Die Spiele in Vancouver sind erst wenige Tage alt, dennoch gibt es Anlass für Wolfgang Kleine ein erstes Resumee zu ziehen.

Seit Wieverfastelovend am vergangenen Donnerstag feiern die Jecken am Rhein den Karneval, am Dienstag ging's beim Fasching in München richtig rund.

Doch während die Narren in Deutschland außer Rand und Band sind, war bei den deutschen Wintersportlern in Vancouver bis Dienstag eher schon Aschermittwoch angesagt.

Drei Wettkampf-Tage bei den Olympischen Spielen. Aber richtige Freude kam mittlerweile nur bei ganz wenigen Athleten auf.

Da waren sicherlich der stets lächelnde Rodel-Goldjunge Felix Loch, der Michael Phelps der Eisrinne, David Möller, Rodlerin Tatjana Hüfner und die sensationell kämpfenden Stephanie Beckert im Eisschnelllauf sowie Biathlon-Glamour-Girl Magdalena Neuner, die nach Silber auch noch Gold holte. Vor allem die Frauen-Power sorgt für Jubel in Vancouver.

[image id="39c64361-65cb-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Doch sonst war Tristesse angesagt. Pleiten, Pech und Pannen zogen sich wie ein roter Faden durch die Entscheidungen.

Die Mitfavoriten Aljona Savchenko und Partner Robin Szolkowy standen nach Paarlauf-Bronze mit Tränen in den Augen bei der Siegerehrung. Bronze statt Gold und dann noch die unsäglichen Sprüche ihres Trainers Ingo Steuer - ein Abend zum Vergessen.

Die deutschen Biathlon-Herren zogen nach dem Sprint lange Gesichter. Michael Greis und Co. sind im Schneegestöber und Tiefschnee regelrecht eingesackt. Ein unbekannter Franzose durfte jubeln.

Die DSV-Kombinierer haderten mit den wechselnden Winden an der Normalschanze. Statt des in dieser Saison zuvor immer angewandten Windfaktors bei der Sprungberechnung wurden hautsächlich sie vom Rückenwind verblasen.

Kann man für die Durchhalte-Parolen von Bundestrainer Hermann Weinbuch noch Verständnis haben, so ist die Standardformel von TV-Reportern gegenüber den DSV-Youngstern wenig hilfreich: "Ach ja, es sind ja Ihre ersten Olympischen Spiele. Das kann ja noch werden."

Die deutschen Experten der Loipe hatten dann in den Freistil-Rennen entweder falsche Ski an den Füßen (Teichmann, Sommerfeldt) oder stürzten zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt (Miriam Gössner). Ein Vorbild wäre da der Schweizer Dario Cologna, der völlig unbekümmert zum Gold stürmte.

Axel Teichmann, der bisher mit Olympia im Unreinen ist, wollte sich bei der Langsam-Fahrt wenigstens die 20 Euro für die Mannschaftskasse sparen. Die hätte er im Falle einer Aufgabe zahlen müssen.

Bei der Abfahrt der Herren war Stephan Keppler mal wieder Umwege gefahren und im Boardercross stürzte David Speiser nach großen Leistungen zuvor beim möglichen Sprung ins Finale.

Und, wenn dann wenigstens die Leistung stimmte, kam das Pech hinzu: So verpasste Eisschnellläuferin Daniela Anschütz-Thoms über 3000 Meter Bronze um ganze drei Hundertstelsekunden und musste lange Zeit von ihrem Trainer Stephan Gneupel getröstet werden.

Michael Uhrmann lag beim Skispringen nach dem ersten Durchgang auf Medaillenkurs und schaffte es dann doch nicht - Platz fünf. Hier siegte ein Schweizer: Simon Ammann.

Es war eine der drei Goldmedaillen in den ersten drei Tagen für das Nachbarland. Hopp Schwyz!

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel