Jagd nach Rekorden oder "Dabeisein ist alles" - der tödliche Unfall eines Rodlers macht das olympische Dilemma deutlich.

Es sollte ein Fest der Völker werden. Athleten aus 82 Nationen sind nach Vancouver gekommen, um in sportlichem Wettbewerb gegeneinander anzutreten.

Die Eröffnungsfeier sollte den Auftakt zu 17 fröhlichen und friedlichen Tagen bilden.

Doch von Feiern kann keine Rede mehr sein. Der tödliche Unfall des georgischen Rodlers Norad Kumaritaschwili wirft einen dunklen Schatten auf die Spiele.

Neben den ersten Reaktionen des Schocks und der Trauer richtet sich massive Kritik gegen den Veranstalter.

Mit Geschwindigkeiten von 155 km/h sei die Bahn zu schnell und zu gefährlich. In der Tat gab es schon bei der Generalprobe im Vorjahr einige schwere Stürze, ohne dass der Veranstalter reagierte.

Doch auch das IOC trifft eine gehörige Portion Mitschuld.

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Bei allen Spielen ist in den Ansprachen der Funktionäre, angefangen beim Präsidenten selbst, von den besten, schönsten und erfolgreichsten Olympischen Spielen die Rede. Die Jagd nach neuen Superlativen wird so offenbar gefördert und gefordert.

Die Abfahrtspisten müssen immer spektakulärer werden, die Bob- und Rodelbahnen immer schneller, die Langlaufstrecken immer schwerer.

Doch gegen diesen Rekord-Wettlauf spricht ein anderes olympisches Motto: "Dabeisein ist alles"..

Olympia stand in der Vergangenheit auch dafür, Sportlern aus aller Welt die Teilnahme zu ermöglichen, also auch den Skifahrern aus Argentiniern und den Langläufern aus Kenia.

Gerade diese Exoten machen auch den Charme Olympischer Spiele aus.

Doch viele von ihnen sind den immer größeren sportlichen Anforderungen nicht gewachsen. Auch wenn Kumaritaschwili nicht zu den Exoten zu rechnen ist, gehörte er doch alles andere als zu den herausragenden Vertretern seiner Sportart. Als bestes Weltcup-Ergebnis seiner Karriere steht ein 28. Platz zu Buche.

Dass ihm mehr Fehler unterlaufen als den Top-Athleten, liegt auf der Hand. Nur leider können sich diese Fehler auf der gefährlichen Rodel-Bahn von Whistler tödlich auswirken.

Das IOC muss sich entscheiden: Entweder müssen die Qualifikationskriterien für Olympia rigoros verschärft oder dem dauernden Rekord-Streben muss Einhalt geboten werden. Beides zusammen geht nicht mehr.

Das steht seit dem Schwarzen Freitag von Vancouver fest.

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