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Michael Phelps wurde schon vier Mal Weltschwimmer des Jahres © getty

Fünfmal Gold, fünfmal Weltrekord: Michael Phelps schwimmt in einer anderen Dimension. Der Amerikaner ist nun König der Olympioniken.

Von Michael Schwartz

Peking/München - Über Michael Phelps werden viele Geschichten erzählt.

Eine ist die, dass Bob Bowman einst zu dessen Mutter Deborah gegangen sein soll und sie um Unterstützung bat.

Michael könne der beste Schwimmer aller Zeiten werden. Unschlagbar.

"Ich wusste: Nichts und niemand wird ihn stoppen", sagt Bowman heute. Das war ein halbes Jahr nach der ersten Begegnung mit dem Schwimm-Wunderkind 1996.

Bowman sollte mit seiner gewagten Aussage recht behalten. Bereits 2004 hatte Phelps in Athen sechs Mal Gold geholt.

In Peking kamen bis Mittwoch fünf Goldmedaillen für den 17-maligen Weltmeister hinzu.

Zwei Weltrekorde

Standesgemäß mit Weltrekorden siegte er zunächst über die 200 Meter Schmetterling und anschließend mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel, die in 6:58,56 Minuten als erstes Quartett die Sieben-Minuten-Schallmauer unterbot.

An Latynina vorbei

In der olympischen Bestenliste verdrängte der 23-Jährige aus Baltimore die frühere UdSSR-Kunstturnerin Larissa Latynina (9 Gold, 5 Silber, 4 Bronze) vom Thron.

Auch an dem Finnen Paavo Nurmi (Leichtathletik, 9/3/0) und seinen Landsleuten Mark Spitz (Schwimmen, 9/1/1) sowie Carl Lewis (Leichtathletik, 9/1/0) zog er vorbei.

Phelps will acht Mal Gold

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer grandiosen Karriere voller Highlights. Und der nächste könnte noch während der Spiele in Peking folgen: Phelps schickt sich an, den Gold-Rekord von Spitz zu brechen. Der hatte 1972 in München sieben Mal ganz oben gestanden.

Phelps könnte bei optimalem Verlauf acht Mal Gold gewinnen. Die Zweifler an diesem Jahrhundert-Rekord werden immer leiser.

Leben auf großem Fuß

Das Phänomen Phelps zu erklären, ist kaum möglich. Natürlich bringt er mit 88 Kilo Gewicht bei 1,95 Meter Körpergröße optimale physische Voraussetzungen mit.

Seine Schuhgröße: 48,5. Die Spannweite der Arme: 2,04 Meter.

Doch seine Karriere verlief alles andere als reibungslos. Vater Fred, ein Polizist, ließ die Familie sitzen, als Michael acht war. Zu ihm hat er heute kaum eine Beziehung.

Eine Nervensäge

Die familiären Probleme nagten an ihm. Michael fiel als Nervensäge auf, sorgte immer wieder für Ärger. Bedingt sicherlich auch durch ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.

Ihm fiel es schwer, einfach still zu sitzen. Im Teenageralter schon musste er Medikamente schlucken.

Die Therapie war das Schwimmen. "Wenn ich Stress habe, springe ich einfach ins Wasser", sagt Phelps.

Trainer triezt Schützling

Auch das Verhältnis zu seinem Trainer war zunächst alles andere als gut. "Ich hatte Angst vor Bob", gesteht er.

Der Coach trieze seinen Schützling schon in jungen Jahren, ging mit ihm über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus.

Einmal soll der Jugendliche bei einer Schwimmveranstaltung an zwei Tagen 24 Mal ins Wasser gesprungen sein.

Bowman als Vater-Ersatz

Das Training schweißte beide zusammen. Bowman ist mittlerweile ein Vater-Ersatz für Michael Phelps.

"Ich habe aber nie versucht, die Vaterrolle einzunehmen", sagt der Coach. Es müsse Grenzen geben zwischen dem Trainer und seinem Athleten.

Doch Bowman half, wo er konnte. Einmal sogar bei den Vorbereitungen für eine Tanzveranstaltung der Schule.

"Wir haben das Training 15 Minuten früher beendet", erinnert sich Bowman. "Ich habe ihm den Schlips gebunden. Dann kam Michael wieder und hatte sein Hemd falsch angezogen, die Knöpfe waren um ein Loch versetzt." Bowman half auch da.

18-monatige Bewährungsstrafe

Phelps ist kein einfacher Charakter. Mit den Jahren wurde er ruhiger, doch er bestimmte nicht nur mit Erfolgen die Schlagzeilen.

Im November 2004 wurde er von der Polizei angetrunken am Steuer erwischt, erhielt eine 18-monatige Bewährungsstrafe und musste eine Geldbuße von 250 Dollar bezahlen.

"Ich habe einen Fehler gemacht. Es ist falsch, gefährlich und inakzeptabel, in ein Auto zu steigen, wenn man getrunken hat", sagte er damals.

Es tue ihm sehr Leid, was passiert sei. "Ich bin 19, aber ich habe gelernt, dass man egal wie alt man ist, die Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss."

"Bin sauber"

Er steht im Fokus. Auch beim Thema Doping, gerade nach Zeiten wie denen in diesen Tagen in Peking. Darauf werde er unheimlich oft angesprochen, sagt der Amerikaner.

"Ich bin sauber", betont er. "Ich werde unglaublich oft auf Doping getestet."

Er werde unheimlich oft getestet. Phelps betont: "Ich habe noch nie eine verbotene Substanz genommen und werde es niemals tun."

Blick auf London

Auch wegen dieses Images vom sauberen Athleten ist Phelps ein Werbestar. Mit seinen Goldmedaillen in Peking wird sein Wert weiter steigen.

Sein Ausrüster hat eine Prämie von einer Million Dollar ausgerufen, sollte er den Rekord von Mark Spitz brechen.

Geld aber ist Phelps egal. Nach Peking werden er und sein Trainer neue Ziele ausrufen. Mit Blick auf Olympia London 2012.

Schwimmen ist für Michael Phelps eben mehr als nur eine Rekordjagd. Es ist Therapie.

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