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Markus Wasmeier gewann in seiner Karriere neun Weltcuprennen © getty

Markus Wasmeier hatte mit Olympia schon abgeschrieben. Dann schlug seine Stunde in Lillehammer 1994. Er gewann zwei Mal Gold.

von Nils Reschke

Bis zum Happy End, seinem persönlichen Triumph, dem Höhepunkt der Karriere brauchte es Jahre.

Erst, als keiner mehr so recht daran glauben wollte, da schaffte "Wasi" doch noch das Unmögliche.

Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen in Lillehammer, die Krönung des Blondschopfes, zu der es um ein Haar nie gekommen wäre.

Dabei nahm die Karriere des Markus Wasmeier schnell an Fahrt auf, seitdem der gebürtige Schlierseer am 5. Februar 1983 bei der Abfahrt in St. Anton sein Debüt im Weltcup gab.

Sensation in Bormio

Der erste Podestplatz folgte, dann die Sensation im Ski-Zirkus: "Wasi" schlug bei der Weltmeisterschaft 1985 in Bormio den haushohen Favoriten Pirmin Zurbriggen aus der Schweiz.

Fünf Hundertstel war der Deutsche im Riesenslalom schneller als der Schweizer. Und ohne zuvor jemals ein Weltcuprennen gewonnen zu haben, durfte er sich die Goldmedaille umhängen lassen.

Sturz in Furano

Von nun an zählte der stets gut gelaunte Skifahrer zur Weltspitze, musste allerdings schnell auch die Schattenseiten seines Sports kennenlernen: In Furano stürzte Wasmeier 1987 so schwer, dass er sich zwei Rückenwirbel brach.

"Dieser Unfall hat mich psychisch zwei Jahre meiner Karriere gekostet. Vor Sprüngen hatte sich eine innere Bremse eingeschlichen, ich wurde passiv", erinnert er sich an die schwere Zeit, die jetzt kommen sollte.

"Die Erfahrung lehrt, dass man zwei bis drei Jahre braucht, bis man annähernd so hemmungslos auf einen Sprung zufahren kann wie vorher."

Enttäuschung 1988

Doch diese Zeit hatte Markus Wasmeier eigentlich nicht. Denn die Olympischen Spiele 1988 in Calgary standen vor der Tür.

Als einer der Favoriten nach Kanada gereist, fädelte "Wasi" in seiner Top-Disziplin Super-G schon beim ersten Tor ein - das Aus! Wasmeier und Olympia, das sollte sich zu einer Hassliebe entwickeln, die so eigentlich nicht zu passen schien.

Denn vier Jahre später, 1992 in Albertville, reichte es für den blonden Blitz aus Schliersee in der Abfahrt nur zum undankbaren vierten Rang.

Wieder also keine Medaille. Und so langsam rannte dem damals 29-Jährigen die Zeit davon, zumal er sich nach der Olympiade nach dem Zusammenprall mit einem Servicemann den Knöchel brach.

"Euch zeig ich´s!"

Nur zwei Jahre dauerte es dieses Mal bis zu den nächsten Winterspielen in Lillehammer, wo Markus Wasmeier seine Karriere beenden wollte.

Dieses Mal war "Wasi" keiner der Favoriten. Andere Skifahrer hatten dem nun 31-Jährigen längst den Rang abgelaufen.

Und die "schwarze Serie" der Olympischen Spiele schien sich nahtlos fortzusetzen, als er die Abfahrt auf einem enttäuschenden 36. Rang abschloss.

"Anschließend kam ich mir vor wie ein Vebrecher", erzählt Wasmeier rückblickend über die die öffentliche Demontage durch Medien und Umfeld.

Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb ihm nicht. Der Super-G stand auf dem Programm. Und "Wasi" hatte das Kämpferherz gepackt: "Euch zeig ich´s!"

Wie ein Irrwisch

Wir schreiben den 17. Februar 1994 in Lillehammer. Norwegen erlebt einen bitterkalten Winter bei fast 30 Grad minus - und Markus Wasmeier geht an den Start.

Wie ein Irrwisch jagt der Blondschopf die Piste herunter. Wo die Konkurrenz in die Kurve geht, geht "Wasi" volles Risiko, nimmt die Passage wie an der Schnur gezogen direkt.

Dann der Schreckmoment: ein Fehler, so kurz vor dem Ziel, der Zeit kostet - und zum wiederholten Male den Traum einer olympischen Medaille? Nein! Zwar sind es für Wasmeier "die grausamsten Minuten, die ich erleben musste".

Doch keiner der Fahrer nach ihm ist schneller. Markus Wasmeier hatte Gold gewonnen!

Der Kreis schließt sich

Noch aber wartete eine olympische Disziplin, der Riesenslalom, auf den Mann aus Schliersee, der nun nichts mehr zu verlieren hatten.

Neun Jahre nach seinem Triumph von Bornio sollte sich der Kreis in Lillehammer schließen, als "Wasi" auch mit den olympischen Winterspielen endgültig seinen Frieden schloss.

Den dritten Platz im ersten Durchgang bestätigte er auch im zweiten Lauf. Als dann auch noch Urs Kälin und Christian Mayer hinter ihm blieben, war es "pure Emotion" - und zum zweiten Mal Gold.

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