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Jelena Issinbajewa bejubelt ihren neuen Weltrekord © imago

Jelena Issinbajewa ist die Grande Dame der Leichtathletik. Extravagant, extrovertiert, charismatisch. Jetzt teilt die Russin aus.

Peking - Sie liebt den Glamour und versteht es, eine oft altmodisch anmutendende Sportart erstrahlen zu lassen.

Jelena Issinbajewa ist ein Typ, wie ihn die Leichtathletik bitter nötig hat. Extrovertiert, charismatisch, immer gut geschminkt. Mit kameragerechten Tränen der Rührung bei der Siegerehrung.- einfach unverwechselbar.

Die Arena ist die Bühne für Russlands Stab-Olympiasiegerin, die Zuschauer sind ihre Motivation.

Das war auch beim Höhenflug im Vogelnest von Peking so. "Das Publikum ist für mich gekommen und wollte was Großartiges erleben. Okay, dachte ich mir: Hier bin ich, auf geht's", sagte die Russin.

Sie wurde wie 2004 in Athen Olympiasiegerin mit Weltrekord. 4,91 Meter waren es damals - 5,05 jetzt. 25 Zentimeter lag die 26-Jährige bei ihrer 24. Bestmarke vor der Zweiten. Das sind Welten.

Gegen Ami-Springerin zurückgekeilt

"In Athen war ich noch nicht so respektiert. Swetlana Feofanowa war Favoritin. Heute erwartet jeder den Sieg von mir. Das ist psychologisch viel schwerer", meinte die aus Wolgograd stammende und nun im Steuerparadies Monaco lebende "Stabhochsprung-Kosmonautin".

Dann keilte sie gegen die amerikanische Konkurrentin Jennifer Stuczynski zurück, die im Vorfeld gesagt hatte, sie wolle bei Olympia in einen "russischen Hintern" treten: "Sie hat mich noch nie geschlagen. Sie redet zu viel. Ich sage nichts und gebe Antworten im Wettkampf", meinte die Weltmeisterin.

Sie gab auch zu: "Ich bin richtig sauer gewesen. Wie kann es sein, dass jemand so über mich spricht?"

Deutsches Duo beachtlich

Sportlich war ihr die US-Konkurrentin nicht gewachsen. Mit 4,80 blieb nur Silber, Bronze gewann die ehemalige Weltrekordlerin Swetlana Feofanowa.

Das deutsche Duo Carolin Hingst (Mainz) und Silke Spiegelburg (Leverkusen) landete mit beachtlichen 4,65 m auf den Rängen sechs und sieben.

Issinbajewa machte einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Legende. Nur elf Weltrekorde fehlen ihr noch zu den 35 Bestmarken ihres Mentors Sergej Bubka. "Ich werde mich weiter verbessern. Das Leben wäre doch langweilig ohne Rekorde. Mein nächstes Ziel sind die Sommerspiele in London."

Rekord dank Technik-Umstellung

Bubka hatte einst das Geldverdienen mit der Salamitaktik kultiviert, Issinbajewa führt sie zur Perfektion. Für jeden Rekord kassiert die Russin mindestens 50.000 Dollar vom Veranstalter. Nur Olympia schenkte sie einen, die Sponsoren gleichen dies aus.

Ihr Rekord ist auch Produkt der Technikumstellung durch Trainer Witali Petrow, der schon Bubka zum Star machte. Bald sind 5,10 Meter drin, glaubt Issinbajewa.

Und dann gibt es da ja noch den Hallen-Weltrekord. Der steht erst bei 4,95. Das Sternchen will noch lange strahlen.

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