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Franziska van Almsick wurde drei Mal Sportlerin des Jahres © getty

Franziska van Almsick spricht im Interview über die schwachen Auftritte der DSV-Athleten und die Rekordflut der anderen Nationen.

München ? Die deutschen Schwimmer hatten bislang nicht den Hauch einer Chance auf eine Medaille.

Diese katastrophalen Leistungen bereiten auch der ehemaligen Welt- und Europameisterin Franziska van Almsick Kopfzerbrechen.

Im Interview spricht die 30-jährige, die vier Mal an Olympischen Spielen teilnahm, über die Verkrampfung der DSV-Athleten, die neuen Anzüge und die Weltrekordflut durch die Schwimmer anderer Nationen.

US-Superstar Michael Phelps bewundert van Almsick. Sie hält ihn für perfekt.

Frage: Sie erleben Ihre ersten Olympischen Spiele nach Ihrem Rücktritt. Wie fühlen Sie sich als Zuschauerin und als TV-Expertin?

Franziska van Almsick: Es ist sehr schön. Ich freue mich, mir hier die Rennen anschauen zu können. Da bin ich ganz entspannt. Ich verspüre keinerlei Wehmut.

Frage: Was sagen Sie zu der Weltrekordflut?

van Almsick: Die Zeiten sind der absolute Wahnsinn. Ich bin ja eigentlich als Expertin hier, aber auch ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich bin ganz ehrlich. Zum Glück schwimme ich nicht mehr mit. Das ist eine neue Generation, eine neue Ära.

Frage: Bewirken die neuen Wettkampfanzüge eine derartige Leistungsexplosion?

van Almsick: Die neuen Anzüge machen schon enorm viel aus, aber sie sind nicht die einzigen Gründe für die vielen Weltrekorde.

Frage: Sondern?

van Almsick: Ich weiß es nicht.

Frage: Was denken Sie, wenn eine Federica Pellegrini inzwischen 1,82 Sekunden schneller ist als Sie bei Ihrem damaligen Weltrekord (1:56,64 Minuten) vor sechs Jahren?

van Almsick: Für mich ist das absolut in Ordnung. Die Dinge und die Zeiten ändern sich. Manche sagen, ich wäre in dem neuen Anzug auch viel schneller geschwommen. Das freut mich dann schon ein bisschen, das zu hören.

Frage: Die Deutschen schwimmen in Peking meistens weit hinterher. Woran liegt das und was kann man besser machen?

van Almsick: Es ist schwierig, Gründe zu finden. Das muss man in Ruhe analysieren. Natürlich ist das sehr enttäuschend. Aber es bringt auch nichts, jetzt draufzuhauen. Dass sich generell etwas ändern muss, ist klar.

Frage: Hat sich die deutsche Mannschaft zu sehr unter Druck gesetzt?

van Almsick: Ich sehe hier so viele Schwimmer, die mit einem Lächeln und einer großen Freude an den Start gehen. Wir Deutschen sind immer so verkrampft. Das war eigentlich bei den ganzen letzten Olympischen Spielen so und hat sich jetzt wiederholt.

Frage: Michael Phelps scheint den Druck hingegen so abzuschütteln und stößt hier in neue Dimensionen vor. Wie bewerten Sie seine Leistung?

van Almsick: Es ist so schön anzuschauen, wenn er schwimmt. Bei Ian Thorpe dachten alle - auch ich - er wäre der große Fisch im Wasser. Aber Michael, das ist die wahre Perfektion. Manche sagen, dass er sie an mich erinnern würde, weil er auf Technik setzt und man den Kraftaufwand bei ihm im Wasser nicht so sieht.

Frage: Trauen Sie ihm den Rekord von acht Siegen auf einen Streich zu und ist so eine Leistung unter normalen Umständen eigentlich möglich?

van Almsick: Natürlich wird auch er sich inzwischen müde fühlen. Aber wenn man gewinnt, kann man den Schmerz in den Muskeln besser verdrängen. Ich mag es nicht, Leistungen in Frage zu stellen, weil jemand so außergewöhnlich schnell ist. Es gibt immer Leute, die ein ganz besonderes Talent haben. Michael gehört zweifellos dazu. Und ich weiß, dass er definitiv sehr hart für diese Erfolge gearbeitet hat.

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