In Vancouver kämpfen Athleten in 86 Wettbewerben um Medaillen. Auch Bridge wollte dabei sein, wie Wolfgang Kleine sich erinnert.

Am Freitag werden die Olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver eröffnet. In 86 Wettbewerben geht?s auf Schnee und Eis um Gold, Silber und Bronze.

Dann dürfen die Athletinnen und Athleten wieder mal auf dem Siegerpodest jubeln und die Medaillen in Empfang nehmen.

Aber zwei Sportarten, die sich beim IOC um die Aufnahme in den Wettkampf-Kalender beworben haben, sind nicht dabei.

Die Ski springenden Frauen erhielten von der IOC-Kommission jüngst eine Abfuhr - und Bridge.

Wie bitte - Bridge?

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Es passt in die Zeit: Es gibt Schnee und Eis und es ist bitterkalt. Das muss wohl auch die Bridge-Spieler motiviert haben, sich um die Olympia-Teilnahme zu bewerben. Aber nicht für den Sommer, sondern eben für die Winterspiele.

Das Kartenspiel sollte eigentlich mal als Demonstrations-Wettbewerb ins Programm genommen werden. Auch wenn das IOC flugs ablehnte, wäre es doch ein tolles Szenario. Ich stelle mir das so vor.

Bridge ja - aber warum nun gerade bei den Winterspielen?

Da sitzen sie nun - an acht Tischen verteilt. Scharf denkend, ungeheuer konzentriert. Die einzige starke Bewegung: Der einarmige Kartenklopfer auf die verstärkte Tischplatte. Da sitzen sie dann wieder - und denken.

Zipfelmütze auf dem Kopf

Aber nicht in der warmen Stube - wir haben ja Winterspiele. Die Akteure sitzen im Schnee, draußen, es schneit, bei minus 18 Grad in der Metropole von Utah.

Die Athleten trotzen der Kälte - Zipfelmütze auf dem Kopf, wärmende Goretex-Jacke und Moon Boots am Fuß. Es ist ja kalt, bitterkalt.

Damit die Finger nicht an den Karten anfrieren, ziehen die Akteure Fäustlinge an. Nach einstündigem Sitzen, Denken und Kartenklopfen rinnt in den warmen Jacken bald der Schweiß, doch der Segen kommt nicht von oben.

Bärte überfroren

Die Bärte in den Gesichtern der Sportler sind mit angefrorenem Schnee überzogen, die Augen von den fast unmenschlichen Strapazen gezeichnet - es ist ja kalt, bitterkalt.

Keiner trotzt der Kälte so wie die Bridge-Spieler. Nach zwei Stunden wird Tee geschlürft, Kohlenhydrate und Traubenzucker, damit der Zuckerspiegel im Körper nicht ganz abfällt. Aber keine Nahrungsergänzungsmittel - es könnte Nandrolon drin sein. Achtung vor Doping!

Erschöpfungszustände

Nach drei Stunden: Erste Erschöpfungszustände. Gefrorene Zehen. Ermüdungserscheinungen - das Klopfen auf die Tischplatte gelingt nicht mehr mit solch einem Elan wie es zu Beginn war.

Und das Finale ist immer noch nicht erreicht. Vier, fünf Stunden bis zur totalen Erschöpfung. Und dann steht plötzlich - bei minus 22 Grad - einer auf. Er hat noch nicht gewonnen: ?Ich geh mal, ich muss zur Toilette.?

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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