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Usain Bolt: "Ich wusste, dass es so passieren würde" © getty

Usain Bolt holt sich mit Weltrekord Gold über die 100 m. Die Fabelzeit wirft Fragen auf. Der Jamaikaner gibt sich davon unbeeindruckt.

Peking - Als der "goldene Blitz" Usain Bolt nach nur 41 Schritten im Ziel einschlug, zerriss ein ohrenbetäubender Aufschrei das "Vogelnest" in Peking.

Aus 91.000 Kehlen drangen das Erstaunen und die Fassungslosigkeit - 9,68 Sekunden stand da auf der Anzeigetafel.

Kurz darauf wurde die Zeit auf 9,69 korrigiert, aber das war längst egal.

Unwiderstehlich und unantastbar war der schnellste Mann der Welt zum Olympiasieg über 100 Meter gelaufen, die Verbesserung der eigenen Bestmarke von 9,72 nahm er als ultimative Krönung mit.

"Ich wusste, dass es so passieren würde", behauptete der "Lightning Bolt" nach seinem krachenden Einschlag in die Geschichtsbücher mit einem entspannten Grinsen.

Ins Ziel geschlendert

Und das Aberwitzige war: Der 21 Jahre alte Jamaikaner, der zum ersten Sprint-Gold für sein Land lief, vergab sogar eine noch fabelhaftere Zeit.

Nach dem zweitschlechtesten Start des Final-Feldes nahm Bolt bereits 20 Meter vor dem Ziel siegesgewiss das Tempo raus, breitete die Arme aus - und schlenderte dann fast über die Linie.

Gay im Halbfinale gescheitert

Was kaum jemand bemerkte, womöglich nicht einmal Bolt selbst:

Am linken seiner bezeichnenderweise goldenen Schuhe war schon früh der Schnürsenkel offen.

Doch wahrscheinlich wäre er an diesem Abend auch barfuß unschlagbar gewesen.

"Er ist ein phänomenaler Athlet", sagte durchaus ehrfürchtig Richard Thompson (Trinidad und Tobago), der überraschend Silber (9,89) gewann.

Walter Dix rettete auf Rang drei die Ehre der USA (9,91). Der dreifache Weltmeister Tyson Gay war bereits im Halbfinale gescheitert.

Erst der achte 100-Meter-Lauf

"Es waren gute Leute dabei, ich musste einiges bringen, um zu siegen", sagte Bolt nach seinem erst achten 100-Meter-Wettkampf.

In der Tat waren seine Konkurrenten keine - auch nicht Landsmann Asafa Powell, der nur Rang fünf belegte (9,95).

"Er ist der beste Sprinter aller Zeiten, und ich habe das bereits vorher gesagt", sagte Powell.

Unter Verdacht

Die Aussicht, dass noch Unglaublicheres möglich gewesen wäre, wäre er bis ins Ziel gesprintet, macht es Bolt allerdings noch schwerer, dem Verdacht davonzulaufen, der Seinesgleichen verfolgt.

Bezeichnend, dass früh nach dem Rennen der jamaikanische Mannschaftsarzt Herb Elliot die Initiative ergriff und zur Vorwärtsverteidigung ansetzte:

"Die Gerüchte sind mir egal. Er ist immer und immer wieder getestet worden."

Insgesamt 32 Blut- und Urinproben wurden den jamaikanischen Läufern alleine nach ihrer Ankunft in Peking entnommen.

"Nichts zu verbergen"

Von den fünf Siegern des olympischen 100-Meter-Endlaufs seit 1988 waren drei (Ben Johnson, Linford Christie, Justin Gatlin) nicht sauber.

"Ich hoffe und bete, dass nach den 100 Metern nichts kommt", sagte John Fahey, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Jamaikas Chefmediziner Elliot erklärte derweil: "Kommt zu uns und schaut uns zu, wie wir testen, wie unser Programm läuft. Kommt, wann immer ihr wollt, Tag oder Nacht. Wir haben nichts zu verbergen."

Ab Montag über 200 Meter

Bolt lief freilich schon immer schnell. Als 15-Jähriger war er jüngster Junioren-Weltmeister aller Zeiten, über 200 Meter (20,61).

Damals maß er schon 195 Zentimeter, heute ist es nur ein Zentimeter mehr. Seine Paradestrecke waren immer die 200 Meter, sie läuft er in Peking ab Montag.

Und dann ist der "goldene Blitz" wieder Favorit. Nach diesem Auftritt.

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