vergrößernverkleinern
Michael Phelps bestritt 2000 in Sydney seinen ersten Sommerspiele im Alter von 15 Jahren © getty

Michael Phelps will seine große Karriere in London veredeln. Das Tief nach Peking hat er auch dank der Konkurrenz überwunden.

Von Rainer Nachtwey

München/London - Vier Worte reichten.

"Bro, Du bist fett."

Es war 2009 am Strand von Miami - nur knapp ein Jahr nach seinem Achtfach-Goldtriumph in Peking.

Michael Phelps spielte mit einem Freund Football, ein kurzes Gespräch mit einem Unbekannten, bei dem folgender Satz fällt: "Bro, du bist fett. Du musst anfangen zu trainieren, Mann."

Dieser Satz und die Ereignisse der Vormonate brachten dem erfolgreichsten Sportler bei Olympischen Sommerspielen den Antrieb zurück.

"Ich war nicht motiviert. Ich habe nichts gemacht, wirklich nichts für lange Zeit. Ich habe 25 Pfund zugenommen", erinnert sich Phelps an jene Zeit.

Feiern statt trainieren

Statt in der Schwimmhalle des North Baltimore Aquatic Club Bahnen zu ziehen, vergnügte er sich in Las Vegas, statt Gewichte zu stemmen, feierte er College-Partys, wurde beim Marihuana-Rauchen ertappt und fotografiert.

"Das war eine wichtige Erfahrung, die ich gemacht habe. Ich bin jemand, der diese selbst erfahren muss. Meine Mutter hat mir beigebracht, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, aber dann auch die Konsequenzen zu tragen", sagt der achtfache Olympiasieger von Peking.

"Ich bin dankbar für die Erfahrungen. Ich habe wahrscheinlich 1000 Fehler gemacht, aber keinen zweimal."

Noch Sprit im Tank

Und so kehrte er Las Vegas und Partys den Rücken, konzentrierte sich wieder aufs Schwimmen. Motivationsprobleme trotz 14 Goldmedaillen bei Olympia und 17 Weltmeistertiteln? Keine Spur.

"Ich habe gemerkt, dass ich mein volles Potenzial wohl noch nicht ausgeschöpft hatte. Da ist noch jede Menge Sprit im Tank", sagt Phelps: "Wenn ich in 20 Jahren auf meine Karriere zurückblicke, möchte ich nicht sagen: 'Was wäre gewesen, wenn?'"

Bei der Materialschlacht unterlegen

Phelps musste aber erst einmal Rückschläge hinnehmen, denn sein Comeback im Schwimmbecken fiel in die Hochzeit der Materialschlacht um die Schwimmanzüge.

Bei der WM 2009 in Rom kassierte "The Baltimore Bullet" erstmals seit fünf Jahren wieder über 200 Meter Freistil eine Niederlage. Paul Biedermann schnappte dem Ausnahmeschwimmer nicht nur den WM-Titel, sondern auch den Weltrekord weg.

Phelps' jahrelanger Trainer und Mentor Bob Bowman überlegte sogar, ihn aufgrund der Unterlegenheit beim Material aus den Wettbewerben zu nehmen.

Passende Antwort

Aber Phelps gab die Antwort noch im Becken in Rom: Über 200 Meter Schmetterling durchbrach er erstmals die 1:52er-Marke, und über die halbe Distanz knackte er in 49,82 die 50-Sekunden-Schallmauer.

Auf eine seiner größten Niederlagen antwortete der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten mit zwei Weltrekorden. Am Ende standen seine WM-Titel 18 bis 22 zu Buche.

Konkurrenz als Ansporn

Allerdings hatte er seine Dominanz im Becken eingebüßt. Mit Landsmann Ryan Lochte lieferte sich Phelps zahlreiche Duelle um die Stellung als Amerikas herausragender Schwimmer.

