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Fabian Hambüchen gewann bei den Olympischen Spielen 2008 Bronze am Reck © imago

Turn-Superstar Fabian Hambüchen präsentiert sich bei der herausragenden Olympia-Quali wieder als unbekümmerter Draufgänger.

Frankfurt - Alles war wieder ein bisschen wie früher.

Die kreischenden kleinen Mädchen, sein Spiel mit dem Publikum - und diesmal traute sich Fabian Hambüchen sogar wieder, die großen Emotionen, die ihn immer stark gemacht haben, auch zu genießen.

"Irgendwie turnen wir ja auch für die Fans, und das ist es, was den Reiz ausmacht", sagte Hambüchen, nachdem er in Frankfurt zum zweiten Mal binnen zwei Wochen die nationale Konkurrenz dominant in die Schranken verwiesen hatte.

Mentale Stärke ist zurück

Für den Deutschen Turner-Bund (DTB) jedenfalls könnte "Hambüchen Reloaded" ein olympischer Kassenschlager werden.

Bei den nationalen Titelkämpfen in Düsseldorf (Bericht) war Hambüchens Freude noch verhalten, der Jubel eher gedämpft - die Arena in Frankfurt erlebte dagegen einen Gerätartisten, der nicht nur physisch, sondern auch psychisch gestärkt aus seinem Karrieretief herausgekommen ist (Bericht).

Vater nicht in Delegation

Somit erwies sich auch der individuelle Weg der Olympia-Vorbereitung als richtig, Hambüchen hatte auf eine Teilnahme an den europäischen Titelkämpfen Ende Mai verzichtet: "So gesehen fühle ich mich schon bestätigt."

Dass sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen nicht zur offiziellen 0lympia-Delegation gehören wird, sei für ihn kein Problem: "Er ist ja in London vor Ort, wir werden uns immer intensiv austauschen können."

In der britischen Hauptstadt wird der Routinier zusammen mit Olympia-Debütantin Elisabeth Seitz die deutschen Kunstturn-Riegen anführen. Wie erwartet schlug der DTB Hambüchen und die aktuelle Vize-Europameisterin im Mehrkampf zur Nominierung vor.

Boy treibt Hambüchen an

Nicht wenige hatten ihn nach seinem Achillessehnenriss im vergangenen Jahr abgeschrieben und auf Kronprinz Philipp Boy gesetzt, der mit zwei WM-Silbermedaillen im Mehrkampf die entstandene Lücke auch auszufüllen schien.

Doch der ihm erwachsene Rivale war Hambüchens größter Ansporn, wieder ins Rampenlicht zurückzukehren.

Und nun genoss der 24-Jährige den so lange vermissten Beifall, während der Cottbuser - von diversen Blessuren gepeinigt - gute Miene zum für ihn bösen Spiel machte.

Erfahrung lenkt den Körper

Starker Kopf und erstarkter Körper - so wird Olympia gehen für Hambüchen, der nach eigenem Bekunden in seiner Zwangspause viel gelernt hat.

"Ich musste und muss mehr auf meinen Körper hören und die Belastungen dosieren. Schließlich soll es nach London mit dem Turnen ja noch weitergehen."

Der unbekümmerte Draufgänger in ihm führt nur noch ein internes Schattendasein, nach außen trägt der ehemalige Reck-Weltmeister das Bild des durch Rückschläge gereiften Athleten.

Olympisches Gold wird angepeilt

Der natürlich den ersehnten Olympiasieg in North Greenwich einfahren möchte und das auch kann.

Und so wollte Hambüchen auch gar nicht kleinreden, was er an seinem Paradegerät alles ausgepackt und dafür medaillenverdächtige 16,40 Punkte erhalten hatte.

"Das war schon eine echt gute Übung", meinte der Olympia-Dritte von Peking, der seinerzeit nicht nur an einer Fingerverletzung, sondern auch am hausgemachten Druck gescheitert war.

Kleiner Patzer als Mahnung

Den hat er jetzt weitgehend abgeschüttelt, es aber auch nicht verlernt, die Zügel bei Bedarf wieder straffer in die schwieligen Turnerhände zu nehmen.

In Frankfurt so geschehen am Seitpferd, das den angehenden Lehramts-Studenten wieder einmal abwarf. Hambüchen: "Da habe ich irgendwann gedacht, die Übung läuft von allein, und schon war ich unten. Konzentriert bleiben muss man eben immer."

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