Hambüchen hakt Team-Pleite ab: "Noch zwei gute Chancen"
London - Mund abputzen, weitermachen - Fabian Hambüchen hielt sich mit dem enttäuschenden siebten Platz der deutschen Riege in einem turbulenten olympischen Mannschafts-Wettbewerb gar nicht mehr lange auf.
"Mit meiner Leistung war ich sehr zufrieden. Jetzt habe ich noch zwei gute Olympiachancen", sagte der Wetzlarer. Enttäuschung klingt anders ( BERICHT: DTB-Riege enttäuscht).
Als nach einem desaströsen Teamauftakt beim Seitpferd ohne den an diesem Gerät pausierenden Hambüchen die erhoffte Medaille bereits außer Reichweite war, funktionierte der ehemalige Reck-Weltmeister den Auftritt in der North Greenwich Arena in einen doppelten Probelauf um - für die Mehrkampf-Entscheidung am Mittwoch (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) und auch das Reck-Finale sechs Tage später.
Und das, was er an den restlichen fünf Geräten leistete, stimmte Hambüchen durchaus zuversichtlich: "Es war nicht alles perfekt, aber ich werde auch noch ein paar Kleinigkeiten bis zum meinen beiden weiteren Finals verändern."
An der Taktik feilen
Speziell an der Taktik für die Entscheidung am Königsgerät wird in den kommenden Tagen permanent gefeilt werden ( SERVICE Der Medaillenspiegel).
Im Team-Finale präsentierte der 24-Jährige eine exzellente Übung mit einem Ausgangswert von 7,5 Punkten und erhielt dafür 16,166 Zähler.
Doch Olympiasieger und Weltmeister Zou Kai aus China konterte mit 7,7 Schwierigkeitspunkten und einem Endwert von 16,400 Zählern.
Hambüchen könnte ebenfalls noch aufstocken, die Entscheidung darüber wird kurzfristig fallen ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Boy psychisch angeschlagen
Luxusprobleme, die sein Teamkollege Philipp Boy gerne hätte.
Der Mehrkampf-Europameister aus Cottbus war in London das genaue Gegenteil des kraftstrotzenden und selbstbewussten Hambüchen.
Am Sprunggelenk verletzt, aber vor allem psychisch angeschlagen, quälte sich der zweimalige Vize-Weltmeister über die Geräte - ein Bild des Jammers.
Boy völlig bedient
"Vielleicht wollte mir der Körper etwas sagen. Ich hatte zwei Superjahre vor Olympia, und jetzt so eine Scheiße", sagte Boy (DIASHOW: Die Bilder des Tages).
Speziell am Reck hat er jegliches Selbstvertrauen verloren, keine einzige Kür ging ohne Sturz ab: "Da ist im Herz und im Kopf viel kaputtgegangen."
Ungeachtet seiner ganz persönlichen Tragödie will der 25-Jährige anders als 2008 bei den Spielen von Peking bis zum Schluss im Olympischen Dorf bleiben.
China souverän Erster
Mit einem Absteiger am Seitpferd begann das Boy-Drama, am gleichen Gerät endete letztlich die Medaillenvergabe - per Videobeweis.
Unstrittig war Rang eins für den alten und neuen Olympiasieger China, das Gezerre entstand um den dreimaligen Mehrkampf-Weltmeister Kohei Uchimura.
Nach einem Protest der japanischen Mannschaftsleitung wurde der Schwierigkeitswert von Uchimuras verunglückter Übung nachträglich um 0,7 Punkte angehoben.
Dadurch rückten die zuvor viertplatzierten Asiaten noch auf den zweiten Platz vor, Gastgeber Großbritannien rutschte vom Silber- auf den Bronzerang.
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