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Bundestrainer Hagen Stamm droht mit seinem Rücktritt © getty

Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm ist nach dem enttauschenden 10. Platz sauer auf sein Team. Er droht mit Rücktritt.

Peking - Die Weltspitze ist wieder entrückt, wichtige Leistungsträger hören auf und reichhaltiger Nachwuchs ist nicht in Sicht: Deutschlands Wasserballer stehen nach ihrem ernüchternden zehnten Platz bei Olympia in Peking einmal mehr am Scheideweg und vor einer ungewissen Zukunft.

Bundestrainer Hagen Stamm schlug entsprechend Alarm und knüpfte sein eigenes weiteres Engagement an Bedingungen.

"So geht es nicht weiter. Ob das Training von jedem Einzelnen, Strukturen oder Nachwuchsarbeit: Wir haben viele Defizite, die man nicht ständig übertünchen kann", sagte Stamm, der die Fortsetzung seiner Arbeit als Coach von den Gesprächen in den nächsten Wochen abhängig macht.

Der ehemalige Weltklasse-Center war 1984 in Los Angeles beim Gewinn der Bronzemedaille noch als Spieler für das letzte Edelmetall mitverantwortlich.

In Athen noch Fünfter

Vor vier Jahren in Athen hatte Stamm die Auswahl des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) als Trainer auf Platz fünf geführt.

Der 48-Jährige ging mit seinem Team ins Gericht. "Das war nicht die Mannschaft, die ich kenne. Viele Spieler waren nach den Mühlen des Qualifikations-Marathons müde und ausgelaugt", erklärte Stamm.

"Am meisten tut es mir leid, dass so verdiente Spieler wie Alexander Tchigir und Thomas Schertwitis auf diese Weise ihre internationale Karriere beenden."

Stammspieler hören auf

Neben Weltklasse-Torhüter Tchigir und Center Schertwitis werden wohl auch Kapitän Sören Mackeben und Stamms Schwiegersohn Marc Politze ihre Laufbahn in der Nationalmannschaft beenden.

Die neue Generation um Stamms Sohn Marko muss sich international erst noch beweisen.

Auch beim 8:10 (3:4, 1:1, 1:1, 3:4) zum Abschluss gegen Italien blieb die Mannschaft unter Form.

Spielerverhalten kritisiert

Im Gegensatz zum 8:7 in der Vorrunde bemängelte Stamm diesmal eine "unprofessionelle und lustlose Einstellung".

Russland-Profi Schertwitis (2), Marko Savic (2), Andreas Schlotterbeck (2) und Politze vom deutschen Rekordmeister Wasserfreunde Spandau sowie der Duisburger Tobias Kreuzmann konnten mit ihren Toren die fünfte Niederlage im siebten Spiel nicht mehr verhindern.

Zumindest einen Trost haben die Wasserballer: Für die nächsten Welt- und Europameisterschaften hat sich das DSV-Team bereits qualifiziert. Ob Stamm dort weiter am Beckenrand stehen wird, ist aber noch fraglich.

Ungarn macht Hattrick perfekt

Unterdessen machte Ungarn den Olympia-Hattrick perfekt und sicherte sich das insgesamt neunte Gold. Der Rekord-Olympiasieger setzte sich vor 4000 Zuschauern im Yingdong Natatorium von Peking in einem hochklassigen Endspiel mit 14:10 (6:4, 3:4, 2:1, 3:1) gegen Überraschungs-Finalist USA durch.

Das US-Team, das erstmals nach 1988 in Seoul wieder in einem Finale stand, verpasste damit seinen ersten Triumph bei Olympia. Bronze holte Weltliga-Gewinner Serbien durch ein 6:4 (2:0, 2:1, 2: 1, 0:2) im brisanten Duell gegen Europameister Montenegro.

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