vergrößernverkleinern
Mit seinen Vorwürfen rückt Doping-Jäger auch die Langläufer ins Zwielicht © getty

Nur eine positive Probe in 17 Tagen - doch auch Jacques Rogge nicht an dopingfreie Spiele. Franke greift die Funktionäre an.

Vancouver - Selbst Jacques Rogge hielt Vancouver am Ende der Winterspiele für keine dopingfreie Zone.

"Ich bin nicht naiv. Ich werde mein endgültiges Urteil 2018 fällen", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit Hinweis auf die achtjährige Lagerung der Proben.

Nachtests auf das Blutdopingmittel CERA haben nach Peking 2008 sechs Athleten überführt.

"Wir haben genügend Zeit, um derzeit nicht nachweisbare Mittel aufzuspüren", sagte der belgische Mediziner.

"Nach Test wird gleich gedopt"

Der als Dopingjäger bekannte Molekularbiologe Prof. Werner Franke fordert deshalb auch Nachtests der ebenfalls acht Jahre lagernden Proben von Olympia 2006 in Turin.

"Es gibt mehr als nur Anzeichen dafür, dass CERA 2006 benutzt wurde. Aber die Herren Funktionäre haben gemerkt: Ach Gott, ach Gott, da könnte eine Lawine auf uns zukommen. Es will keiner, dass der ganz große Sport hochfliegt", sagte Franke der "Bild am Sonntag".

Franke behauptet: "Viele Ausdauer-Athleten sind vollgepumpt. Gedopt wird direkt nach einem Test. Dann können sich die Athleten sicher sein, dass in den nächsten 24 Stunden nicht erneut getestet wird. Der Kontrolleur müsste drei, vier Stunden später plötzlich wiederkommen."

Auch Bach ist skeptisch

Am Schlusstag der Spiele waren 1750 Analysen der gut 2000 Tests seit Öffnung des Olympischen Dorfes am 4. Februar negativ.

Es gab zwei Ausnahmen durch Eishockeyspieler, die wegen leichter Stimulanzien verwarnt, aber nicht disqualifiziert wurden: vor dem Auftakt der Spiele die Russin Swetlana Terentewa, am Schlusstag der Slowake Lubomir Visnovsky, der in der A-Probe positiv auf ein Pseudoephedrin getestet wurde.

"Wenn wir glauben würden, es gäbe keine Betrüger, bräuchten wir die Proben nicht einzufrieren", sagte auch IOC-Vize Thomas Bach, der als Chef der Disziplinarkommission 2006 in Turin mit sieben Fällen beschäftigt war, die zu zweijährigen Sperren geführt hatten.

EPO-Varianten bald nachweisbar?

Auch 2002 in Salt Lake City hatte es die gleiche Anzahl an überführten Athleten gegeben, darunter Dreifachsieger Johann Mühlegg, den für Spanien gestarteten Bayern.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte 2009 und zu Beginn 2010 zwar über 30 Athleten überführt und die Spiele aus Sicht von Rogge sauberer gemacht. Doch gerade im Bereich EPO-Doping gibt es leicht veränderte Mittel, die noch durch das Analyseraster fallen.

Bald könnten sie schon auffindbar sein, doch Eigenblutdoping erst dann, wenn von vielen Athleten Blutprofile angelegt wurden, die im Falle von Manipulation dann deutlich veränderte Parameter zeigen.

HGH nur kurz im Körper

In England wurde zwar ein Rugbyspieler im Training der Einnahme von Wachstumshormonen überführt und zwei Jahre gesperrt. (HGH-Alarm: Nur jeder fünfte Test greift)

Prof. Arne Ljungqvist, Chef der Medizinischen IOC-Kommission, räumte jedoch ein: "Dieses HGH ist nur kurz im Körper und bei Wettkampfkontrollen meist nicht auffindbar."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel