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Alain Bernard schwimmt täglich im Training elf Kilometer © getty

Alain Bernard lässt nach Gold in der Königsdisziplin die Muskeln spielen. Andere betrachten seine Leistungsexplosion skeptisch.

Peking - Nach seinem Olympiasieg in der Königsdisziplin ließ Kraftprotz Alain Bernard die Muskeln spielen.

Angespannt bis in die kleinste Faser bejubelte der Franzose Gold im packenden Finale über 100 m Freistil und präsentierte dabei eine Bodybuilder-Figur, die selbst für einen Schwimmer ungewöhnlich ist.

Doch von den teils skeptischen Blicken auf seine Muskelpakete wollte sich Bernard die Freude über seinen Triumph nicht vermiesen lassen.

"Als ich mich umdrehte und die Eins hinter meinem Namen aufleuchten sah, das war ein unglaublicher Moment. Ich dachte nur: Das ist es. Du hast es geschaftt. Du hast ein olympisches Finale gewonnen", sagte der 25-Jährige und strahlte dabei bis über beide Ohren.

Der Stachel sitzt tief

Nur drei Tage zuvor war der Doppel-Europameister noch wie ein begossener Pudel aus dem Becken des "Wasserwürfels" gestiegen.

Als Schlussschwimmer der 4x100-m-Freistilstaffel hatte Bernard den sicher geglaubten Sieg des französischen Quartetts vermasselt - auf den letzten Metern ließ er sich noch vom Amerikaner Jason Lezak abfangen.

Der Stachel saß tief bei ihm: "Ich hasse es, zu verlieren. Noch so eine Niederlage wollte ich unbedingt vermeiden."

Wie ein Besessener

Also pflügte der Franzose mit seiner Spannweite von 2,05 Metern wie ein Besessener durchs Wasser und machte dabei seinem Spitznamen "Hovercraft" (Luftkissenboot) alle Ehre.

In 47,21 Sekunden distanzierte er seinen Dauer-Rivalen Eamon Sullivan (47, 32) aus Australien, der zumindest seinen tags zuvor aufgestellten Weltrekord (47,05) behalten durfte.

Dritte wurden die zeitgleichen Lezak und Cesar Cielo Filho aus Brasilien (je 47,67).

Skepsis wegen Leistungsexplosion

Doch Bernards Leistungsexplosion in den vergangenen Monaten und seine äußere Erscheinung rufen in der Schwimm-Szene Skepsis hervor.

"Der Franzose hat jetzt die richtigen Vitamine gefunden", hatte einmal der italienische Weltmeister Filippo Magnini zweideutig gesagt und damit für helle Aufregung in Frankreich gesorgt.

Noch vor acht Jahren, erklärte Bernards Trainer Denis Auguin, sei sein Schützling "nur Haut und Knochen" gewesen.

Lediglich 69 kg habe Bernard damals gewogen, heute verteilen sich etwa 90 kg geballte Muskelkraft auf 1,96 m Körpergröße.

Ein gefeierter Held

Dopinggerüchte kommen da zwangsläufig auf, doch die weist Bernard weit von sich: "Ich würde nie etwas Dummes tun, um ein wenig schneller zu werden."

Obwohl selbst Spitzenschwimmer neben ihm wie Hänflinge wirken, erklärt er seinen Muskelzuwachs einzig und allein mit hartem Training: "Wenn andere wie ich täglich elf Kilometer im Wasser trainieren, dann sähe der kleinste Kerl so aus wie ich."

Den Spekulationen zum Trotz, für die Franzosen ist Bernard nach seinem Husarenritt ein gefeierter Held.

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