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Münchens Oberbürgermeister Christian Ude unterstützt die Bewerbung © getty

Die Bayern-Metropole nimmt die vorletzte Hürde für die Winterspiele 2018. Einer der zwei Rivalen verletzt die Regeln.

Lausanne - Auf dem Marienplatz jubelten Ski-Legende Rosi Mittermaier, Rodel-Denkmal Georg Hackl und Oberbürgermeister Christian Ude inmitten der Menschenmenge.

Am Schauplatz der Entscheidung lagen sich in Lausanne die Köpfe des Projektes Olympia München 2018 in den Armen: IOC-Vize Thomas Bach und Katarina Witt, das Gesicht der Münchner Bewerbung, deren Chef Willy Bogner und Michael Vesper als Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Durch das Votum der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees wurde München am Dienstag zum offiziellen Kandidaten für die 23. Olympischen Winterspiele und die 12. Winter-Paralympcs 2018.

Damit stieg Hoffnung, dass die bayerische Metropole am 6. Juli 2011 bei der 123. IOC-Vollversammlung in Durban/Südafrika als erste Stadt der Welt nach Sommerspielen (1972) auch Winterspiele erhält.

Es wäre das vierte deutsche Olympia der Geschichte. 1936 waren Garmisch-Partenkirchen im Winter und Berlin im Sommer Gastgeber.

Bach: "Pyeongchang Favorit"

Für sein Mini-Bidbook erhielt München von den drei Bewerbern die besten Noten.

"München hat in vielen Punkten mit Pyeongchang zusammen sehr gute Bewertungen. Vor allem im Bereich Sportstätten und Umweltschutz/Ökologie. Aber Pyeongchang bleibt Favorit. Es hat die Erfahrung von zwei Bewerbungen", resumierte IOC-Vize Thomas Bach, der darauf verwies, dass die deutsche Politik nun die finanziellen Garantien erhärten müsse (Thomas Bach im SPORT1-Interview).

Als dritter Bewerber wurde auch Annecy/Frankreich in den Kandidaten-Status erhoben, muss aber sein Sportstätten-Konzert noch optimieren.

Fünf Ringe aus Luftballons

Als die olympischen Ringe nach 38 Jahren nach München zurückkehrten, stiegen zu den Klängen der Olympiahymne der Sommerspiele 1972 bunte Luftballons in den Himmel und formten die fünf Ringe, das Symbol der Spiele.

"Jetzt holen wir das schönste, tollste und gröte Sportereignis nach München", sagte der dreimalige Rodel-Olympiasieger Georg Hackl. Doppel-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier: "Olympische Spiele in Deutschland wären eine große Ehre für unser Land. Ich stecke da mein ganzes Herzblut rein."

"Diese Entscheidung hatten wir erhofft und erwartet. Bisher durften wir nur national auftreten, nun geht es los mit der internationalen Phase des Projektes", sagte ein zuversichtlicher Willy Bogner als Chef der Münchner Bewerbung.

Etwas negativ gewertet wurde die Tatsache, dass die öffentliche Zustimmung noch fehlt. Vor allem eine drohende Bürgerinitiative von Umweltschützern kostete offenbar Punkte.

"Verstoß gegen die Regeln"

Bogner rügte die Tatsache, dass Pyeongchang die IOC-Regeln verletzte, da es am Dienstag bereits vor der Ernennung zum Kandidaten auf seiner Internetseite als "Candidate City" war:

"Das ist ein Verstoß gegen die Regeln, dies müsste das IOC ahnden."

Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt, weltweit bekanntes Gesicht der Bewerbung: "Jetzt müssen wir international Lobbyarbeit betreiben, unsere Stärken herausstellen, an Schwächen arbeiten."

Evaluierung im Frühjahr

Das Votum von Lausanne war auch deshalb erfreulich, weil seit München 1972 in Berchtesgaden (für Winter 1992), Berlin (Sommer 2000) und Leipzig (Sommer 2012) drei deutsche Kandidaten früh gescheitert waren.

2005 schaffte es Bewerber Leipzig im Kontrast zu München nicht einmal in den Kreis der Kandidatenstädte.

Diese müssen nun bis 11. Januar 2011 ihre Bewerbungsunterlagen mit dem Bidbook beim IOC einreichen. Im Februar und März besucht die Evaluierungskommission die Städte, legt bis Juni ihren Bericht als Grundlage des Votums am 6. Juli in Durban vor.

Über drei Milliarden Gesamtkosten

Die derzeit kalkulierten 3,1 Milliarden Gesamtkosten stecken in zwei Budgets. Der Etat des Organisationskomitees (1,1 Mrd.) enthält alle Ausgaben für die Durchführung der Spiele.

"Hier erwarten wir bald Nachricht vom IOC, wie hoch sein Zuschuss sein wird. Wir wollen unter dem Strich Gewinn machen", sagt Bernhard Schwank, Geschäftsführer des Olympia-Kandidaten.

Den Etat für infrastrukturelle Maßnahmen (2,0 Mrd.) finanziert nach Zusage von Kanzlerin Angela Merkel die Bundesregierung zur Hälfte, ein Großteil kommt von privaten Investoren, dem Land Bayern, ein geringer Teil von den Kommunen.

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