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Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ist für die Olympia-Bewerbung © getty

Neuer Widerstand gegen das Prestige-Projekt: Die Basis der Münchener Grünen will die Bewerbung für 2018 kippen.

München - Josef "Hep" Monatzeder redete gar nicht lange um den heißen Brei herum.

"Wenn wir am Mittwoch gegen Olympia stimmen, ist die Koalition am Ende", sagte Münchens dritter Bürgermeister.

Monatzeders Sorge hat einen guten Grund: Am Montag haben seine grünen Parteifreunde auf ihrer Stadtversammlung die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 in einer turbulenten Sitzung mit Zwei-Drittel-Mehrheit abgelehnt.

Sollten die Grünen am Mittwoch in der Stadtratssitzung stur bleiben, wäre nicht nur "München 2018" in Gefahr.

Oberbürgermeister akzeptiert kein "Nein"

Dass Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ein Nein der Grünen zu seinem Vorzeigeprojekt und damit einen Verstoß gegen den Koalitionsvertrag akzeptieren wird, gilt als ausgeschlossen.

Deshalb gehen Insider davon aus, dass die Stadtrats-Grünen trotz der massiven Ablehnung der Basis für Olympia stimmen werden.

"Wir entscheiden nach unserem Gewissen", kündigte Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker an. Von der "dpa" wird er aber mit den Worten zitiert, dass er davon ausgehe, dass seine Stadtratskollegen an Olympia festhielten.

Weisungsgebunden sind er und seine Kollegen nicht. Die Münchner SPD setzte den Partner am Dienstag unter Druck.

Man erwarte, dass die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag eingehalten wird, sagte der Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann.

Pfaffmann sehr verärgert

Das Ergebnis der Stadtversammlung der Grünen nahm Pfaffmann "mit großem Befremden" zur Kenntnis.

Zudem kritisierte er das Verhalten der "Fundamentaloppositionellen aus der Landespolitik", wie etwa die von Ludwig Hartmann, auf dessen Antrag hin die Grünen sich gegen die Bewerbung ausgesprochen hatten.

Leute wie Hartmann, betonte Pfaffmann, hätten "in Regierungsverantwortung nichts zu suchen".

"Wird tiefen Graben hinterlassen"

Hartmann aber steht zu seiner Kontra-Haltung. "Die Bewerbung tritt grüne Überzeugungen mit Füßen", sagte Hartmann, bei der Ablehnung solle es auch am Mittwoch bleiben.

"Unsere Zustimmung ist nicht mehr zu erreichen", meinte er.

Jetzt sei die Stadtratsfraktion gefordert, "einen Weg zu finden, um aus dieser Sache mit erhobenem Haupte herauszukommen". Wie das gelingen könnte, darüber wurde am Dienstag debattiert.

"Bid Book" muss vorgelegt werden

Die Mehrheit aus Christlich Sozialem Bündnis (CSB) und Freien Wählern hat aber bereits ihre Zustimmung signalisiert.

Das zur Abstimmung vorliegende Papier ist die Grundlage für das sogenannte Bid Book.

Dieses muss von den drei Bewerbern München, Pyeongchang/Südkorea und Annecy/Frankreich bis zum 11. Januar 2011 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgelegt werden.

Es soll dem IOC Antworten auf Fragen zu 17 Themen geben, u.a. Vision der Spiele, Olympisches Erbe, Kultur, Kommunikation, Sport, Sportstätten, Verkehr, Unterbringung, Doping-Kontrollen, medizinische Betreuung, Sicherheit, Politik und Wirtschaft.

2,6 bis 3,1 Milliarden Euro Kosten

Die Münchner Spiele sollen insgesamt zwischen 2,6 und 3,1 Milliarden Euro kosten.

Das Eckdatenpapier wird am Mittwoch auch im bayerischen Kabinett beraten.

Ministerpräsident Horst Seehofer hat bereits betont, dass die Staatsregierung "uneingeschränkt an dieser Bewerbung festhalten wird".

Michael Vesper, Aufsichtsratschef von "München 2018", bezeichnete das Papier als "Meilenstein" für die Bewerbung.

Es liege ein "exzellentes Sportkonzept" und ein "vorbildliches Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept" vor.

Gegen die Kritik der Grünen, die Olympiamacher arbeiteten wenig transparent, verwahrte er sich. "Wir haben immer mit offenen Karten gespielt", sagte Vesper.

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