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DSV-Präsidentin Christa Thiel und Chef-Bundestrainer Örjan Madsen © imago

Ratlosigkeit, Resignation, Ausreden. Die deutschen Schwimmer saufen bei Olympia in Peking mit wenigen Ausnahmen regelmäßig ab.

Von Wolfgang Kleine

München/Peking - Präsidentin Christa Thiel äußert sich im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews über die Nachfolgersuche für Chefcoach Örjan Madsen und die Doping-Diskussionen in Peking. Hier Teil 2 des Interviews:

Sport1: Der frühere Völker-Coach Dirk Lange hat gegenüber Sport1.de erklärt, dass die deutschen Trainer auf Weltniveau gar nicht bekannt seien. Sind Sie mit den Trainern zufrieden?

Thiel: Es muss ja nicht jeder einen internationalen Überblick haben. Jeder muss auch nicht international einen Austausch pflegen. Dafür ist der Chefcoach da, der die internationale Szene verfolgt und die Erkenntnisse an die anderen weitergibt. Es wäre aber nicht falsch, wenn das, was die Amerikaner und Australier vormachen, in die Trainingskonzeption einfließen würde.

Sport1: Wer wird Nachfolger von Chefcoach Madsen?

Thiel: Wir werden jetzt erst einmal den Sportdirektor verkünden.

Sport1: Können Sie mir den Namen mitteilen?

Thiel: Nein. Der wird erst nach den Schwimmwettbewerben auf einer Pressekonferenz verkündet. Mit dem Sportdirektor und der Fachsparte Schwimmen werden wir dann den Chefcoach aussuchen.

Sport1: Ist Dirk Lange ein Kandidat?

Thiel: Sie bekommen weder zum Sportdirektor noch zum Cheftrainer eine Aussage.

Sport1: Die Weltrekord-Flut der Schwimmer in Peking erschlägt einen. Experten vermuten, wie schon berichtet wurde, zahlreiche Topschwimmer würden Mittel nehmen, die die Ermüdungsphase der Muskulatur bis nach dem Rennen herauszögert.

Thiel: Das weiß ich nicht. Dazu kann ich nichts sagen, was da für Mittel genommen oder nicht genommen werden. Ich habe da weder was von meinen Athleten gehört noch von sonst jemandem. Alles, was ich dazu sagen würde, wäre falsch.

Sport1: Fehlt Ihnen eigentlich ein Doping-Kronzeuge wie der frühere Radprofi Jörg Jaksche im Schwimmsport?

Thiel: Nein. Mir fehlt im Schwimmsport in dieser Richtung niemand.

Sport1: Professor Werner Franke sagt, es wären die "versautesten Spiele" zu erwarten, die wir bisher gehabt haben. Würden Sie das auch für den Schwimmsport sagen?

Thiel: Herrn Franke kommentiere ich nicht. Mir ist die Flut der Rekorde ein wenig inflationär. Ich halte das für nicht gut. Ich würde mit wünschen, es wären weniger - aus verschiedenen Gründen.

Sport1: Haben Sie denn persönlich einen Dopingverdacht?

Thiel: Den würde ich öffentlich nicht äußeren, sondern würde es dem BKA mitteilen und nicht Ihnen. Das wäre der richtige Weg. Man kann viel spekulieren und viel äußern. Aber das bringt alles nichts. Es muss ein stringentes Kontrollsystem sein. Es bringt nicht allein die Menge wie in Deutschland. Wesentlich ist, dass die Forschung richtig unterstützt werden muss, dass gewisse Selektionen der Mittel entstehen, die noch nicht auf der Liste sind.

Sport1: Würden Sie auch internationale Dopingfälle dem BKA mitteilen?

Thiel: International sind die Zuständigkeiten anders. Da wäre dann die WADA der richtige Ansprechpartner. Doch das betrifft nicht nur die Sportlern. Wenn ein Doping-Verdacht national oder international besteht, kann das auch beim Trainer oder Mediziner sein.

Sport1: Der Anzug der deutschen Schwimmer ist für Sie ein Thema?

Thiel: Das ist für mich kein Thema. Ich sage, wir haben den weltbesten Anzug. Die Komponenten, die weltweit technisch führend sind, sind in diesem Anzug vereinigt. Wenn einer die schlechten Leistungen auf den Anzug zu schieben versucht, ist das eine billige Ausrede.

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