vergrößernverkleinern
Andre Lange gewann in Turin 2006 Gold im Zweier- und Viererbob © getty

Wasserstoffblond und happy: Andre Lange darf als "untadeliger Sportsmann und Sympathieträger" die deutsche Fahne tragen.

Vancouver - Mit wasserstoffblond gefärbten Haaren ließ Andre Lange das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen.

"Es ist ein geiler Lohn für die Schufterei und die Entbehrungen der ganzen Jahre", schilderte der 36-Jährige seine Gefühle, bevor er am Freitag die 153 Athleten starke deutsche Olympiamannschaft als Fahnenträger zur Eröffnungsfeier der Winterpiele 2010 führen wird. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

"Er ist als dreimaliger Olympiasieger ein untadeliger Sportsmann, ein Sympathieträger und glänzender Botschafter für die Olympiabewerbung von München 2018", sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Auf dem Weg zum Allerbesten

Als Fahnenträger solle er für die Identifizierung mit der Mannschaft sorgen - nach innen und außen. Bach: "Es war keine schwierige, sondern eine logische Wahl."

Bach hat Lange etwas voraus, das dem 1,89 m langen 93-Kilo-Mann noch fehlt: Der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim war in Kanada schon einmal Olympiasieger, 1976 in Montreal mit dem Degenteam.

Gelingt Lange am 21. Februar im Zweier oder sechs Tage später im Vierer auch nur eine Goldfahrt, geht er als erfolgreichster Bobfahrer in die Geschichte seiner Sportart ein. (DATENCENTER: Alle Wettbewerbe)

Kein Zögern, sondern Begeisterung

Hemmt ihn nun plötzlich die große Aufmerksamkeit, diese Verantwortung, die er im Team übernimmt - oder beflügelt sie ihn sogar?

"Fahnenträger und Bobfahrer - das sind zwei ganz verschiedene Dinge, sie haben nichts miteinander zu tun", sagte Lange und wirkte dabei so, als ob er wirklich keinen gesteigerten Druck empfinde. (Service: Der deutsche Kader)

Noch vor dem Abflug hatte Chef de Mission Bernhard Schwank den Oberhofer Sportsoldaten nach dem Votum der DOSB-Präsidialkommission noch schnell gefragt, ob er die Fahne tragen wolle. "Sofort", habe er ihm gesagt, "und dann durfte ich mich beim Flug nach Vancouver zehn Stunden darüber freuen."

"Dann gibt es Schädel-Fluten"

Um 13.30 Uhr landete Lange in Vancouver, fünf Stunden später wurde er schon als Fahnenträger präsentiert. Dann ging es ins 125 Kilometer entfernte Whistler, wo der Familienvater (zwei Kinder) und künftige Trainer im Sliding Center als Favorit im Zweier und im Vierer an den Start geht.

Wenn er sich den Traum vom vierten Olympiasieg erfüllt, "dann gibt es Schädel-Fluten", sagte Lange.

Doch was man unter diesem Begriff zu verstehen habe, wollte er nicht wirklich erklären. Nur so viel sagte er: "Für außergewöhnliche Situationen gibt es außergewöhnliche Maßnahmen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel