Das Olympia-Finale im Eishockey hat begeistert. Der Kontrast zum Zustand dieses Sports in Deutschland könnte größer kaum sein.

Kanada gegen USA - ein olympisches Traumfinale. Der 3:2-Sieg der Gastgeber mit zahlreichen spektakulären Szenen wurde in Kanada zum Straßenfeger. Nicht weniger als 320.000 Menschen wollten das Endspiel im Stadion von Vancouver verfolgen.

Hier war Klasse statt Masse angesagt.

Anders beim deutschen Nationalteam. Vier deftige Niederlagen in vier Turnierspielen. Trotz der eingesetzten NHL-Cracks kam die DEB-Auswahl unter die Räder. Platz elf von zwölf Teams - eine gehörige Blamage!

Dabei steht die Heim-WM vor der Tür und die NHL-Profis wollen gar nicht dabei sein. Ein erneutes Fiasko droht. Da lauscht man als Beobachter dann gern den Worten von Funktionären. DEB-Generalsekretär Franz Reindl zeigte sich - ein Wunder oder doch keins - mit der Leistung der Mannschaft zufrieden. Man höre und staune!

Reindl: "Das war das, was man erwarten konnte. Unser Plan war immer, dass wir die Heim-WM abwarten und dann die Leistungen der Nationalmannschaft neu bewerten." Ach sowas!

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Die TV-Reporter sahen das in Vancouver vor Ort wesentlich kritischer. Im "ZDF" nahm Günter-Peter Ploog kein Blatt vor den Mund und kritisierte die DEL. Fast nur drittklassige Ausländer, von denen junge deutsche Spieler nichts lernen können, wenn sie überhaupt zum Einsatz kommen. Die oberste Liga sei in Europa nicht etwa die zweitstärkste, wie behauptet, sondern bestenfalls viertklassig.

Ein Traditionsklub wie die Kölner Haie ringt um die wirtschaftliche Existenz. Die Präsenz in der Öffentlichkeit ist dank Pay-TV fast gleich Null. Die Spieler kennt man kaum. Die Ausländer wechseln die Klubs wie andere das Hemd. Ein einziges Kommen und Gehen. Null Identifikation. Vereins-Eishockey degeneriert zum lokalen Ereignis.

Ex-Bundestrainer Xaver Unsinn, der 1976 bei Olympia in Innsbruck noch sensationell mit Erich Kühnhackl und Co. Bronze gewann, predigte immer: "Eishockey muss in die großen Städte." Es kam in die großen Städte, aber dort verkümmert es.

Schon bei der Taufe geriet die DEL zur Farce. Von 17 Teams erreichten nach einer unendlich scheinenden Zahl von Vorrunden-Spielen 16 die Playoffs. Na sowas!

Während Ratingen nach der Achtelfinal-Pleite in den Playoffs gegen die DEG nur rund 50.000 Mark für ein Heimspiel kassierte, erhielten die ausgeschiedenen Berliner Eisbären als "Trost" und "Entschädigung" 100.000 Mark. Wie sagte doch FDP-Chef Guido Westerwelle jüngst: "Leistung soll sich lohnen."

Die DEL verkam mit fast nur drittklassigen Ausländern als Legionären zur Marionetten-Liga, auch wenn der Autor sich schon für die Bewertung einen Rüffel von Geschäftsführer Gernot Tripcke einfing.

Ex-Bundestrainer Hans Zach sah im Laufe der Jahre in der DEL das Unheil kommen. Die deutschen Spieler werden in die Ecke gedrängt, das Nationalteam dadurch geschwächt. Dinge, die einen "Alpenvulkan" regelmäßig in Rage brachten.

So ist der Niedergang von Vancouver eine logische Konsequenz. Die Kritik der Reporter am Nationalteam und der DEL ruft bei den DEB-Verantwortlichen nur Kopfschütteln hervor. Der läppische Kommentar: "Die Kritik ist auch nicht hilfreich." Ach sowas!

Übrigens: Seit Dienstagabend spielen sie wieder. Masse statt Klasse!

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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