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Felix Neureuther feierte in seiner bisherigen Laufbahn zwei Weltcup-Siege © getty

Ein Kompromiss-Vorschlag zu Bauvorhaben, mit dem fast alle leben können, hilft Münchens Bewerbung auf einmal aus der Sackgasse.

München/Garmisch-Partenkirchen - Ludwig Hartmann will weiter gegen Olympische Winterspiele "München 2018" kämpen. Doch er weiß, dass er einen Rückschlag erlitten hat.

"Die Gegenseite hat wieder den Kopf aus dem Wasser gereckt", sagt der Landtagsabgeordnete der bayerischen Grünen und einer der Aktivposten des Bündnisses Olympia.

Tatsächlich haben die Olympia-Befürworter ein wenig Oberwasser bekommen:

Am Problemstandort Garmisch-Partenkirchen ist eine vielleicht entscheidende Kehrtwende gelungen - auch wenn noch nicht alle Beteiligten laut "hurra" schreien.

Kompromiss ausgehandelt

Nach Wochen, ja Monaten offensichtlich konstruktiver und vertrauensvoller Verhandlungen ist es Siegfried Schneider, Chef der bayerischen Staatskanzlei, gelungen, einen Kompromiss auszuhandeln, mit dem viele leben können.

Olympia in Garmisch-Partenkirchen soll nun doch etwas anders aussehen als bisher geplant: viele ambitionierte Bauvorhaben wird es nicht geben; viele der hart umkämpften Grünflächen stehen nicht mehr zur Diskussion.

Und nachdem bereits Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe ins acht Kilometer entfernte Murnau verlegt wurden, sollen dort nun auch die Medien untergebracht werden.

Lob von Ude

"Schneider hat das sehr gut gemacht", lobt Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) über die Parteigrenzen hinweg den CSU-Politiker.

In der Tat klingen die bisherigen Kritiker in Garmisch-Partenkirchen nun sehr milde.

"Wir haben wesentliche Ziele durchsetzen können, jetzt schau'n wir mal, wie wir dem Minister Schneider helfen können", sagt Josef Glatz, Chef der bislang äußerst renitenten Weidegenossenschaft.

Positive Stimmung

Und Thomas Grasegger, Sprecher der sogenannten Interessengemeinschaft aus neun Garmischer und Partenkirchner Vereinen, spricht von einer "Lösung der Vernunft".

Bei der Bewerbungsgesellschaft ist eine gewisse Erleichterung unüberhörbar.

"Wir sind sehr positiv gestimmt", sagt "München 2018"-Sprecher Jochen Färber. Nun wird schleunigst das sogenannte Eckpunktepapier überarbeitet, das von den politischen Gremiem abgesegnet werden muss.

"Ein paar Fragen sind noch offen"

In der kommenden Woche wird es der Öffentlichkeit vorgestellt, "ein paar Fragen sind noch offen", erklärt Färber.

So sollen etwa große Teile des Mediendorfes auf einem Kasernengelände in Murnau untergebracht werden.

Wie das Gelände genutzt werden kann, muss noch geprüft werden, ebenso einige offene Grundstücksfragen in Garmisch-Partenkirchen.

Entscheidung Anfang Oktober

Am 6. Oktober muss dann der Gemeinderat in Garmisch-Partenkirchen den neuen Pläne zustimmen - kurioserweise aber vorher erst mal die bisherigen Beschlüsse aufheben.

Ein neues Kongresshaus, neue Hotels und eine schicke Mehrzweckhalle anstelle des alten Olympia-Eisstadions, dazu ein Athleten- und ein Mediendorf auf der grünen Wiese:

So sollte "GAP" bislang for Olympia herausgeputzt werden.

Athletendorf auf Gemeindeflächen?

Nun sollen die alte Kongresshalle, Eisstadion und das defizitäre Alpspitz-Bad lediglich saniert werden.

Die grüne Wiese bleibt wohl weitgehend unberührt, das Athletendorf soll Platz auf Gemeindeflächen finden.

"Wir haben mehr als hundert Prozent von dem erreicht, was wir gefordert haben", sagt Grasegger zufrieden.

Staatskanzlei-Chef Schneider: "Alle gewinnen"

"Mit diesem Pakt gewinnen alle", hatte zuvor bereits Staatskanzlei-Chef Schneider verlauten lassen.

LudwigHartmann ist da selbstverständlich nach wie vor anderer Meinung:

"Die entscheidende Frage, welchen Mehrwert dieses 18-tägige Milliarden-Event für die Menschen in der Region Garmisch-Partenkirchen bringen soll, ist nicht beantwortet", sagt der Landtags-Grüne.

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