Vom Schatten des tödlichen Unfalls auf der Rodelbahn hat sich Vancouver nicht erholt. Die Weigerung gegenzusteuern ist fatal.

Zumindest Tatjana Hüfner hat die Eisbahn von Whistler lieb gewonnen. Die deutsche Rodlerin kam nicht nur viermal heil herunter, sondern nahm auch noch olympisches Gold mit nach Hause.

Eine von zehn Goldmedaillen für das 153-köpfige deutsche Team, eine weniger als 2006 in Turin, aber dennoch eine stolze Ausbeute.

Auch Andre Lange trug sich in die Siegerliste dieser Winterspiele ein, auch er auf der High-Speed-Bahn in Whistler.

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Doch seine Gold-Mission im Vierer schlug fehl, und der für sein fabelhaftes Fahrgefühl gerühmte "Schumacher des Bobsports" wäre im zweiten Lauf beinahe schmerzhaft gestürzt.

Sechs anderer Schlitten kamen zu Fall - allein am Freitag. Prompt sprach Bundestrainer Wolfgang Hoppe von einer Farce.

Genau zwei Wochen, nachdem Nodar Kumaritaschwili an gleicher Stelle auf tragische Weise sein Leben verloren hatte, wurde auch dem Letzten klar, dass die Planer über das Ziel hinausgeschossen sind.

Das ist schlimm, und ebenso schlimm ist es, dass den Machern von Olympia die Bereitschaft gegenzusteuern völlig fehlt.

Nicht mal einen Tag zum Innehalten, Gedenken und Trauern gaben sie sich und den Athleten. Nicht einen Deut vom Planungsziel 160 km/h für Sotschi rückten sie ab.

Nur ein etwas tiefer gelegter Start bei den Rodlerinnen war ihnen dieses Menschenleben eines Georgiers wert.

Der Kloß blieb im Hals des Betrachters, nicht nur beim Rodeln und Bobsport. Die Abfahrt der Damen, eine der beliebtesten Disziplinen bei Winterspielen, wurde zu einem schockierenden Sturzfestival.

Nur wie durch ein Wunder konnte Anja Pärson, beileibe keine Anfängerin im Skizirkus, einen Tag nach ihrem 60-Meter-Sturz schon wieder die Super-Kombination in Angriff nehmen.

Auch hier nur kosmetische Reaktionen, das Entschärfen dieses Sprungs. Aber kein Eingeständnis, dass die Pistenbauer die Athleten schlichtweg überfordert hatten.

Die eine Begründung hier wie dort: Es brauche Höchstschwierigkeiten, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Was nachweislich nicht korrekt ist.

Die andere macht die Sportfans in zynischer Weise zu Sündenböcken: Sie würden es ja nicht anders wollen, schrien nach immer neuen Geschwindigkeits- und Weitenrekorden.

Dass der Unterschied zwischen 130 und 145 km/h für den Zuschauer kaum wahrnehmbar und der Wunsch nach von Verletzungsdramen unbeschwerten Spielen weit größer ist, müssen die Funktionäre nun in ihre Köpfe kriegen - und zwar mit höchster Eile.

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