Feindschaft, die die amerikanische Presse heraufbeschwören wollte, herrscht zwischen den beiden allerdings nie.

"Wir hassen es beide zu verlieren, vom anderen geschlagen zu werden", sagt Phelps, "aber wir kommen klar miteinander. Wir hängen bei den Meetings zusammen rum."

Zumal ihn die Konkurrenz stimuliert. "Er ist ein Grund, warum ich ins Wasser steige und trainiere. Er hat mich einige Male geschlagen. Ich möchte nicht, dass das noch einmal vorkommt."

Perfekter Abschluss

Vor allem nicht bei den Olympischen Spielen in London, wenn er mit drei weiteren Plaketten den Medaillen-Gesamtrekord der russischen Kunstturnerin Larissa Latynina überbieten und auf 19 schrauben kann.

Denn nach London ist Schluss mit dem Schwimmen. "Das sind meine letzten Wettkämpfe. Ich habe damit abgeschlossen", sagt Phelps unumstößlich.

Die Spiele sollen die Krönung seiner großartigen Karriere werden. "Meinen Eisbecher habe ich schon. Jetzt geht es nur noch um die Kirsche obendrauf, darum, wie und mit viel ich den Eisbecher verziere", umschreibt er es lukullisch.

Zum Schwimmen überwinden

Für die Spiele wird er sich noch einmal überwinden müssen, ins kalte Nass zu steigen. Denn selbst den erfolgreichsten Schwimmer aller Zeiten kostet es Überwindung.

"Aus dem warmen Bett ins kalte Wasser - das ist das schlimmste Gefühl der Welt", gibt er einen Einblick in sein Gefühlsleben.

"Ich will nicht nass werden. Selbst in der Freizeit, wenn wir wie in Hawaii am Strand sind oder auf einer Grillparty, wenn dort ein Pool ist. Da will ich nicht rein."

Bestreitet er in London alle Vorläufe samt Finals zu den sieben Rennen, muss er sich noch 17 Mal überwinden, ehe er für immer das Schwimmbecken verlässt.

Michael Fred Phelps

Geboren: 30.6.1985 in BaltimoreDisziplin: Schwimmen, 200 und 400 m Lagen, 100 und 200 m Schmetterling, 4x100 und 4x200 m Freistil, 4x100 m Lagen

Erfolge: Olympiasieger 2004: 100 und 200 m Schmetterling, 200 und 400 m Lagen, 4×200 m Freistil, 4×100 m Lagen, Olympiasieger 2008: 200 m Freistil, 100 und 200 m Schmetterling, 200 und 400 m Lagen, 4×100 und 4×200 m Freistil, 4×100 m Lagen

Starts:28. Juli, 10 Uhr, Vorläufe 400 m Lagen28. Juli, 19.30 Uhr, Finale 400 m Lagen29. Juli, 12.05 Uhr, Vorläufe 4x100 m Freistil29. Juli, 20.54 Uhr, Finale 4x100 m Freistil30. Juli, 10.25 Uhr, Vorläufe 200 m Schmetterling30. Juli, 20.30 Uhr, Halbfinals 200 m Schmetterling31. Juli, 11:17 Uhr, Vorläufe 4x200 m Freistil31. Juli, 19.47 Uhr, Finale 200 m Schmetterling31. Juli, 20.47 Uhr, Finale 4x200 m Freistil1. August, 11.14 Uhr, Vorläufe 200 m Lagen1. August, 20.36 Uhr, Halbfinals 200 m Lagen2. August, 11.21 Uhr, Vorläufe 100 m Schmetterling2. August, 20.16 Uhr, Finale 200 m Lagen2. August, 20.51 Uhr, Halbfinals 100 m Schmetterling3. August, 12.04 Uhr, Vorläufe 4x100 m Lagen3. August, 19.38 Uhr, Finale 100 m Schmetterling4. August, 20.27 Uhr, Finale 4x100 m Lagen

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel