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In Sydney und Athen erlebte Britta Steffen wie Franzi van Almsick am Druck zerbrach © imago

Empfindlich ist sie ohnehin. Jetzt macht ihr DSV-Sportdirektor Madsen vor dem 100-Meter-Freistil-Finale noch zusätzlich Druck.

Peking - Ein "Sensibelchen" steht unter gewaltigem Druck:

Nach den größtenteils desolaten Auftritten ihrer Teamkollegen soll nun Gold-Hoffnung Britta Steffen ein Waterloo für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) bei Olympia in Peking verhindern.

Allerdings ist es mehr als fraglich, wie die empfindliche Steffen mit der Rolle der letzten deutschen Hoffnungsträgerin klarkommt.

"Natürlich ist der Druck auf Britta jetzt größer. Aber um in der Weltspitze mitzuschwimmen, muss sie dem standhalten können", sagte DSV-Sportdirektor Örjan Madsen vor den am Mittwoch beginnenden Vorläufen über Steffens Paradedisziplin 100 Madsen Freistil.

Madsen macht Steffen Druck

Doch obwohl die Erwartungshaltung schon enorm ist, setzte der in die Kritik geratene Norweger noch einen drauf.

Madsen erwartet von seiner Star-Schwimmerin im möglichen Finale am Freitag indirekt nichts anderes als die bisherige Weltbestzeit: "Wenn sie das bringt, was sie drauf hat, müssen die anderen Weltrekord schwimmen, um sie zu schlagen."

Steffen nahe der Resignation

52,88 Sekunden - der Weltrekord ihrer ärgsten Rivalin Lisbeth Tricket-Lenton aus Australien ist die Richtzeit, die die Berlinerin beim 5. Platz der deutschen 4x100m-Freistilstaffel am Sonntag um eine halbe Sekunde verpasste.

Anschließend wirkte die Europarekordlerin (53,05 Sekunden) niedergeschlagen, fast schon resigniert:

"Ich habe mich wunderbar gefühlt und geglaubt, dass ich Bestzeit schwimmen kann. Aber irgendwie habe ich mehr gewollt als ich kann."

Mentaltrainerin soll Steffen pushen

Für den DSV bleibt zu hoffen, dass das Selbstvertrauen der WM-Dritten, die sich selbst als "Sensibelchen" bezeichnet und sich in Peking gegenüber Fans und Medien komplett abschottet, keinen Knacks bekommen hat.

"Darum haben wir ja auch ihre Psychologin Friederike Janofske mit nach Peking genommen", meinte Madsen.

Die Mentaltrainerin arbeit täglich mit Steffen, die einmal das Erfolgsgeheimnis ihrer Zusammenarbeit so beschrieben hatte:

"Es ist diese Art, wie sie mit mir spricht. Danach gehe ich immer raus und denke, ich bin die Größte."

Steffens Deja-vu

Angesichts des spürbaren Drucks fühlt sich Steffen an die Spiele in Sydney und Athen erinnert.

Im Schatten der großen Franziska van Almsick erlebte sie damals mit, wie ihre Teamkollegin alle Last auf ihren Schultern trug - und letztlich am Gold-Anspruch scheiterte.

"Ich erlebe so etwas wie ein Deja-vu, das gar nicht meins ist", sagte Steffen in einem Interview mit der Berliner Morgenpost.

"Alphatier" Steffen

Van Almsick, in Peking erstmals als ARD-Kommentatorin im Einsatz, zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass ihre frühere Trainingskollegin dem Druck gewachsen ist.

Steffen habe sich inzwischen zu einem "Alphatier" entwickelt, meinte "FvA".

Das wird die so Gelobte ab Mittwoch beweisen müssen.

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