Vor 26 Jahren machte der "blonde Peter" seinen Sport in Deutschland populär. Aber er stand auch für die negativen Seiten.

TV-Reporter Gerd Mehl sah einen Läufer mit Gewehr im grünen Trikot beim 20-km-Rennen auf die Zielgerade einbiegen. Und dann rief er ins Mikrofon, scheinbar völlig überrascht durch die Computer-Daten: "Peter Angerer ist Olympiasieger!"

Das war am 11. Februar 1984 bei den Olympischen Spielen in Sarajevo. Es war ein Tag, als die bisherige Randsportart Biathlon in der Bundesrepublik plötzlich ins Rampenlicht trat.

Es war die Geburtsstunde für eine Sportart, die danach in den Medien und auch bei den Fans einen enormen Aufschwung erlebte.

Der "blonde Peter" hatte praktisch Biathlon in Deutschland wach geküsst. Während die deutschen Herren derzeit bei den Winterspielen in Vancouver einem historischen Desaster entgegenliefen und -schossen, gab's damals einen ungeahnten Hype.

Ski-Fans und Touristen pilgerten zum Biathlon-Mekka nach Ruhpolding, wollten auch mal auf die 50 Meter entfernten Scheiben schießen. Eltern meldeten ihre Kinder beim Biathlon an.

Damals hieß es bis dahin noch: Was ist Biathlon? Heute fragt kaum noch einer. 57.000 kommen zum Biathlon auf Schalke.

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Das sind die positiven Seiten einer vor allem auch faszinierenden TV-Sportart. Für die negative Seite sorgte allerdings auch der Held von Sarajevo selbst: Nur zwei Jahre nach seinem Triumph mit drei Olympia-Medaillen wurde Peter Angerer positiv auf Doping getestet. Ein Schock!

Im August 1986 musste der Bayer seine in Oslo gewonnenen WM-Medaillen zurückgeben und wurde bis zum 31. Januar 1987 gesperrt. "Mein Ruf ist ruiniert", beklagte Angerer damals.

Der erste Schatten belastete den Ruf der Skijäger, der in den letzten Jahren vor allem durch die positiv erwischten russischen und österreichischen Athleten ramponiert wurde.

Aber es geht auch anders. Dafür stand eine deutsche Athletin, die mit ihren Erfolgen bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville den Frauen-Biathlon in aller Munde brachte: Antje Misersky.

Während in Vancouver Magdalena Neuner mit zweimal Gold und einmal Silber zur Königin avancierte, war Misersky mit ihrem Olympia-Triumph neben Petra Behle der erste große Star bei den Frauen.

Der Kampf gegen Doping war für die damals 25-Jährige ein persönliches Anliegen. Als Antje Misersky nach dem Erfolg ihrem Vater Henner in die Arme fiel, flüsterte sie ihm zu: "Das Gold ist nur für Dich."

Die blonde Deutsche hatte mit ihrem Vater unter den brutalen Methoden des DDR-Sports gelitten. Im Moment des großen Triumphes stellten sich Antje und Henner Misersky in Albertville vor die TV-Kameras und beharrten auf Aufklärung: "Man sollte auf keinen Fall Sachen vergessen, die aufgearbeitet werden müssen."

Henner Misersky, einst Trainer beim SC Motor Zella-Mehlis, lehnte 1985 die Weitergabe des DDR-Dopingmittels Oral-Turnabol an seine Schützlinge ab. Tochter Antje weigerte sich als 17-Jährige Skilangläuferin, diese blauen Pillen einzunehmen.

Die Folge: Vater und Tochter wurden von den skrupellosen DDR-Funktionären vom Leistungssport ausgeschlossen. Erst nach der Wende 1989 konnte Antje Misersky wieder in den Leistungssport zurückkehren und startete eine große, aber auch nur kurze Biathlon-Karriere.

Erst am 21. Juli 2005, über 13 Jahre nach ihren sportlichen Olympia-Erfolgen von Albertville, wurde Antje Misersky-Harvey für ihren Einsatz im Kampf für Aufklärung und gegen Doping geehrt. In Berlin erhielt sie die Heidi-Krieger-Medaille.

Laudator und Doping-Fahnder Professor Werner Franke betonte, die Geschichte der Antje Misersky wäre Stoff für ein Hollywood-Drehbuch.

Sie selbst dankte gerührt der Familie: "Ich habe Hochachtung vor allen, die in der Sportwelt versuchen, Menschlichkeit zu erhalten." Dann wünschte sie den zahllosen Doping-Opfern inneren Frieden und Kraft.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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