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2005 brach Wanjiru den sieben Jahre alten Weltrekord von Paul Tergat (59:17) © imago

Marathonläufer Samuel Kamau Wanjiru aus Kenia hat es geschafft: Das erste Gold für sein Land auf dieser Distanz - und das unter schwierigen Bedingungen.

Peking - Marathonläufer Samuel Kamau Wanjiru dankte Gott, ganz Kenia dankte ihm.

Der 21-Jährige schenkte seinem Heimatland bei der letzten Leichtathletik-Entscheidung der Sommerspiele von Peking das so lange ersehnte erste Olympiagold.

Auf der 42,195-km-Distanz setzte er sich in der Weltklassezeit von 2:06:32 Stunden beim Hitzemarathon mit Temperaturen bis zu 30 Grad durch.

Ex-Weltmeister Jaouad Gharib aus Marokko (2:07:16) sowie Äthiopiens Tsegay Kebede (2:10:00) hatten das Nachsehen.

Wanjiru schrieb Geschichte.

Röthlin bester Europäer

Bester Europäer in dem Rennen ohne deutsche Beteiligung war der Schweizer WM-Dritte Victor Röthlin, der in 2:10:35 Rang sechs belegte.

"Das Tempo vorne war für diese Bedingungen unglaublich hoch", sagte Röthlin.

Italiens Stefano Baldini, 2004 in Athen Überraschungs-Olympiasieger, wurde Zwölfter (2:13:25) und erklärte anschließend seinen Rückzug vom Marathon.

Kenia in perfekter Vollendung

Alles hat die Läufernation Kenia auf der Langstrecke zuvor schon gewonnen, allein 20-mal Olympiagold von 1968 bis 2008.

Nur diese eine Medaille blieb den Ostafrikanern stets verwehrt.

1988 in Seoul fehlten Douglas Wakiihuri 15 Sekunden auf Italiens Olympiasieger Gelindo Bordin, in Sydney 2000 hatte Eric Wainaina 20 Sekunden Rückstand auf den äthiopischen Goldmedaillengewinner Gezahgne Abera.

"Etwas ganz Besonderes"

Jetzt war Wanjiru dank japanischer Hilfe im rechten Moment topfit.

"Wir haben in Kenia schon viele Medaillen. Aber diese ist was ganz Besonderes. Geschichte zu schreiben, ist ein wunderschönes Gefühl. Dafür danke ich Gott", sagte der Weltrekordler im Halbmarathon.

Er war 2002 im Alter von 15 Jahren nach Fukuoka/Japan gezogen, um sich zum Marathonläufer ausbilden zu lassen.

Kenia vor Äthiopien

Dort läuft Wanjiru fürs Team eines großen Autoherstellers und wird von Koichi Morishita, dem Olympiazweiten von 1992, trainiert.

Durch Wanjirus Sieg steht Kenia mit fünfmal Gold im Medaillenspiegel von Peking so gut da wie nie zuvor und liegt vor dem großen Erzrivalen Äthiopien (4).

Dessen Marathon-Weltrekordler Haile Gebrselassie hatte wegen befürchteter Luftverschmutzung auf die lange Strecke verzichtet.

Kenias Asse im Stammeskonflikt

Dabei war im Januar nach den Stammesfehden zwischen den dominanten Kalenjin und den rivalisierenden Kikuju noch befürchtet worden, dass Kenias Asse in ihrer Olympiavorbereitung nachhaltig gestört sind.

Die meisten Weltklasse-Läufer des Landes gehören den Kalenjin an, doch auch die Kikuyus brachten schon Weltmeister hervor wie Catherine Ndereba (Marathon), Charles Kamathi (10.000 m) und jetzt Samuel Kamau Wanjiru.

Dieser verbrüderte sich im Rennen sogar mit dem drittplatzierten Äthiopier Kebede, als er mit ihm die Trinkflasche teilte: "Er ist ein guter Freund von mir."

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