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DSV-Präsidentin Christa Thiel und Chef-Bundestrainer Örjan Madsen © imago

Ratlosigkeit, Resignation, Ausreden. Die deutschen Schwimmer saufen bei Olympia in Peking mit wenigen Ausnahmen regelmäßig ab.

Von Wolfgang Kleine

München/Peking - Topstar Britta Steffen fühlte sich nach dem 5. Platz der Freistil-Sprintstaffel "völlig leer", Thomas Rupprath erklärt selbstkritisch: "Das ist kein Leistungssport. Ich muss mich dafür entschuldigen."

Die DSV-Athleten schwach, Amerikaner, Australier und andere schwimmen einen Weltrekord nach dem andern. Geht das alles mit rechten Dingen zu? Der Doping-Verdächtigungen werden laut geäußert.

Wie in Athen

Und was macht die DSV-Führung? Präsidentin Christa Thiel äußert sich im Sport1.de-Interview über die Leistungen der Deutschen, die Nachfolge-Frage um Chefcoach Örjan Madsen, die Rekordflut und die Doping-Diskussionen.

Sport1: Nehmen wir die deutschen Wasserspringer mal aus. Sie sind in Sachen Beckenschwimmer leidgeprüft. Wie haben Sie das Desaster persönlich aufgenommen?

Christa Thiel: Das war vor vier Jahren in Athen ähnlich. Und insofern ist es nicht so, dass man jetzt aus allen Wolken fällt. Wenn man im Weltkontext auf die anderen Zeiten bei den anderen Trials schaut, wäre es schon sehr idealistisch gewesen, davon auszugehen, man könnte so viele Medaillen holen wie in Athen. Erschreckend ist, dass einige Leistungsträger nicht die eigene Normalleistung erreicht haben. Das macht mich sehr traurig.

Sport1: Bei den Leichathleten gibt es die so genannte "Blaue Stunde", in der der Präsident vor der Mannschaft Tacheles redet. Haben Sie inzwischen vor den Schwimmern auch schon härtere Worte gesagt?

Thiel: Nein. Härtere Worte sind nicht angezeigt. Denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Athleten nicht bewusst den Turbo zurückdrehen. Die wollen alle eine gute Leistung bringen und erfolgreich sein. Man muss das ihnen nicht auch noch sagen. Ich werde da nicht vorstellig. Wenn das notwendig ist, muss das der Trainer-Pool entscheiden. Ich möchte nicht als Oberlehrer erscheinen. Für technische und psychologische Analysen haben wir Fachleute dabei.

Sport1: Momentan sind viele deutsche Athleten von der Weltspitze meilenweit entfernt. Da könnten doch einige sagen, sie können die Badehose an den Nagel hängen. Wie sieht das in Hinblick auf die kommenden Großereignisse aus?

Thiel: Wir sind ja nicht nach dem Motto abgetaucht, jedes Jahr war schlechter. 2006 bei der EM haben wir alles in Grund und Boden geschwommen. Und das war in Relation zur Weltspitze. Da gab es ein Jahr mit absoluten Topleistungen. Das hatten wir immer wieder. So war es auch bei den Weltmeisterschaften 2001 und 2003. Es ist kein tradierter Niedergang. Es ist immer gezeigt worden, dass die Athleten es können. Bei den letzten drei Olympischen Spielen war das aber nicht der Fall.

Sport1: Paul Biedermann hat einen Seitenhieb auf die Mannschaftskollegen losgelassen. Er sagte, die hätten nicht die nötige Wettkampfhärte gezeigt. Schließen Sie sich der Kritik an?

Thiel: Ich will keine Einzelkritik üben. Ich habe gesagt, dass das System, das die Amerikaner fahren, die Athleten viele Wettkämpfe bestreiten zu lassen, das richtige ist. Da wiederhole ich das, was Cheftrainer Örjan Madsen schon lange postuliert. Man kann das nur so professionell machen, um mit den Amerikanern mithalten zu können.

Sport1: Was muss man außerdem machen?

Thiel: Das bedeutet aber auch, dass man den Athleten die entsprechende Förderung wie in den USA geben muss und das bedeutet auch, dass man ihnen eine Absicherung geben muss.

Sport1: Sind Sie mit der Arbeit von Chefcoach Örjan Madsen, dessen Vertrag nach den Olympischen Spielen ausläuft, zufrieden? Üben Sie an ihm Kritik?

Thiel: Er war sicherlich jemand, der den deutschen Schwimmsport nach vorn gebracht hat. Auch wenn sich das jetzt nicht in den Ergebnissen bei den Olympischen Spielen zeigt. Ich bin sicher, das eine oder das andere bleibt hängen wie auch die Arbeit von Vorgänger Ralf Beckmann. Änderungen im Verband sind nicht ganz einfach herbeizuführen.

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