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Paul Biedermann gewann 2009 in Rom noch WM-Gold über 400 Meter Freistil © getty

Schock zum Auftakt: Weltrekordler Biedermann scheitert über 400 Meter bereits im Vorlauf. Auch für die Staffel ist früh Schluss.

London - Erst ging Weltrekordler Paul Biedermann regelrecht baden, dann verzockte sich Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen mit der Staffel:

Die deutschen Schwimmer haben vor den Augen von Queen Elizabeth II zum Auftakt im Aquatics Centre ein Debakel erlebt.

Zunächst scheiterte der dreifache Europameister Biedermann über 400 m Freistil im Vorlauf, gut eine Stunde später verpasste auch seine Freundin über 4x100 m Freistil das Finale (591863DIASHOW: Die Bilder des Tages).

Damit waren schon am Mittag des ersten Tages zwei große Medaillenhoffnungen geplatzt (SERVICE Der Medaillenspiegel).

Zeit zum Verarbeiten

"Ich bin natürlich enttäuscht und brauche jetzt eine Stunde, um mich zu sammeln", sagte Biedermann, nachdem er in indiskutablen 3:48,50 Minuten als Vorlauf-Zwölfter angeschlagen hatte (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

Verzweifelt suchte der 25-Jährige nach einer Erklärung: "Es lief nicht so gut. Ich wollte von vorne angehen, das hat auch gut geklappt. Ich konnte es aber hintendrauf nicht mehr halten."

An Biedermanns Stelle siegte am Abend Doppel-Weltmeister Sun Yang und krönte sich zum ersten chinesischen Schwimm-Olympiasieger.

Einbruch zum Schluss

Die ersten 100 m war Biedermann ungewohnt schnell angegangen, sogar rasanter als bei seinem Weltrekord 2009 in Rom (3:40,07).

"Nein, ich bin nicht zu schnell angegangen. Es war so, wie es sein sollte", sagte er.

Am Ende fehlte ihm aber die Kraft für den Schlussspurt, der sonst immer seine Stärke war. Mehr als vier Sekunden fehlten ihm zu seiner Zeit beim WM-Bronze vor einem Jahr in Schanghai.

Frauen-Staffel verpokert sich

Britta Steffen und ihre Staffelkolleginnen verpokerten sich danach.

"Wir haben vielleicht die Konkurrenz unterschätzt", sagte die Berlinerin: "Mit der WM-Bronzemedaille vom letzten Jahr haben wir eigentlich gedacht, dass wir sicher ins Finale kommen."

Steffen legte als Startschwimmerin der Europameisterstaffel 54,43 Sekunden vor, "für den Vorlauf eine ganz gute Zeit, ich habe ja auch als Zweite angeschlagen".

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Anweisungen gehen in die Hose

Silke Lippok, Lisa Vitting und Daniela Schreiber fielen dann aber immer weiter zurück. Am Ende reichten 3:39,16 Minuten nur für den neunten Platz.

"Wir wollten uns ein kleines bisschen Reserven lassen, aber scheinbar war das zu viel", sagte Schreiber und deutete an, dass dies Anweisung der Trainer war: "Selber ausgedacht haben wir uns das nicht."

Steffen wollte die Verantwortung für das Aus nicht anderen zuschieben. "Wir haben es selber verbockt, wir sind ja mündige Athleten", sagte die 28-Jährige und bilanzierte: "Schlechter kann es nicht werden."

Taktik geht nicht auf

Steffens Trainer Norbert Warnatzsch hatte die Taktik an das Quartett ausgegeben.

"Es gab eine interne Ansage, dass Britta 90 bis 95 Prozent schwimmen sollte, die beiden in der Mitte volle Kraft, und Daniela hinten gucken und einen taktischen Endspurt hinlegen", erklärte Buschkow: "Das ist natürlich zünftig in die Hose gegangen."

Embacher nimmt Schuld auf sich

Die Doppel-Olympiasiegerin musste zum Auftakt ihrer vierten Spiele nicht nur die eigene Enttäuschung verarbeiten, sondern auch ihren Lebensgefährten Biedermann trösten.

"Er hat mich ganz klar angeguckt und gesagt: Das war scheiße. Jetzt gucke ich, was ich daraus lernen kann", berichtete sie, "da war er für mich ein ganz Großer in dem Moment. Ich glaube, dass er das meistern wird."

Die Verantwortung für das Vorlauf-Aus des Weltrekordlers übernahm sein Trainer Frank Embacher.

"Er sollte ein bisschen anders schwimmen, als er es gewohnt war, ein bisschen ruhiger, mehr über die Beine", erklärte er: "Auf den letzten 50 m konnte er nicht mehr explodieren. Das muss ich klipp und klar auf meine Kappe nehmen."

SPORT1-Kolumnist Warnecke enttäuscht

Auch Ex-Weltmeister und SPORT1-Kolumnist Mark Warnecke zeigte sich enttäuscht und meinte: "Wenn mit Paul Biedermann der Titelkandidat, auf den sich die gesamte Mannschaft stützt, im Vorlauf rausfliegt, dann trifft das die Mannschaft erst mal."

Und weiter: "Man verlässt sich schließlich auf so starke Leute wie Paul - und wenn die im ersten Rennen derart schwer haben und scheitern, dann hat das schon Strahlkraft."

Biedermann stehe nun "mit dem Rücken zur Wand".

Frühes Aus für Quartett

Auch die vier anderen deutschen Starter verabschiedeten sich am Samstag schnell. Yannick Lebherz, Alexandra Wenk, Christian vom Lehn und Hendrik Feldwehr schieden geschlossen in ihren Vorläufen aus.

Die 17-jährige Wenk verpasste als 21. in 58,85 Sekunden das Halbfinale über 100 m Schmetterling.

Vom Lehn (1:00,78) und Feldwehr (1:01,00) scheiterten als 19. und 21. über 100 m Brust.

Der deutsche Rekordhalter Lebherz war nach Platz elf über 400 m Lagen in 4:15,41 Minuten beim Sieg von Ryan Lochte am Abend nur Zuschauer.

Hoffen auf die 200 Meter

Für Biedermann ist die erste Olympia-Medaille nach dem Fehlstart in weite Ferne gerückt. In dieser Form dürfte der deutsche Vorzeigeschwimmer auch über 200 m Freistil keine Chance haben.

Bereits am Sonntagmorgen muss er im Vorlauf erneut ins olympische Becken. "Da hoffe ich auf ein besseres Ende", sagte der ehemalige Doppel-Weltmeister.

Schon bei seinem Olympia-Debüt in Peking hatte er über 400 m das Finale verpasst, auf der halben Distanz wurde er dann noch Fünfter.

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