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Gemeinsame Freude: Christina Obergföll (l.) und Siegerin Barbora Spotakova © getty

Die Deutsche hat bei der Speer-Weitenjagd des Sieger-Duos keine Chance, holt aber die erste Leichtathletik-Medaille in Peking.

Peking - Sie blies die Backen auf, sie feuerte sich selbst an, sie versuchte zu "beißen" - doch bei dieser Konkurrenz stieß Christina Obergföll auf Granit.

Deutschlands größte Gold-Hoffnung bei den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben in Peking musste sich im Speerwurf mit Bronze (66,13 m) zufriedengeben und verlor nur wenige Stunden vor ihrem 27. Geburtstag auch den Europarekord (70,20).

Es war aber die erste Medaille für das deutsche Leichtathletik-Team in Peking.

Die Enttäuschung stand der Vize-Weltmeisterin aus Offenburg danach ins Gesicht geschrieben, auch wenn sie tapfer beteuerte: "Bei den Ergebnissen vorne muss ich zufrieden sein. 70 Meter habe ich nicht alle Tage geworfen. Ich habe die Medaille, die ich mir vorgenommen habe. Die Gefühle sind aber gemischt."

Zwei überlegene Konkurrentinnen

Den Sieg machten zwei überlegene Konkurrentinnen unter sich aus: Tschechiens Weltmeisterin Barbora Spotakova fing im letzten Versuch mit 71,42 die bis dahin mit Europarekord führende Russin Maria Abakumowa (70,78) noch ab. Sie blieb nur 28 Zentimeter unter dem Weltrekord von Osleidys Menendez (Kuba/71,70).

Christina Obergföll hatte nach ihren Erfahrungen bei der WM 2007 stets nur von einer Olympiamedaille gesprochen, insgeheim aber doch auf Gold spekulierte.

Vor einem Jahr in Osaka war sie als große Favoritin zu den Weltmeisterschaften gefahren und dann von Spotakova überflügelt worden.

Guter Auftakt

Vor den Augen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der wie Obergföll aus der Gegend um Offenburg stammt, legte Deutschlands Speerspitze mit 66,13 einen guten ersten Versuch hin.

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Abakumowa mit 69,32 schon vorgebaut. Dann steigerte sich die 22-Jährige im vierten Durchgang auf den Europarekord: Sie verlor die Bestmarke und das schon beinahe sichere Gold jedoch Minuten später an Spotakova.

"Ich muss zugeben, dass Bronze ein Wahnsinns-Ergebnis ist", erklärte Obergföll, nachdem sich die Enttäuschung etwas gelegt hatte und meinte dennoch selbstkritisch: "Ich habe hier gekämpft und mit Ach und Krach 66 Meter geschaft. Irgendwie habe ich nicht mehr auf die Reihe gebracht. Chapeau. Der Regen hat mir zu schaffen gemacht."

Tipp vom Bundesinnenminister

Dabei hatte ihr Schäuble noch vor dem Wettkampf geraten: "Reden Sie sich ein, dass das Fritz-Walter-Wetter ist."

Der Tipp war gut, allein er brachte nicht den nötigen Erfolg. Trotzdem freute sich die Lehramts-Studentin auf einen wunderbaren Geburtstag. Reinfeiern wollte sie in diesen mit ihren Eltern im Deutschen Haus und Bronze um den Hals. Die Medaille hatte ihr IOC-Vize Thomas Bach überreicht.

Nerius ohne Medaille

Im einzigen Leichtathletik-Finale dieser Spiele mit drei deutschen Teilnehmern endete für Europameisterin Steffi Nerius eine beeindruckende Serie.

Nach sechs Jahren mit jeweils Edelmetall bei internationalen Meisterschaften musste die Olympia-Zweite von Athen mit Rang fünf (65,29) vorlieb nehmen. Siebte wurde ihre Teamkollegin Katharina Molitor (59,64).

Obergföll hat London vor Augen

Obwohl für Nerius eine große Serie endete, meinte die 36-Jährige entspannt: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ohne Regen hätte ich Richtung 66,67 Meter werfen können. Das war ein wenig schade."

Für sie ist die WM 2009 in Berlin wahrscheinlich die letzte Station, während Obergföll 2012 und London vor Augen hat.

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