Steffen wahrt letzte Chance - Phelps holt 17. Gold
London - Britta Steffen blickte auf die Anzeigetafel, streifte ihre Kappe ab und lächelte: Die Weltrekordlerin schwimmt noch mindestens ein olympisches Rennen - und hat plötzlich wieder die Chance auf Edelmetall.
24,57 Sekunden im Halbfinale über 50 m Freistil bedeuteten für die Doppel-Olympiasiegerin von Peking den vierten Platz (DIASHOW: Die Bilder des Tages).
Damit könnte die Berlinerin am Samstag (20.30 Uhr) im viertletzten Endlauf im Londoner Olympia-Pool sogar noch die ersten medaillenlosen Spiele der deutschen Schwimmer seit 80 Jahren verhindern.
Abschied von Steffen?
Nach ihrer drittbesten Zeit des Jahres ist ihre vierte Olympia-Medaille nicht mehr unmöglich. Wie es nach dem Finale von London allerdings weitergeht, ist noch offen.
Am Mittwoch hatte die Doppel-Weltmeisterin von 2009 nach ihrem Halbfinal-Aus über 100 m ihren Abschied angedeutet.
"Ich bin sehr glücklich, es war mein großes Ziel, hier noch einmal ein Finale zu erreichen", sagte Steffen, die auch mit zwei Staffeln vorzeitig ausgeschieden war: "Über 50 Meter ist vieles möglich, es wäre natürlich super, noch einmal nach einer Medaille zu greifen."
Phelps krönt seine Karriere
Eine Dreiviertelstunde zuvor hatte Superstar Michael Phelps über 100m Schmetterling seinen 17. Olympiasieg gefeiert ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Sein letztes Einzelrennen wurde zum Triumphzug. Die Lagenstaffel am Samstag soll der goldene Karriere-Abschluss des erfolgreichsten Olympioniken der Geschichte werden.
Nur 23 Stunden nach seinem historischen Titel-Hattrick über 200 m Lagen feierte er auch über die Schmetterling-Distanz den dritten Olympiasieg in Folge.
Um 19.40 Uhr Ortszeit ertönte das Startsignal. Die Konkurrenz gab alles, doch im Schlussspurt hing Phelps sie wieder ab. 51,21 Sekunden benötigte er für seine 21. Olympia-Medaille. Mit ausgestreckten Armen feierte er seinen zweiten Titel-Hattrick vor völlig lösgelösten Fans.
Historischer Doppel-Hattrick
Drei Siege in Folge auf einer Strecke hatten schon die Australierin Dawn Fraser (100m Freistil, 1956 bis 1964) und Krisztina Egerszegi (200 m Rücken 1988 bis 1996) aus Ungarn geschafft, Phelps war am Donnerstag der erste Mann. `
"Ich weiß nicht, ob er es wirklich auf dem Zettel hatte, aber mir war es wichtig, dass Michael als erster drei Siege in Folge holt", sagte Trainer Bob Bowman. Warum? "Weil es einfach cool ist."
Nachfolger stehen bereit
Er werde die Rennen vermissen, sagt er - ein Comeback schloss Phelps aber schon vor seinen letzten beiden olympischen Rennen aus.
"Es wird nach Samstag keine Wettkämpfe mehr geben." Und dann? "Ryan kann auf jeden Fall schneller schwimmen. Ich denke, das werden wir in Zukunft sehen", sagt Phelps. Auch le Clos (Südafrika) sei ein Kandidat auf seine Nachfolge.
Doch angesichts der Ergebnisse in London ist es unwahrscheinlich, dass es in den kommenden Jahren einen ähnlichen Dominator wie Phelps geben wird.
Deibler überzeugt
Im Schatten von Phelps' Glanzstück sorgte Steffen Deibler mit Rang vier und der hauchdünn verpassten Medaille für das bisher beste Einzelergebnis des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV).
In 51,81 Sekunden war der Hamburger über 100 m Schmetterling 37 Hundertstel langsamer als die zeitgleichen Silbermedaillengewinner Chad le Clos (Südafrika) und Jewgeni Korotyschkin (Russland).
"Das ist gigantisch, ein vierter Platz bei Olympia ist saugut", sagte Deibler: "Ich bin sauzufrieden, ich war sauschnell. Es war mein Traum, in einem Olympia-Finale zu stehen, ich wäre gerne noch ein bisschen schneller geschwommen. Aber ich bin jetzt die Nummer vier der Welt, und darüber bin ich sehr glücklich."
Franklin wieder siegreich
Zur Schwimm-Königin von London krönte sich US-Jungstar Missy Franklin. Die 17-Jährige holte über 200 m Rücken ihre dritte Goldmedaille und stellte in 2:04,06 Minuten den siebten Weltrekord der Spiele auf.
Florent Manaudou gewann als erster Franzose olympisches Gold über 50 m Freistil. Der jüngere Bruder von Athen-Olympiasiegerin Laure Manaudou schlug im Londoner Finale in 21,34 Sekunden an und siegte damit deutlich vor dem US-Amerikaner Cullen Jones, der 21,54 benötigte.
Peking-Sieger Cesar Cielo aus Brasilien, der im vergangenen Jahr unter Dopingverdacht gestanden hatte, musste sich dieses Mal mit 21,59 Sekunden und Bronze zufrieden geben.
US-Schwimmerin Katie Ledecky schnappte der britischen Weltrekordlerin Rebecca Adlington das sicher geglaubte Gold über 800 m Freistil weg.
Die 15-Jährige blieb in 8:14,63 Minuten nur 53 Hundertstelsekunden über der Bestzeit von Peking-Siegerin Adlington. Diese musste sich in 8:20,32 Minuten sogar noch hinter der Spanierin Mireia Belmonte Garcia (8:18,76)
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