vergrößernverkleinern
Für Ariane Friedrich war bei 1,96 m in Peking Endstation © getty

Für Ariane Friedrich sind 1,99 m zu hoch. Aber auch für die Topfavoritin Blanka Vlasic reicht es nicht zum großen Coup.

Peking - Ariane Friedrich konnte die größte Olympia-Pleite der deutschen Leichtathleten seit 1904 nicht verhindern.

Als die Frankfurter Weltranglisten-Zweite im Hochsprung zum dritten Mal an 1,99 m scheiterte und auf Rang sieben endete, stand fest: Speerwurf-Bronze durch Christina Obergföll (Offenburg) blieb die einzige Medaille des Teams, das ein Jahr zuvor bei der WM von Osaka noch je zweimal Gold und Silber sowie dreimal Bronze gewonnen hatte.

Bei Olympia 2004 in Athen hatte es zwei Silbermedaillen gegegeben.

"Ich hatte fest mit einer zweiten Medaille gerechnet. Leider haben einige unserer Leistungsträger die Hoffnungen nicht erfüllt", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), der fast zeitgleich mit Friedrichs Scheitern den letzten Platz der Frauen-Staffel über 4x400 m erlebte.

"Hintern wie ein Stein"

Prokop weiter: "Nun steuern wir mit neuem Ansporn die WM 2009 in Berlin an. Ich bin überzeugt, dass wir mit der Begeisterung der Zuschauer im eigenen Land das Niveau von Osaka erreichen können.

Ariane Friedrich wirkte nicht deprimiert: "Ich habe seit zwei Tagen Probleme mit meinem Hintern. Er war heute hart wie ein Stein, deshalb konnte ich nicht sauber springen."

Ihre Saisonbestmarke von 2,03 m hätte in einem der größten Hochsprung-Finals der Geschichte auch nur dann zu Bronze gereicht, wenn sie die Höhe im ersten Versuch geschafft hätte.

Hellebaut vor Blasic

Am Ende wurde die seit dem 15. Juni 2007 in 34 Wettkämpfen hintereinander ungeschlagene Weltmeisterin Blanka Vlasic von Tia Hellebaut bezwungen.

Belgiens Europameisterin sprang die 2,05 m bereits im ersten, die Kroatin erst im zweiten Versuch. 2,07 m waren dann für beide zu hoch.

Am Tag vor dem abschließenden Männer-Marathon im erneut mit 91.000 Zuschauern ausverkauften "Vogelnest" erhöhte sich die Zahl der in Peking erfolgreichen Athen-Olympiasieger auf vier.

Jahresweltbestweite im Speerwurf

Der Norweger Andreas Thorkildsen triumphierte mit Jahresweltbestweite im Speerwurf (90,72 m), Kenenisa Bekele holte in 12:57,82 m über 5000 m Äthiopiens viertes Gold der Spiele.

Sechs Tage nach seinem 10.000-m-Sieg schaffte der Läuferstar das gleiche Double wie zuvor Teamkollegin Tirunesh Dibaba.

Olympias großer Star Usain Bolt (Jamaika) sorgte zwar mit Gold und Weltrekorden über 100 m (9,69), 200 m (19,30) und 4x100 m (37,10) dafür, dass die USA - Ausnahme Boykott 1980 - bei Olympia erstmals seit 1960 kein Sprinter-Gold gewannen. Doch die Amerikaner wurden mit sieben Goldmedaillen vor Russland und Jamaika (je 6) doch noch das erfolgreichste Team.

Nur Bronze für Richards

Entscheidend dafür war, dass Sandy Richards nach ihrem enttäuschenden 400-m-Bronze in der Staffel ein gigantisches Rennen lief und ihr 4x400-m-Quartett in 3:18,54 Minuten zum Sieg über Russland führte.

Ebenfalls in Jahresweltbestzeit (2:55,39) siegten die amerikanischen Männer auf dieser Distanz. So kam Weltmeister Jeremy Wariner nach seiner 400-m-Niederlage doch noch zu Gold, und LaShawn Merritt komplettierte den kleinen Kreis von drei Zweifach-Siegern in 47 Wettbewerben.

Auch Kenias Läufer gewannen Gold Nummer drei und vier. Erst durch Wilfried Bungei in 1:44,65 beim 800-m-Sieg, dann durch Nancy Langat in 4:00,24 Minuten über 1500 m.

Issinbajewa mit Weltrekord

Neben Usain Bolt stellten im Nationalstadion auch Russlands Stabhochsprung-Siegerin Jelena Issinbajewa mit 5,05 m und ihre Teamkameradin Gulnara Galkina-Samitowa in 8:58,81 über 3000 m Hindernis Weltrekorde auf.

2004 in Athen hatte es nur zwei Bestmarken gegeben: durch Issinbajewa (4,91) und Hürdensprinter Liu Xiang, der durch seinen verletzungsbedingten Startverzicht in Peking zu Chinas tragischem Helden wurde. Fünf Weltrekorde wurden zuletzt 1988 in Seoul registriert.

An der Doping-Front blieb es drei Jahre nach der Disqualifikation von drei Olympiasiegern in Athen relativ ruhig. Vor dem Schlusstag musste nur Siebenkämpferin Ludmilla Blonska (Ukraine) ihr Silber abgeben. Die Proben bleiben bis zum Jahr 2016 eingefroren, um später neue Substanzen nachweisen zu können.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel