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München konkurriert sich mit Pyeongchang und Annecy um die Winterspiele 2018 © getty

Der Konflikt um die Olympia-Bewerbung eskaliert. Die Initiatoren des Garmischer Bürgerbegehrens erhalten Morddrohungen.

München - Mit Morddrohungen gegen die drei namhaftesten Olympia-Gegner hat der Streit um die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 einen traurigen Höhepunkt erreicht.

Die Polizei ermittelt gegen den anonymen Briefschreiber, Bewerbungschef Willy Bogner ist über den erneuten Rückschlag für das mit dem Slogan "Freunde gewinnen" gestartete Olympia-Projekt entsetzt.

"Wir distanzieren uns von dieser Drohung und jeglichen vergleichbaren Vorfällen", sagte Bogner und fügte hinzu:

"Wir wünschen uns eine lückenlose Aufklärung durch die Polizei. Die Vorfälle stehen im Widerspruch zu den friedlichen Gedanken der Olympischen und Paralympischen Spiele."

Er rief nachdrücklich zu einem friedlichen Dialog zwischen den Befürwortern und Gegnern auf.

"NOlympia" als Ziel der Drohung

Das Klima scheint jedoch vergiftet. "Den Abschluss des Volksbegehrens überlebt ihr drei nicht", heißt es laut Axel Doering in dem Drohbrief.

Gemeint sind damit offenbar neben dem Vorsitzenden des Bundes Naturschutz in Garmisch-Partenkirchen auch sein Stellvertreter Andreas Keller und der Grünen-Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann.

Er ist einer der Sprecher des Bündnisses "NOlympia", das unter der Zugspitze ein Bürgerbegehren gegen die Austragung der Winterspiele durchziehen will.

Mehrere tausend Unterschriften sollen dazu schon vorliegen.

Ende der Bewerbung droht

In Oberammergau führte eine ähnliche Protest-Aktion schon zur Änderung der Olympia-Pläne, in denen der weltbekannte Ort der Passionsspiele nun nicht mehr vertreten ist.

Ein Abschied von Garmisch-Partenkirchen, wo 2018 ein Großteil der Schnee-Wettbewerbe stattfinden soll, könnte das Ende der Bewerbung bedeuten.

Zerschlagene Scheibe und Attacke gegen Maskottchen

Im Olympia-Ort von 1936 sind die Fronten verhärtet.

Mal wurde eine Autoscheibe bei einer Grundstückseigentümerin eingeschlagen, die ihr Land nicht für die Winterspiele zur Verfügung stellen will.

Ein anderes Mal wurde das Maskottchen für die im Februar 2011 anstehende Alpin-WM in Garmisch-Partenkirchen mit Hitlerbärtchen und Parolen verunstaltet.

Nun also fühlt sich ein nach eigener Aussage mit Schusswaffen vertrauter Mensch berufen, in einem in München eingeworfenen Brief die Olympia-Gegner mit Mord zu bedrohen.

Bogner in der Kritik

Dass es zur Eskalation zwischen Befürwortern und Gegnern gekommen ist, hat auch ein gutes Stück mit den Kommunikationsmethoden der Bewerbungsgesellschaft um ihren immer mehr in die Kritik geratenden Chef Willy Bogner zu tun.

Den Grundeinstückseigentümern in GAP wurden nach Gutsherrenart fertige Verträge für 2018 mit der Aufforderung zum Unterzeichnen zugeschickt.

"Der Ton macht die Musik", wird Katarina Witt, die Kuratoriumsvorsitzende der Bewerbung, in der Münchner "AZ" zitiert: "Ich wäre auch sauer, wenn man nicht mit mir gesprochen hätte."

Der bedrohte Olympia-Gegner Axel Doering will sich übrigens nicht einschüchtern lassen. Er möchte noch im Herbst wegen angeblich drohender ökologischer und ökonomischer Schäden das Bürgerbegehren gegen München 2018 durchziehen.

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