "Da ging die Post erst so richtig ab."

Großer Rückstand

Am Ende hatte Höhne in 1:23:13 Stunden mehr als vier Minuten Rückstand auf Bortschin, hinter dem bereits eine einjährige Dopingsperre liegt.

Zweiter wurde Atlanta-Olympiasieger und Weltmeister Jefferson Perez (Ecuador/1:19:15), Dritter der Australier Jared Tallent (1:19:42).

Top-Favorit nicht am Start

Der russische Top-Favorit Sergej Morosow war nicht am Start.

Ein Teamsprecher erklärte, der Weltrekordler sei gar nicht erst nach Peking angereist.

Gründe wollte er nicht nennen. Erst wenige Tage vor den Spielen waren drei russische Geher des Epo-Dopings überführt worden, darunter auch der für Peking vorgesehene ehemalige Weltrekordler Wladimir Kanaikin.

"Ich weiß nicht, was da passiert ist"

Sieger Bortschin wollte auf die Fälle nicht näher eingehen:

"Ich weiß nicht, was da passiert ist. Zuletzt habe ich alleine trainiert. Einige meiner Teamkollegen sind krank geworden und deshalb sind sie nicht hier."

Einsame Geher

Höhne konnte sich auch nicht damit trösten, dass er diesmal von einem ähnlich dramatischen Verlauf wie bei der WM 2007 verschont geblieben war.

Damals beendete er im Glauben, das Ziel erreicht zu haben, das Rennen 200 Meter zu früh und kollabierte anschließend beim Bad im Wassergraben.

In Peking, so Höhne, habe er nicht nach dem Wassergraben gesucht, als er ins Stadion einbog. Auch körperlich habe er sich relativ wohl gefühlt.

Etwas anderes machte Höhne diesmal viel mehr zu schaffen: "Das Rennen war langatmig, die Zuschauer waren weit weg. Man fühlte sich auf der Strecke verdammt einsam."

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