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Usain Bolt verbessert den Weltrekord um 0,02 Sekunden © getty

Jamaikas Supersprinter holt sich im 200-m-Finale sein zweites Gold - und löscht einen zwölf Jahre alten Fabelweltrekord aus.

Peking - Mit einem Lauf wie von einem anderen Stern ist Usain Bolt zum zweiten Mal in die Geschichtsbücher gesprintet.

Der 21 Jahre alte Jamaikaner stürmte wie bereits über die 100 Meter zur Goldmedaille und zum Weltrekord über 200 Meter.

Nach 19,30 Sekunden schlug der "Blitz" im Ziel ein, zwei Hundertstel schneller als zwölf Jahre zuvor Michael Johnson (USA) bei seinem Olympiasieg in Atlanta.

"Fahr zur Hölle"

"Das war mein Traum als ich jung war", sagte Bolt nach dem Double, "ich wollte Doppel-Olympiasieger werden, das war mein Ziel".

Mit Jamaika-Fahnen um den Körper gewickelt feierte er seinen erneuten Triumph - er sah aus wie der Götterbote einer neuen Sprint-Welt. "Ich kann es nicht erklären. Es ist fantastisch", sagte er.

Derweil setzte sich Jamaikas Chef-Teamarzt Herb Elliot sich gegen sämtliche Doping-Verdächtigungen gegen seinen Schützling zur Wehr: "Ich habe ihn zwischen November und Dezember 15 Mal getestet. Seit wir in Peking sind, wurde er sechs Mal kontrolliert", sagte Elliot: "Jedem, der unser Anti-Doping-Programm anzweifelt, oder uns mit Doping in Verbindung bringt kann ich nur sagen, fahr zur Hölle."

Geschenk zum 22. Geburtstag

Einen Tag vor seinem 22. Geburtstag lief Bolt wie im Endlauf über 100 Meter in einer anderen Galaxie - diesmal aber auch bis zum Zielstrich mit raumgreifenden Schritten voll durch.

"Ich war noch ein bisschen unsicher, aber dann habe ich mir gesagt, ich werde für den Weltrekord alles geben." Gesagt, getan. "Ich hoffe", merkte er an, "mein Rekord hält länger als der von Michael Johnson".

Die Arme riss Bolt erst nach der Ziellinie hoch, als er das "NEW WR" für "neuer Weltrekord" auf der Anzeigetafel registrierte. Dort hatte zunächst noch 19,31 gestanden, ehe die Zeit nach unten korrigiert wurde. Bolt ist der erste Sprinter seit Landsmann Don Quarrie 1976, der zur gleichen Zeit die Weltrekorde über 100 und 200 Meter hält.

"Das ist Superman II"

"Das ist Superman II. Eine unglaubliche Vorstellung, eine unglaubliche Zeit, eine unglaubliche Leistung. Gratulation", sagte der nun ehemalige Weltrekordler Johnson über seinen Nachfolger.

Der viermalige Olympiasieger war einst eher mit kurzen Schritten über die Bahn getrommelt, sein Laufstil glich eher jenem der Filmfigur "Forrest Gump".

Drama um Platz zwei und drei

Wie schon über 100 Meter hatte die gedemütigte Konkurrenz auch diesmal nur eine Chance auf Silber und Bronze.

Mit großer Verspätung überquerte erst Churandy Martina von den Niederländischen Antillen (19,82) die Ziellinie, er wurde aber nach einem Protest des US-Teams zwei Stunden nach dem Rennen wegen regelwidrigen Betretens der Laufbahnmarkierung disqualifiziert. Das gleiche Vergehen wurde zuvor schon dem drittplatzierten US-Amerikaner Wallace Spearmon zum Verhängnis.

Shawn Crawford, 2004 Olympiasieger über 200 Meter in Athen, holte für die schwer geschlagenen Sprinter aus den USA damit noch Silber (19,96). Landsmann Walter Dix (19,98) erhielt nachträglich wie über 100 Meter Bronze.

Auf der Stufe mit legendären Olympioniken

Mit seinem Sieg steht Bolt nun auf einer Stufe mit legendären Olympioniken. Acht Sprintern war es zuvor gelungen, bei Olympia die 100 sowie die 200 Meter zu gewinnen.

Jesse Owens ist auf der Liste, er gewann 1936 in Berlin auch Weitsprung und Sprintstaffel. Zuletzt rannte Carl Lewis zum Doppel, 1984 in Los Angeles, auch er sprang und sprintete anschließend noch zum dritten und vierten Gold.

Das dritte Gold ist auch für Bolt in Reichweite, zu schwach scheinen die Amerikaner als ernsthafteste Konkurrenten zu sein. In der jamaikanischen Staffel läuft auch noch Asafa Powell mit, Fünfter im Endlauf über 100 m und über diese Distanz Vorgänger von Bolt als Weltrekordler (9,74).

Bolt peilt das Triple an

Bolt wäre nach Owens, Lewis und Bobby Morrow (USA/1956) erst der dritte Sprinter, dem das Triple gelänge.

Vier Goldmedaillen wie bei Owens und Lewis sind für Bolt dagegen ausgeschlossen: Als Weitspringer ist er bislang noch nicht auffällig geworden - und in Peking hat dieser Wettbewerb außerdem schon stattgefunden.

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