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WADA-Chef John Fahey führte Journalisten an der Nase herum © getty

Ein großer Schwindel eilt den Olympischen Spielen in Vancouver voraus. Die angeblich aktuellen Dopingfälle entpuppen sich als alte.

Vancouver - Das Olympische Feuer ist noch nicht entzündet, aber das Thema Doping ist in Vancouver schon ein Dauerbrenner (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen).

Einen Tag vor der Eröffnungsfeier machte das Internationale Olympische Komitee (IOC) den ersten Dopingfall publik, gleichzeitig entpuppte sich das Startverbot für über 30 Athleten als PR-Bluff der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Eine russische Eishockeyspielerin wurde positiv getestet. Es handelt sich laut IOC um eine Stimulans, die nur eine Verwarnung zur Folge hat.

Die Spielerin, deren Name zunächst nicht genannt wurde, darf daher am olympischen Eishockey-Turnier der Frauen teilnehmen.

EInnahme vor Verbot

Bei der Stimulans soll es sich um ein Nasenspray handeln, dass zu einem Zeitpunkt eingenommen wurde, als es noch nicht verboten war.

Bei Öffnung der Probe im Olympischen Dorf wurden im Urin der Eishockeyspielerin allerdings Reste der Stimulans festgestellt.

Doping-Kampf nicht erfolgreicher

Kurz zuvor war nach vielen bohrenden Fragen von Journalisten deutlich geworden, dass die WADA nur viele alte Fälle addiert hatte, um glauben zu machen, dass Dutzende von Athleten von der Startliste gestrichen worden und die Spiele sauberer denn je seien.

Die Botschaft, die gesendet werden sollte, war laut WADA-Chef John Fahey jene: "Der Anti-Doping-Kampf ist erfolgreicher denn je, und in Vancouver werden deutlich weniger Betrüger starten als bei anderen Olympischen Spielen."

Doch am Ende wurde deutlich, dass die Zahl der überführten Athleten sich in ganz normalen Dimensionen bewegt.

"Uralt-Fälle" mitgerechnet

WADA-Generaldirektor David Howman räumte ein, dass auch ein Jahr alte Fälle darunter seien. Man durfte daraus schließen, dass auch die Affäre um die Berliner Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein mit eingerechnet war.

Enthalten sind laut Howman in dieser Zahl auch rund ein Dutzend russische Fälle von 2009, so auch die von Skilanglauf-Olympiasieger Jewgeni Dementjew und Julia Tschepalowa.

Keine Namen

WADA-Chef John Fahey hatte Minuten zuvor noch glauben gemacht, dass es sich bei dieser "außerordentlichen hohen Zahl an positiven Fällen" um Verstöße aus den letzten "Wochen und Monaten" handele, die zu einem kurzfristig erlassenen Startverbot geführt hätten.

Er betonte, Namen könne man nicht nennen, da dies laut Statuten in die Hoheit der nationalen Verbände falle.

Zuvor kein positiver Dopingtest

Die Zahlen hatte am Vorabend IOC-Sprecher Mark Adams genannt und auf die WADA-Pressekonferenz am folgenden Morgen verwiesen.

Adams konnte ansonsten nur mitteilen, dass vor dem Fall der russischen Eishockeyspielerin alle 554 Tests (407 Urin, 147 Blut) negativ gewesen seien. Insgesamt will die WADA in Vancouver 2000 Proben nehmen, davon 500 auf Blut.

Hintermännern an den Kragen

In Zukunft will das IOC im Kampf gegen Doping verstärkt das Umfeld des Sportlers ins Visier nehmen. "Wenn ein Athlet erwischt wird, hat er in der Regel nicht alleine gehandelt", sagte Adams.

Im Gespräch ist, dass Athleten künftig die Namen ihrer Ärzte, Manager und Betreuer auflisten müssen. IOC-Vizepräsident Thomas Bach hatte schon seit Langem gefordert, dass "die Hintermänner des Dopings" zur Verantwortung gezogen werden müssen.

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