Hambüchen mit breiter Brust - Boy angeschlagen
London - Kurz und fast verstohlen ballte Fabian Hambüchen die rechte Faust, seinem Rivalen Philipp Boy strich Chefcoach Andreas Hirsch tröstend übers Haar.
Kleine Gesten eines Podiumstrainings mit Körpersprachen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Selbstbewusst wie zu seinen besten Zeiten hat Ex-Weltmeister Hambüchen am Reck seine alte Führungsposition übernommen, Boys Interregnum scheint vorbei.
Physisch und auch psychisch angeschlagen kämpfte sich der zweimalige Vize-Weltmeister Boy durch sein Programm, stürzte vom Reck und rutschte an den Ringen ab.
Boy verärgert
Immer wieder Kopfschütteln, immer wieder hängende Schultern.
"Ich bin eben ein Perfektionist", versuchte der Lausitzer, am Montag 25 Jahre alt geworden, seine offen zur Schau gestellte Verärgerung zu erklären.
Am besten klappte bei ihm noch der Doping-Test am Mittag, wenige Stunden vor dem Abschlusstraining.
Hambüchen blickt nach vorn
Das Kontrastprogramm bot den wenigen Augenzeugen in der North Greenwich Arena Erzrivale Hambüchen.
Spannungsgeladen und voller Adrenalin, protzte der Hesse geradezu mit seiner Topverfassung.
Dass an exakt gleicher Stelle 2009 mit einem Bänderiss am Fuß eine fast zwei Jahre währende Leidenszeit begann, mit einem Achillessehnenriss als Tiefpunkt - abgehakt.
"Solche Gedanken brauche ich hier nicht", bellte er auf entsprechende Fragen aggressiv zurück.
"Frechheit" vom DOSB
48 Stunden vor dem Qualifikations-Wettkampf am Samstag (ab 12 Uhr im LIVE-TICKER) blieb auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) von der omnipräsenten Kampfeslust des Olympia-Dritten von Peking nicht verschont.
Dass sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen keine Akkreditierung als Teambetreuer erhalten habe, sei eine "Frechheit". ( NEWS: Vesper kontert Hambüchen-Kritik)
"Kennen uns ja lange genug"
Dem Deutschen Turner Bund waren vom DOSB nur zwei Trainerakkreditierungen zugeteilt worden. Diese gingen an Chefcoach Andreas Hirsch und Waleri Belenki, Heimtrainer von Barren-Europameister Marcel Nguyen und Sebastian Krimmer, dem nationalen Titelträger am Seitpferd.
Ein ernsthaftes Problem sei die ungewohnte Rolle seines Vaters aber nicht. Hambüchen: "Wir kennen uns ja lange genug und werden regelmäßig telefonieren."
Ebenfalls ohne direkten Kontakt zu seinem Heimtrainer Karsten Oelsch muss Boy auskommen, gleiches gilt für den Hannoveraner Andreas Toba und dessen Betreuer Reinhard Rückriem.
Vage Aussagen von Boy
Es ist aber eben auch kein Grund, sich von den sportlichen Zielen ablenken zu lassen.
"Gold und Silber sind an die Chinesen und Japaner so gut wie vergeben, wir gehen mit einigen anderen Mannschaften auf Bronze", verkündete Hambüchen vollmundig. Dafür müsste aber speziell Boy wieder in die Spur finden.
Der Mehrkampf-Europameister hat im Olympiajahr noch keinen wirklich brauchbaren Wettkampf hingelegt und muss sich bei seinen Prognosen derzeit in den Konjunktiv flüchten: "Sollte ich hier fehlerfrei bleiben, ist vieles möglich."
Nguyen holt auf
Wenn nicht, drohen Boy deprimierende Spiele, denn im Mehrkampf ist ihm zusätzlich zu Hambüchen mit Marcel Nguyen ein weiterer nationaler Rivale erwachsen, der ihn durchaus aus der Medaillentscheidung drängen könnte.
Der zweimalige Barren-Europameister aus Unterhaching hat sich eher unauffällig zu einem stabilen Sechskämpfer gemausert, der kaum Fehler macht.
Nguyens manchmal ungesundes Phlegma hat Trainer Valeri Belenki nach nicht immer einfachen Zeiten mittlerweile ganz gut unter Kontrolle.
Was wären die Olympischen Sommerspiele bloß ohne die hübschen Sportlerinnen aus aller Welt? Ob Beachvolleyball, Hockey oder Fußball: SPORT1 zeigt Bilder der schönsten Athletinnen. mehr...