vergrößernverkleinern
Katharina Witt gewann 1984 und 1008 olympisches Gold im Eiskunstlauf © imago

Der Bogner-Rücktritt erschwert die Situation der Münchner Olympiabewerbung. Frontfrau Katarina Witt läuft die Zeit davon.

München - Für die Münchner Olympiabewerbung für 2018 wird es immer enger.

Der krankheitsbedingte Rückzug des umstrittenen Bewerbungschefs Willy Bogner hat eine große Lücke hinterlassen und die ohnehin schon zahlreichen Probleme der Bewerber noch erweitert.

Zudem drängt die Zeit, bis zur Abgabe des "Bid Book" bleiben nur noch vier Monate.

Die "Süddeutsche Zeitung" bringt die misslige Lage auf den Punkt: "Um die Bewerbung zu retten, hilft nur noch ein kleines Wunder."

Bach vertraut Witt

DOSB-Präsident Thomas Bach setzt weniger auf ein Wunder, sondern vielmehr auf eine Charme-Offensive von Bogner-"Erbin" Katarina Witt.

"Katarina Witt hat die Aufgabe der Präsentation von München 2018 schon bei den Jugendspielen in Singapur hervorragend ausgefüllt.

Wir haben ein bestes Echo von allen Beteiligten und IOC-Mitgliedern erhalten. Diese Rolle wird sie weiterführen - und ich bin mir sicher, dass sie es mit Erfolg tun wird", sagt Bach.

Witt will Herzen der Menschen erreichen

Die zweimalige Olympiasiegerin stellt sich der Herausforderung mit großem Enthusiasmus.

"Wir müssen jetzt vor allem die Bevölkerung einbinden und alles daran setzen, unseren gemeinsamen Traum von Olympia im eigenen Land zu erfüllen", gibt Katarina Witt als Marschroute vor.

Sie will die Herzen der Menschen erreichen, die Sportfans auf ihre Seite holen und "allen Gesprächspartnern immer auf Augenhöhe begegnen". Die Politiker erinnert die 41-Jährige an "die große Aufgabe in Garmisch. Auch dort muss man vor allem den Menschen zuhören und ihre Probleme ernstnehmen."

Erinnerung an Olympia-Geschichte

Bach sieht die Münchner Probleme ohnehin nur als lästige Randerscheinungen: "Solche Dinge sind im Laufe von Bewerbungen Routine", sagt der IOC-Vize.

"Um das mal in die richtige Perspektive zu rücken", solle man sich andere erfolgreiche Bewerbungen der Olympia-Geschichte anschauen.

Dort habe es in der Bewerbungsphase oft auch Schwierigkeiten, dann aber doch erfolgreiche Spiele gegeben. Bach sieht München deshalb "auf einem guten Weg und im Zeitplan".

Zeit drängt

Am 11. Januar 2011 müssen die Bewerbungsunterlagen beim IOC eingereicht werden - doch tatsächlich bleibt Witt und Bernhard Schwank, Bogners Nachfolger an der Spitze der Geschäftsführung, viel weniger Zeit.

Denn dass nach November noch mögliche substanzielle Änderungen am "Bid Book" vorgenommen werden könnten, gilt als ausgeschlossen.

Garmischer Grundstücksfrage weiter ungeklärt

Bach läst gleichwohl keine Zweifel zu. "Die Grundstücksfrage wird im Herbst gelöst sein. Dann wird München mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee ein wettbewerbsfähiges Olympisches Dorf präsentieren", sagt er über den Streit mit den Bauern im Werdenfelser Land.

Zuletzt musste sich dabei sogar das Pentagon einschalten, weil das vorgesehene Grundstück - ein Golfplatz in Burgrain bei Garmisch - noch immer dem NATO-Truppenstatut unterliegt.

Eine Entscheidung aus den USA steht aus. Und nicht nur inhaltlich bleiben viele Fragen.

Bereits dritter Rücktritt

Der Rückzug des oft undiplomatischen Bogners aus dem operativen Geschäft ist schon der dritte eines wichtigen Repräsentanten der Bewerbungsgesellschaft.

2009 legte Wilfried Spronk, langjähriger Chef der Olympiapark-Gesellschaft München, sein Amt nieder.

Im März zog sich Geschäftsführer Richard Adam wegen interner Dissonanzen mit Schwank zurück. Die nicht enden wollenden Personalrochaden dürften die Entscheidungsträger im IOC wenig begeistern.

Schwank setzt aufs Team

Schwank bedauerte den Rückzug Bogners. "Er wird uns fehlen, als Mensch. Doch die Bewerbung darf darunter nicht leiden", sagte der neue Geschäftsführer.

Große Veränderungen werde es für ihn nicht geben. "Es wird nichts komplett Neues auf mich zukommen. Ich war ja von Anfang an dabei. Ich habe jetzt die Verantwortung für das Gesamte. Doch ich kann mich auf ein gutes Team stützen", sagte Schwank.

Das Ziel bleibt das Gleiche. "Wir wollen am Ende gewinnen. Es gibt nur Gold."

Wichtiger Termin in Acapulco

Umso mehr ist nun Witt gefragt. Im kommenden Monat tagt in Acapulco die Nationalversammlung aller NOKs.

Am Pazifik sollen sich die Bewerber München, Pyeongchang und Annecy erneut präsentieren - ein richtungweisender Termin, bei dem sich Witt und Co. keine Schwächen mehr erlauben dürfen.

"Meine vielen Gespräche mit IOC-Mitgliedern zeigen, dass wir gut im Rennen liegen, dass es aber auch noch viel zu tun gibt", hatte die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin in einem ersten Statement nach Bogners Abtritt erklärt.

Unterstützung der Politik gefragt

Auch die Strippenzieher hinter Witt sind nun verstärkt gefragt: Schwank, stets treuer Diener Bachs, und Staatskanzleichef Siegfried Schneider, die Schlüsselfigur in den Verhandlungen mit dem Pentagon.

Noch hält die Politik zur Bewerbung. "Wir können und werden auf die bleibenden Impulse, die Willy Bogner der Bewerbung gegeben hat, aufbauen", sagt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel