Gigantenduell, Teil 1: König Phelps vs. Kronprinz Lochte
London - Der Punktsieg im ersten Duell der Schwimm-Giganten ging an Michael Phelps.
Rund 50 Kamerateams und 400 Journalisten hatten sich im riesigen Londoner Presseraum eingefunden, um dem Größten seiner Zunft auf den Zahn zu fühlen.
Selbst der allerlei Trubel gewöhnte Superstar war vor seinen letzten Olympischen Spielen überwältigt, zückte sein Handy und schoss eifrig Fotos.
Als Rivale Ryan Lochte eine halbe Stunde später an der Reihe war, hatten sich viele Pressevertreter mitsamt Phelps schon aus dem Staub gemacht.
"Wie zu Hause um den Block"
Doch das Vorgeplänkel wird am Samstag vergessen sein, dann geht es im Becken zur Sache.
Gleich in der ersten Schwimm-Entscheidung (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) stehen die beiden US-Stars auf dem Startblock für die 400 Meter Lagen.
"Es wird auf jeden Fall laut. Das erste Rennen ist immer schwierig, aber für mich ist es erst einmal ein ganz normaler Wettbewerb. Als wenn ich bei mir zu Hause um den Block schwimmen würde", sagte Phelps.
König und Kronzprinz im Duell
Auch Lochte gab sich eher handzahm. "Ich schwimme ja nicht nur, um Michael zu schlagen. Er ist nur ein Konkurrent. Es gibt viele andere, die einem Sorgen machen können", sagte er und betonte, dass Phelps nicht sein Feind sei.
Zumindest dessen Trainer Bob Bowman gab sich etwas offensiver.
"Für jemanden, der Schwimmen promoten will, gibt es wohl kein besseres Rennen zum Auftakt."
Erwartet wird ein Duell, das elektrisiert. Ein Duell zwischen dem König Phelps, der so recht keiner sein will, und Lochte, der als Kronprinz gehandelt wird, aber schon weit mehr als das ist.
Lochte bei der WM 2011 erfolgreicher
Spätestens seit der WM im Vorjahr, als er Phelps in Shanghai in zwei Duellen schlug und mit fünf Goldmedaillen eine mehr gewann als der Rekord-Olympiasieger.
2008 holte er bereits zweimal Olympia-Gold, doch bemerkt haben das im Schatten des achtfachen Phelps-Triumphes die wenigsten.
Er war die fehlende Aufmerksamkeit leid, verzichtete fortan auf Fastfood, wendete Traktor-Reifen und zog Schiffsketten zum Muskelaufbau.
Erste Hattrickchance für Phelps
"Es fühlt sich an, als wenn meine Zeit gekommen ist", sagt er - und spornt damit auch Phelps an.
"Ich habe ja schon ein-, zweimal gesagt, dass ich die lange Lagenstrecke niemals mehr schwimmen möchte. Aber bei den Trials dachte ich dann, ich versuche es nochmal", sagte Phelps.
Am Samstag hat er seine erste von vier Chancen, als erster Schwimmer den Hattrick aus drei Olympiasiegen auf einer Strecke in Folge zu schaffen (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Zwei Finalplätze schon vergeben?
Bei der US-Ausscheidung Ende Juni zog er gegen Lochte um über vier Sekunden den Kürzeren.
Coach Bowman ist dennoch optimistisch: "Michael hat besser trainiert als jemals zuvor."
Ergebnis-Prognosen für den Endlauf sind schwer. "Zwei Finalplätze sind aber schonmal sicher weg", sagt der deutsche Starter Yannick Lebherz (Potsdam), der im Vorlauf gegen Phelps um ein Ticket unter den besten Acht schwimmt. Als Nebendarsteller im Gigantenduell (DIASHOW: Die deutschen Medaillenhoffnungen).
"Ich bin froh, wenn es endlich losgeht", sagt Phelps. Nicht nur er. Die Show kann beginnen.
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