Die Anklage gegen einen seiner Olympia-Trainer wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener hat den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) völlig überrascht.
"Es ist uns völlig neu. Der Verein hat sich nicht gemeldet, der Landesverband hat sich nicht gemeldet. Wir haben überhaupt keine Informationen bekommen, obwohl die Sache schon länger hätte bekannt sein müssen. Das wundert mich", sagte DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff am Samstag in London.
Am kommenden Dienstag muss sich der Coach vor dem Kieler Amtsgericht verantworten.
Ihm wird nach einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vorgeworfen, sich zwischen August 2004 und März 2006 in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmschülerin vergangen zu haben.
Laut Anklage kam es im August 2004 bei einem Schwimmtraining auf Kreta zu einem ersten Übergriff.
Der Trainer habe vor Olympia die Erklärung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unterschrieben.
"Wir müssen uns darauf verlassen, dass er richtige Angaben macht", sagte Fornoff und betonte, dass er nicht mitgenommen worden wäre, wenn der Sachverhalt bekannt gewesen wäre.
Seit Bekanntwerden der Nachricht versuchte der DSV vergeblich, den Trainer zu erreichen.
Sollte der Angeklagte verurteilt werden, wäre das "ein K.o.-Kriterium als Trainer", sagte Fornoff weiter.
Doch selbst wenn er freigesprochen würde, bliebe es wohl nicht folgenlos. "Wir werden dann mit unseren Juristen im Hause intern beraten, wie wir vorgehen. Aber für mich ist das ein Vertrauensbruch."

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