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Andre Lange (r.) und seine Hintermänner haben Gold im Visier © getty

Bob-Pilot Andre Lange wird bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Vancouver am Freitag die deutsche Fahne tragen.

Vancouver/Whistler - Erst die Fahne tragen, dann Gold holen: Bobpilot Andre Lange wollte vor seinen letzten Dienstfahrten den ultimativen Stress eigentlich vermeiden.

Doch nach seiner Ernennung zum Fahnenträger der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterpiele 2010 in Vancouver musste der Sportsoldat aus Oberhof seinen Terminkalender kurzfristig noch einmal neu koordinieren.

Um 13.30 Uhr landete der dreimalige Olympiasieger am Mittwoch in Vancouver, bereits fünf Stunden später stand seine offizielle Präsentation durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) an.

"Ich bin stolz"

Es folgte die Weiterfahrt ins Olympische Dorf nach Whistler. Am Freitag muss der 36-Jährige wieder die 125 Kilometer von Whistler nach Vancouver auf sich nehmen, um das deutsche Team ins Stadion zu führen.

Seine Freude über die Ernennung wurde durch die Terminhatz aber nicht getrübt.

"Ich bin stolz nach meiner langjährigen Karriere zum krönenden Abschluss die deutsche Mannschaft ins Stadion führen zu dürfen. Diese Auszeichnung haben bislang nur ganz wenige Sportler erfahren", sagte Lange.

Für das letzte Highlight seiner Karriere hat der Familienvater (zwei Kinder) aber noch ein viel wichtigeres Ziel im Auge. Lange kann als erster Bobpilot der olympischen Geschichte sein viertes Gold gewinnen. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Erfog dank Hintermänner

"Das wäre natürlich fantastisch. Aber ich sehe die Sache ganz entspannt. Wir wollen erstmal zwei ordentliche Wettkämpfe fahren", sagte der Rekord-Europameister (acht Titel), der im Whistler Sliding Center im Zweier und im Vierer als Favorit an den Start geht.

(Video: Friesinger will jetzt loslegen)

Neben gutem Material und seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten an den Lenkseilen kann der Hobby-Motorradfahrer im großen Schlitten auf starke Anschieber vertrauen.

"Bärchen" Lange ist dabei der Chef, seine kräftigen Hintermänner Kevin Kuske, Rene Hoppe und Martin Putze Vertrauen ihm blind. "Ich bin froh, dass ich diese Drei habe, wir haben uns gesucht und gefunden", meinte Lange und fügte an:

"Gewonnen oder verloren wird grundsätzlich zusammen. Man muss gewisse Dinge zwar diktieren, darf aber kein Diktator sein."

Dem "Unternehmen Gold" ordnen sie alles unter. Dabei sah es für Lange zu Beginn des olympischen Winters gar nicht gut aus. Aufgrund einer Adduktorenverletzung fuhr Lange der Konkurrenz nur hinterher. Das deutsche Team

"Große Auszeichnung für den Bopsport"

Doch er behielt die Nerven, arbeitete an seiner Fitness und fand zu alter Stärke zurück, die die anderen Piloten teilweise voller Ehrfurcht zu ihm aufblicken lassen.

Klar ist auch, was passiert, wenn Lange seinen Traum vom vierten Olympiasieg erfüllt.

"Es gibt Schädel-Fluten", sagte Lange, der sich auch schon Gedanken über die Zeit nach seiner Laufbahn gemacht hat. "Der Sport ist mein Leben. Es wäre Quatsch, nicht dabei zu bleiben", meinte Lange, der eine Trainerkarriere anstrebt.

Der Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, Thomas Schwab, freut sich über Langes Nominierung zum Fahnenträger.

"Das ist eine große Auszeichnung für den ganzen BSD und zeigt, dass der Bobsport in Deutschland eine wichtige Rolle spielt", sagte Schwab.

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