Matthias de Zordo quälte sich, humpelte über die Anlage und stand am Ende doch mit leeren Händen da: Für den Speerwurf-Weltmeister endeten am sechsten Leichtathletik-Tag in London alle Träume von einer Olympia-Medaille bereits in der Qualfikation.
Der 24-Jährige aus Saarbrücken verpasste das Finale am Samstag. De Zordo machte alle drei Versuche selbst ungültig, nachdem er gesehen hatte, dass der Speer jeweils nicht annähernd die 80-m-Marke erreicht hatte.
Dagegen steht Tino Häber (Leipzig), der 80,39 m warf, als Zwölfter ebenso im Endkampf wie der zweimalige Olympiasieger Andreas Thorkildsen (Norwegen/84,47) und Europameister Vitezslav Vesel˜ (Tschechien) mit der Jahres-Weltbestweite von 88,34.
Ausgeschieden ist Vadims Vasilevskis (Litauen/72,81), die Nummer zwei der Jahres-Weltbestenliste.
De Zordos Quali-Aus in London war der Tiefpunkt einer völlig verkorksten Saison für den mit 88,36 m besten Linkshänder der Welt.
Wegen einer langwierigen Ellbogen-Verletzung war der Weltmeister von 2011 nie richtig in Schwung gekommen und hatte die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) geforderte A-Norm (82,00) verfehlt.
Nur über die Härtefall-Regelung des DOSB war de Zordo in den Olympia-Kader gerutscht.
Bei ihm handele es sich um einen amtierenden Weltmeister, der gezeigt habe, "dass er es bringen kann, womöglich mit einem einzigen Wurf im Finale", hatte DOSB-Präsident Thomas Bach die Nominierung verteidigt.
De Zordo selbst hatte bei seiner Ankunft in London Selbstbewusstsein demonstriert.
"Ich bin hier, um vorne mitzureden, auch wenn die Vorbereitung alles andere als ideal war", hatte er zuvor gesagt.
Trainer Boris Henry machte seinem Schützling Mut: "Auch vergangenes Jahr hatte Matthias im Vorfeld Probleme, und er hat in viereinhalb Wochen noch die Form für den WM-Titel aufgebaut", sagte Henry.
Diesmal reichte die Zeit nicht mehr. Zwar hatte de Zordo rund drei Wochen vor den Spielen Entwarnung gegeben und gesagt, dass die Verletzung ausgeheilt sei und "ich meinen Arm wieder belasten und den Trainingsumfang verstärken kann".
Doch als es drauf ankam, war de Zordo chancenlos.

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