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Der Norweger Örjan Madsen ist seit 2006 der Sportdirektor des DSV © getty

DSV-Sportdirektor Örjan Madsen übt nach dem katastrophalen Auftakt seiner Schwimmer in Peking offene Kritik am Team.

Peking - Europameister Paul Biedermann hat mit seinem Finaleinzug über 200 Meter Freistil zumindest für einen kleinen Lichtblick gesorgt.

Doch im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) hängt der Haussegen nach dem Fehlstart bei Olympia trotzdem schief.

"Zu wenige sind meinen Vorstellungen gefolgt", sagte DSV-Sportdirektor Örjan Madsen und übte damit in Peking erstmals Kritik an der eigenen Mannschaft.

Laut Madsen tragen die Athleten und ihre Heimtrainer die Schuld an dem teilweise desolaten Auftreten des DSV.

Das Konzept mit der Konzentration auf Höhentrainingslager und harten Wettkämpfen sei nicht konsequent befolgt worden, erklärte Madsen und gab zu, vor den Spielen an Rücktritt gedacht zu haben: "Ich hatte zwei Möglichkeiten: hinschmeißen oder unter den gegebenen Umständen weitermachen."

Musterschüler erfüllt Soll

Immerhin erfüllte Madsens "Musterschüler" Biedermann am Montag sein Soll. Der 22-Jährige schaffte als Fünfter über 200 Meter Freistil den Sprung ins Finale und freute sich auf das Kräftemessen mit Phelps.

"Ich messe mich gerne in großen Wettkämpfen und habe auch keine Angst, gegen Michael Phelps zu schwimmen", sagte der deutsche Meister und nationale Rekordhalter.

Für Deutschlands früheren Schwimm-Star Franziska van Almsick gibt Biedermanns Leistung Grund zur Hoffnung.

"Die Mannschaft muss sich an ihm aufrichten. Sein Auftritt war erfrischend", sagte die ehemalige Welt- und Europameisterin, in Peking erstmals bei Olympia als ARD-Expertin im Einsatz.

"Ich kann nichts dafür"

Antje Buschschulte setzte jedoch zunächst den negativen Trend fort und scheiterte im Halbfinale über 100 Meter Rücken als 15. in schwachen 1:01,15 Minuten.

"Ich kann nichts dafür, dass die Weltspitze so weit enteilt ist" sagte Buschschulte, die in Athen noch Bronze über die doppelte Distanz geholt hatte, lapidar.

Bush im "Wasserwürfel"

Die Konkurrenz begeisterte unter anderem US-Präsident George W. Bush bei dessen zweiten Besuch im "Wasserwürfel" mit unglaublichen Leistungen.

Die 4x100-Meter-Freistilstaffel der USA (3:08, 24 Minuten) stellte mit Phelps ebenso einen Fabel-Weltrekord auf wie der Japaner Kosuke Kitajima über 100 Meter Brust (58,91 Sekunden).

Zudem blieben der Australier Eamon Sullivan als Startschwimmer der Staffel (47,24 Sekunden) und Kirsty Coventry aus Simbabwe (58,77) im Halbfinale über 100 Meter Rücken unter den Weltbestmarken.

Frankreich noch abgefangen

Vor allem das Staffel-Rennen riss die 17.000 Zuschauer von ihren Sitzen.

"Es war einfach unglaublich und verdammt knapp", sagte Phelps, der nach seinem Sieg über 400 m Lagen die zweite von insgesamt acht anvisierten Gold-Medaillen sicher hat.

Die lange führenden Franzosen wurden vom US-Quartett noch abgefangen und landeten mit nur acht Hundertstel Rückstand auf Platz zwei. Bronze holte Australien.

Erstes Gold für Trickett

Ihr erstes Gold sicherte sich über 100 Meter Schmetterling die Australierin Lisbeth Trickett, die als größte Rivalin von Britta Steffen über 100 Meter Freistil gilt.

Einen Überraschungscoup landete die britische 400-Meter-Freistilschwimmerin Rebecca Adlington bei ihrem Olympiasieg vor der favorisierten Amerikanerin Katie Hoff.

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