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Vor sieben Jahren an Leukämie erkrankt: Maarten van der Weijden. © getty

Vor sieben Jahren diagnostizierten Ärzte bei Maarten van der Weijden Leukämie. Er besiegt die Krankheit und schwimmt zu Gold.

Peking - Nach seinem Sieg bei der Olympia-Premiere der Langstreckenschwimmer hob Maarten van der Weijden zu einer ganz persönlichen und emotionalen Rede an.

"Ich danke allen, die sich in schweren Zeiten um mich gekümmert haben. Ohne sie wäre ich jetzt wohl nicht mehr hier. Und ich danke allen, die Geld spenden für die Forschung. Damit Menschen wie ich die Chance bekommen, geheilt zu werden", sagte der Niederländer.

Vor sieben Jahren war van der Weijden an Leukämie erkrankt. Er besiegte die Krankheit und kämpfte sich auch sportlich zurück.

"Es war damals nicht klar, dass ich heute überhaupt noch leben würde, jetzt bin ich Olympiasieger", sagte der Holländer: "Wenn es eine Botschaft nach diesem Sieg gibt, dann die, niemals aufzugeben."

Keine Lance-Amstrong-Vergleiche

Aus der schwersten Zeit seines Lebens schöpfte van der Weijden die Kraft für den größten sportlichen Erfolg. "Wenn ich im Krankenhaus lag, Schmerzen hatte und müde war, konnte ich nicht an den nächsten Monat oder den nächsten Tag, sondern nur an die nächste Stunde denken. Ich war geduldig und habe abgewartet. Diese Strategie habe ich auch im Rennen angewendet", erklärte van der Weijden, der sich nur ungern mit dem siebenmaligen Tour-Sieger Lance Armstrong vergleichen lässt.

Umstritten ist allerdings die Methode, die van der Weijden zur Vorbereitung auf Peking gewählt hat. Seit Januar hat er täglich 14 Stunden in einem sogenannten Höhenzelt verbracht. Dabei wird ein Gasgemisch mit einem geringeren Sauerstoffanteil in das Zelt eingeleitet und somit künstlich Höhenluft erzeugt.

Schirmmütze mit "Hallo-Wach-Effekt"

"Diese Methode ist nicht verboten, wird aber unter ethischen Gesichtspunkten kontrovers diskutiert", erklärte der scheidende Cheftrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Örjan Madsen, und betonte: "Das ist für einen Athleten natürlich auch eine unglaublich starke mentale Belastung."

Auch eine weitere wissenschaftliche Methode nutzte van der Weijden, der vom ehemalgen Lagenweltmeister Marcel Wouda trainiert wird: Vor dem Rennen trug der Niederländer eine Schirmmütze, in die Lampen eingebaut waren. "Das künstliche Licht trifft direkt auf die Pupillen", erklärte Madsen: "Das erzeugt im Körper sozusagen einen Hallo-Wach-Effekt."

Lachender Dritter

Aufgeweckter war van der Weijden auf jeden Fall im Schlussspurt. Während sich der Brite David Davies und der Würzburger Thomas Lurz im Finale gegenseitig behakten und schließlich auf den Plätzen zwei und drei landeten, stahl sich van der Weijden an der Innenseite nach vorn und war nach 10 km der lachende Dritte.

"Nach der schweren Zeit, die ich hinter mir habe, wäre ich auch ohne Medaille ein glücklicher Mensch", meinte er: "Aber so ist es natürlich noch viel schöner."

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