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Britta Steffen reiste als Europarekord-Inhaberin nach Peking © getty

Britta Steffen ist nach einer tollen Aufholjagd Olympiasiegerin über 100 Meter Freistil. "Das ist sooo geil", jubelt sie.

Von Michael Schwartz

Peking/München - Britta Steffen blickte Richtung deutsche Fahne. Wie ungläubig, fassungslos.

Sie konnte noch immer nicht glauben, was da gerade passiert war: Die Berlinerin ist Olympiasiegerin über 100 Meter Freistil.

Die Spätstarterin wendete auf Bahn sieben nach 50 Metern als Letzte, orientierte sich dann aber an der neben ihr schwimmenden und führenden Australierin Lisbeth Trickett und startete zu einer grandiosen Aufholjagd.

Meter um Meter holte sie auf und schlug schließlich nach 100 Metern in 53,12 Sekunden vor der Weltrekordlerin Trickett und Natalie Coughlin (USA, 53,39 Sekunden) an.

"Das ist ein Wahnsinns-Gefühl! Ich bin Olympiasiegerin und das ist soooo geil!", jubelte Steffen, die mit der ersten Medaille überhaupt die Ehre der deutschen Schwimm-Mannschaft in Peking rettete. "Ich habe nie gedacht, dass mir dieser letzte Durchbruch gelingt."

"Bin dir dankbar"

Erste Gratulantin war Franziska van Almsick. Steffen drückte sie lange an sich, sagte: "Ich bin dir so dankbar!"

Beide sind befreundet, haben früher zusammen trainiert.

Kampf mit den Tränen

Bei der anschließenden Siegerehrung kämpfte die 24-Jährige mit den Tränen, konnte sie gerade noch zurückhalten.

Kraft hatte sie aber offenbar nicht mehr, um in die Hymne einzustimmen.

"Ich habe die Augen zugemacht und nur mein Rennen geschwommen. Ich kann es noch gar nicht fassen, beim Anschlag habe ich nur die Libby gesehen. Dann habe ich auf die Anzeigetafel geschaut und es realisiert", sagte sie.

Vor dem Rennen habe ihr Trainer Norbert Warnatzsch gesagt, "dass ich keine Experimente machen und die Ruhe bewahren soll". Es war die richtige Taktik.

16 Jahre Warten

Steffen holte die erste Goldmedaille für den Deutschen Schwimm-Verband seit Dagmar Hase 1992 in Barcelona.

"Das war unfassbar, ein unglaubliches Rennen", sagte Michael Vesper als deutscher Chef de Mission auf der Tribüne des mit 17.000 Zuschauern gefüllten "Wasser-Würfels": "Wie sie das noch gewonnen hat, ist fantastisch."

8. deutsches Gold

Für das deutsche Team ist es bereits die achte Goldmedaille bei den Spielen im Reich der Mitte.

Vor allem aber die deutschen Schwimmer dürfen aufatmen. Es ist eine große Entschädigung für die Demütigungen der vergangenen Tage.

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