vergrößernverkleinern
MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Britta Steffen gewann bei der EM 2012 vier Medaillen © getty

Ein Jahr nach ihrem WM-Debakel geht die Doppel-Olympiasiegerin ihre vierten Spiele so locker wie nie an. Die Form ist bestens.

London - Britta Steffen zieht im Londoner Becken die ersten Bahnen. Am Rand steht ihr Trainer Norbert Warnatzsch mit der Stoppuhr und nickt.

Die Doppel-Olympiasiegerin ist genau im Plan - und entspannt wie nie.

"Ich fühle mich gut, ich mag mich so, wie ich bin, und es läuft alles wunderbar", sagt die Berlinerin vor ihren vierten Spielen und ergänzt: "Wenn ich mich wohl fühle in mir, dann ist das immer ein sehr gutes Zeichen."

Steffen wieder weltklasse

Ein Jahr nach dem WM-Debakel von Schanghai, als sie als Vorlauf-16. vorzeitig abreiste, ist die 28-Jährige mit sich und der Welt im Reinen - und so schnell wie seit ihren Weltrekorden 2009 nicht mehr.

Platz vier in den Jahresweltbestenlisten über 50 und 100 m Freistil unterstreicht: Britta Steffen ist genau zur richtigen Zeit wieder weltklasse (VORSCHAU: Schwimm-Paar trägt Hoffnungen).

Titelverteidiung "nicht unmöglich"

In dieser Form wird sie in London auch gebraucht, denn sie ist neben ihrem Freund Paul Biedermann fast die einzige Medaillenhoffnung der deutschen Schwimmer (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

Mit diesem Druck, an dem sie früher schon mal zerbrach, kann sie mittlerweile gut umgehen.

"Impossible is nothing, würde ich da sagen", antwortet sie schmunzelnd auf die Frage, ob ihr Doppel-Triumph von Peking zu wiederholen ist.

Coach Warnatzsch schwärmt

Ein genaues Gespür für ihre Gemütslage hat ihr Trainer.

"Wir kennen uns, wir wissen jede Geste, jede Mimik des anderen zu deuten", sagt Warnatzsch und fasst seine Beobachtungen zusammen: "Sie ist entspannt, gelöst, konzentriert und optimistisch."

[kaltura id="0_ajefxs4j" class="full_size" title="Meeuw fokussiert auf Olympia"]

Erfolge beflügeln

Dafür verantwortlich ist auch die Psychologin Friederike Janofske, mit der Steffen seit Jahren zusammenarbeitet. Sie besuchte sie im Trainingslager auf Teneriffa, auch in London ist sie vor Ort.

Das Ergebnis der Gespräche: Steffen ist längst nicht mehr so verbissen wie früher.

"Ihr ist bewusst geworden, was sie schon alles erreicht hat", sagt Warnatzsch: "Es gibt nicht das doppelte Lottchen, sondern die doppelte Britta. Sie ist Doppel-Olympiasiegerin, Doppel-Weltmeisterin, Doppel-Weltrekordlerin. Diese Sachen nimmt ihr keiner mehr. Sie geht ran mit dem Bewusstsein, eigentlich schon ganz schön was erreicht zu haben."

Steffen als Medaillenkandidatin

Die eine oder andere Olympiamedaille soll aber doch noch dazukommen.

Nicht nur über ihre beiden Einzelstrecken gehört Steffen spätestens seit ihren drei EM-Titeln im Mai und ihren besten Zeiten nach drei Jahren wieder zu den Kandidaten auf Edelmetall (543187DIASHOW: Die deutschen Medaillenhoffnungen).

"Die Mädels sind gut drauf"

Schon am Samstag könnte mit der 4x100-m-Freistilstaffel (ab 12 Uhr im LIVE-TICKER) ihre insgesamt vierte olympische Medaille herausspringen - 2000 war sie im Vorlauf am Staffel-Bronze über 4x200 m beteiligt.

"Es wäre sehr, sehr schön, wenn wir mit der Staffel ein gutes Ergebnis erzielen könnten", sagt sie: "Die Mädels sind sehr gut drauf, was ich so gesehen habe. Wenn wir uns da zusammenraufen, ist vielleicht eine Überraschung möglich."

Bei der WM im Vorjahr gab es Bronze, obwohl Steffen außer Form war und wenige Tage später frustriert abreiste.

"Es nur Schwimmen"

Das Debakel von Schanghai hat sie verarbeitet.

"Ich bin ganz, ganz unten gewesen, mir kann nichts mehr passieren, denn es ist nur Schwimmen. Aber es ist auch eine ganz große Chance. Es gibt keine Furcht, nur Vorfreude und den Gedanken: Mach was draus!".

Kromowidjojo unschlagbar?

Für ein erneutes Olympia-Gold müsste allerdings alles zusammenkommen, denn Topfavoritin Ranomi Kromowidjojo aus den Niederlanden ist in diesem Jahr allen Konkurrentinnen davon geschwommen.

Vor allem über 100 m setzte sie mit 52,75 Sekunden eine Marke, die den anderen Respekt einflößte.

"Sie ist in diesem Jahr sehr, sehr gute Zeiten geschwommen", sagt Steffen, "aber auf der anderen Seite bin ich zweimal auf Platz vier in der Weltrangliste in diesem Jahr, über 50 und 100. Da kann es sowohl nach vorne als auch nach hinten schnell gehen. Ich versuche einfach, ins Finale zu kommen. Dann haben alle die Möglichkeit, eine Medaille zu erringen."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel