vergrößernverkleinern
Michael Phelps ist der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten © getty

Nach seinem Goldrausch spricht der Ausnahmeathlet vom Aufhören, über die Gründe für seinen Erfolg und Dopingbeschuldigungen.

Peking - Für Mark Spitz ist er der erste Mensch auf dem Mars, doch als Michael Phelps sein schier unglaubliches Werk vollendet hatte, kletterte der König der Olympioniken erstmal auf die Tribüne.

Seiner Mutter Deborah drückte er einen Blumenstrauß in die Hand, seinen beiden Schwestern einen Kuss auf die Wange.

"Ich wollte nur noch zu meiner Mutter. Es waren so viele Gefühle in mir, so viel Freude. Dann haben wir uns umarmt und geweint", beschrieb Phelps anschließend den "größten Moment meines Lebens".

Der Drang, die Mutter zu umarmen, kam nicht von ungefähr, denn sie war die Bezugsperson, die einen verstörten Jungen einst behutsam durch eine schwierige Kinder- und Jugendzeit leitete.

Phelps litt an ADS

Auf die Trennung seiner Eltern hatte der siebenjährige Michael mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) reagiert, das sich vor allem in unkontrollierter Hyperaktivität ausdrückt.

Lange nahm er Medikamente gegen die Verhaltensstörung und flüchtete gemeinsam mit seiner älteren Schwester Whitney in das Refugium Schwimmhalle.

Als Michael Phelps zehn Jahre alt war, erlebte er mit, wie Whitney bei der Olympia-Qualifikation für Atlanta als Sechste über 200 m Schmetterling scheiterte.

Die ganze Familie, vor allem die Mutter, saß in Tränen aufgelöst auf der Tribüne, da schwor sich der schmächtige Junge, diese Schmach zu tilgen: "Ich habe meiner Mum versprochen, dass sie eines Tages bei Olympia Tränen der Freude weinen wird."

Alkoholfahrt 2004

Trotz aller Liebe zu seiner Mutter bereitete Michael Phelps ihr aber auch eine herbe Enttäuschung. Im Dezember 2004, wenige Monate nach seinen sechs Olympiasiegen von Athen, wurde er wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Viel schlimmer als das Urteil der Justiz sei das todtraurige Gesicht seiner Mutter gewesen, erzählte Phelps später.

Seither hält er bei Treffen der Vereinigung "Mütter gegen Trunkenheit am Steuer" Vorträge, in denen er auf die Gefahren des Alkohols am Steuer hinweist.

"Wollte beweisen, dass nichts unmöglich ist"

Mit seinem achten Streich in Peking hat der 23 Jahre alte Superschwimmer aus den USA nun seinen geradezu unfassbaren Goldrausch beendet.

"Ich wollte etwas erreichen, was vor mir noch niemand geschafft hat. Ich wollte den Leuten beweisen, dass nichts unmöglich ist", erklärte Phelps.

Den Rekord seines Landsmanns Mark Spitz, dessen sieben Siege 1972 in München, hat er übertroffen und sich mit dem insgessamt 14. Gold bei Olympia in der ewigen Bestenliste deutlich abgesetzt.

Spitz zieht den Hut

Die Gratulation von Spitz an den "Pe-King", wie die "Bild" Phelps treffend nannte, kam prompt.

"Wenn ich der erste Mensch auf dem Mond war, dann ist Michael der erste auf dem Mars", sagte Spitz.

Für Deutschlands Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen ist Phelps schlicht ein "Jahrhundertathlet".

Phelps weist Dopingvorwürfe zurück

Der Dank des Modellathleten galt aber auch seinen Teamkollegen, ohne die der Siegeszug nicht möglich gewesen wäre.

Die permanent durch den Wasserwürfel wabernden Dopingvorwürfe wies der Mann mit Schuhgröße 48,5 und einer Spannweite von über zwei Metern zurück.

"Allein seit den US Trials Anfang Juli bin ich etwa 40 Mal getestet worden. Ich weiß, dass ich sauber bin."

Millionen-Dollar-Prämie

Um seine Zukunft und die seiner Familie muss sich Phelps nicht zuletzt dank millionenschwerer Werbeverträge wohl kaum noch kümmern.

Das achte Gold bringt ihm zudem eine Prämie von einer Million US-Dollar von seinem Sponsor ein - doch das war ihm im Augenblick des Triumphes völlig egal.

"Ich schwimme nicht wegen des Geldes."

Wegen der Mutter nach Rom

An einen Rücktritt verschwendet der Neptun von Peking noch keine Gedanken.

"Meine Mutter hat gesagt, dass ich mich 2009 für die WM qualifizieren soll, weil sie gerne nach Rom möchte"´, sagte Phelps.

Und der Wunsch seiner Mutter ist dem Jungen aus Baltimore auch ganz hoch oben im Olymp immer noch Befehl.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel