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Hinter der Vorgabe: Kati Wilhelm holte 2006 Gold und zweimal Silber, in Whistler nur Blech © getty

Die Deutschen rücken von ihren Siegansprüchen im Medaillenspiegel ab. Der Missions-Chef schätzt nicht nur die USA höher ein.

Vancouver - Das nächste Kapitel des deutschen Wintermärchens wird wohl nicht in Vancouver geschrieben.

"Die Amerikaner sind uns entrückt bei diesen hervorragend organisierten Spielen", stellte Thomas Bach in seiner Halbzeitbilanz der Winterspiele an der kanadischen Westküste fest.

Auch Deutschlands Ober-Olympier glaubte nicht mehr so recht daran, dass sein 153-köpfiges Team zum vierten Mal nach Albertville 1992, Nagano 1998 und Turin 2006 die Medaillenwertung gewinnen kann.

Dank Frauen-Power verzeichnete die deutsche Mannschaft nach acht Tagen ähnlich viele Medaillen wie 2006 bei Halbzeit - aber zwei weniger aus Gold. (DATENCENTER: Der Medaillenspiegel)

Frauen das starke Geschlecht

Dies lag vor allem daran, dass 500-m-Favoritin Jenny Wolf auf dem Eisschnelllauf-Oval statt Gold "nur" Silber gewann und die Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy Bronze.

Den Triumphen von Biathlon-Star Magdalena Neuner, der in der Super-Kombinationen erfolgreichen Alpinen Maria Riesch 204884(Die Bilder) und Rodlerin Tatjana Küfner konnte nur deren Branchenkollege Felix Loch Gold entgegensetzen. (DATENCENTER: Alle Olympia-Ergebnisse)

Vom übrigen Edelmetall holten die Frauen doppelt so viel wie die Männer.

"Täglich Athleten auf dem Siegespodest"

"Wir hatten täglich Ahleten auf dem Siegespodest, aber immer mehr Nationen teilen sich die Medaillen", stellte Bernhard Schwank als Chef de Mission der 139-köpfigen deutschen Mannschaft fest. "Bei Halbzeit sind es schon so viele wie vor vier Jahren am Ende der Spiele."

In drei Sportarten sind Deutschlands Wintersportler schon besser als 2006: Im Rodeln mit zwei Siegen statt einem Gold, im Skeleton mit zwei Medaillen, und im alpinen Skisport, wo nach zwölf Jahren die Phase ohne Gold endete.

Negativbilanz bei Biathleten

Negativbilanzen machte Schwank aus für die Biathleten, die vor vier Jahren fünf Triumphe gefeiert hatten, und die Nordischen Kombinierer.

"Aber hier hoffe ich jeweils noch auf Medaillen."

80 Prozent der deutschen Medaillen hatten bei Halbzeit Uniformierte von Bundeswehr und Bundespolizei (je 4) sowie Zoll (3) gewonnen.

Gute Nachwuchsarbeit

Als Zeichen für das gute Funktionieren des Systems und der Nachwuchsarbeit machte Schwank auch dies aus:

"Elf dieser Athleten stammen aus Eliteschulen. Von den Medaillengewinnern sind sechs erstmals bei Olympia, von den Siegern erleben drei die ersten Spiele."

Neben den USA sieht Schwank auch drei andere Nationen noch im Kampf um die Spitzenposition.

"Die Kanadier haben in der zweiten Woche große Chancen, die Norweger fanden auf den Erfolgsweg zurück, und Österreich darf man nicht aus dem Blick verlieren."

Noch einige Medaillenchancen

Die Chancen in der zweiten Halbzeit liegen noch in der deutschen Paradedisziplin Bob (in Turin dreimal Gold), bei den alpinen Damen und in etlichen Staffelrennen und Teamwettbewerben - egal, ob Biathlon, Nordische Kombination oder Langlauf. (Zeitplan: Die Olympischen Spiele)

"Wenn es mit dem erneuten Sieg im Medaillenspiegel nicht klappt, freuen wir uns auch über einen Platz auf dem Treppchen", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, der ähnlich wie Präsident Thomas Bach auch Platz zwei oder drei noch als Erfolg werten würde.

Für Vesper wäre am Ende ein Trost: "Wenn wir zweimal mehr siegen als Russland, sind wir Spitzenreiter im ewigen Medaillenspiegel."

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