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Angela Maurer trat als WM-Siebte bei Olympia in Peking an © getty

Nach 10 Kilometern fehlen nur ein paar Meter zu einer Medaille: Europameisterin Angela Maurer geht beim Premiererennen leer aus.

Peking - Angela Maurer verstand die Welt nicht mehr und weinte hemmungslos.

Zehn Kilometer lang hatte die Schwimmerin alles gegeben, war bis an die Grenze gegangen - und dann fehlten gerade mal 1,25 Meter zu einer Medaille. "Dieser vierte Platz ist der blödeste überhaupt", sagte die Mainzerin und ließ sich auch von DSV-Cheftrainer Örjan Madsen nicht trösten:

"Es war so knapp, das Rennen hätte 20 Meter länger sein müssen."

"Darauf bin ich stolz"

Zwar war Maurer mit ein wenig Abstand immer wieder erfolglos um ein Lächeln bemüht und meinte, sie könne "trotzdem glücklich" sein, doch ihre nach unten gezogenen Mundwinkel sprachen da eine deutlich andere Sprache.

Sie habe bewiesen, dass sie mit 33 Jahren in der Weltspitze schwimmen kann, meinte die Europameisterin nach der Olympia-Premiere der 10-km-Langstrecke trotzig: "Darauf bin ich stolz."

Tolle Aufholjagd

Ein Karriereende schloss Maurer im Hinblick auf die WM 2009 in Rom aus. "Ich muss zwar erstmal alles sacken lassen, aber ich werde weitermachen", sagte die angehende Polizeibeamtin.

Nach einem schwachen Start machte Angela Maurer in der zweiten Rennhälfte Platz um Platz gut. Am Ende fehlten im Schlussspurt nach 1:59:31,9 Stunden jedoch umgerechnet 1,25 m auf die Drittplatzierte Britin Cassandra Patten (1:59:31,0).

Ihrer Favoritenrolle wurde die russische Weltmeisterin Larissa Iltschenko (1:59:27,7) gerecht, die lange Zeit im Windschatten schwimmend noch an Keri-Anne Payne aus Großbritannien (1:59:29,2) vorbeizog und Gold holte.

Schwitzen im Wasser

Zu kämpfen hatten alle Schwimmerinnen nicht nur mit den Gegnerinnen, sondern auch mit den extremen Bedingungen von etwa 28 Grad Wasser- und 31 Grad Außentemperatur auf der Ruderstrecke im Shunyi Park.

"Die Sonne hat unglaublich geknallt, da haben wir sogar im Wasser geschwitzt", sagte die WM-Siebte Maurer: "Wer da nicht genug trinkt, bekommt am Ende die Quittung. Vielleicht hätte ich mehr trinken sollen."

Ein Traum wird wahr

Auch Natalie du Toit war mit ihrem 16. Platz (2:00:49,9) nicht ganz zufrieden, doch für die erste beinamputierte Sportlerin bei Olympischen Spielen war das Rennen mehr ein Zeichen des Willens.

"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich wollte allen Menschen mit Behinderungen zeigen, dass sie alles schaffen können, was sie sich vornehmen", sagte die Südafrikanerin.

Lurz tritt am Donnerstag an

Du Toit, die ihr linkes Bein bei einem Unfall vor sieben Jahren verloren hatte, spürte keinen Wettbewerbsnachteil. "Im Wasser sind wir alle gleich. Da denke ich gar nicht daran, dass mir ein Bein fehlt", sagte die WM-Vierte.

Nach den tollen Eindrücken in Peking wolle sie unbedingt auch bei Olympia in London starten: "Ich komme 2012 hoffentlich zurück. Und dann will ich unter die besten Fünf."

Dieses Ziel hat sich auch der Würzburger Thomas Lurz für den Männer-Wettkampf am Donnerstag vorgenommen.

Der mit sechs WM-Titeln erfolgreichste Freiwasserschwimmer aller Zeiten geht neben Weltmeister Wladimir Dijatschin (Russland) als großer Favorit ins Rennen.

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